Wirtschaft
Symbol der Ungleichheit: Das neue Intercontinental in Davos.
Symbol der Ungleichheit: Das neue Intercontinental in Davos.(Foto: AP)

Pompöses Treffen der Weltelite : Superreiche beschäftigt Ungleichheit

Von Carola Ferstl, Davos

Fünf Tage lang wird aus der höchstgelegenen Stadt Europas der Treffpunkt der selbsternannten Weltelite. In Davos versammeln sich Denker und Lenker zum Weltwirtschaftsforum und haben nur eins im Sinn: Wie wird die Welt besser? Und neben wem muss ich heute abend unbedingt sitzen?

Wie ein goldenes, leuchtendes Ei aus einer anderen Welt thront das neue Interconti über dem Davoser See. Und es ist davon auszugehen, dass das Hotel zum Symbol des diesjährigen World Economic Forum schlechthin wird. Denn, so sagt es der Gründer des WEF Klaus Schwab, nicht die Entwicklung in China oder Iran seien das größte Risiko, sondern die Ungleichheit in der Weltbevölkerung. Die wenigen da oben, die alles haben, gegen den großen Rest ohne Chance auf Teilhabe.

Carola Ferstl
Carola Ferstl(Foto: Privat)

Sogar der Papst machte den Teilnehmern des WEF seine Aufwartung, wenn auch nur in einer verlesenen Botschaft. Auch er ermahnte die Unternehmenschefs, alles in ihren Möglichkeiten zu tun, um die Ungleichgewichte in dieser Welt zu beseitigen. In Zahlen ausgedrückt hat das die Hilfsorganisation Oxfam: 85 Reiche auf diesem Planeten besitzen soviel wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit zusammen.

Einige von diesen Superreichen sitzen dort oben, im Interconti, und halten Hof. Nur noch selten und durch dunkle Limousinenscheiben von neugierigen Blicken geschützt, nehmen sie den Weg ins Davoser Kongresszentrum auf sich. Dort unten wird um die Zukunft der Welt gerungen, in Diskussionsforen, auf Panels und in kleinen Zirkeln. Business as usual.

Aus der Zeit gefallen

Nebenan im Steigenberger Belvedere, dem Treffpunkt des WEF in all den vergangenen Jahrzehnten, scheint die Zeit still zu stehen. Das schöne alte Gebäude mit seinen engen Gängen und kleinen Sälen mit dem Schweizer Flair hielt dem Zirkus des WEF schon seit Jahren kaum noch stand. Nun wirkt es vollends wie aus der Zeit gefallen.

Hier wuseln die Arbeiter des Forums, die Mitarbeiter der großen Firmen reißen ihre Termine ab, Speed-dating für Workaholics, hier wird genetworkt und getalkt. Immer wieder hört man, dass sich das WEF trotz der hohen Teilnahmegebühr für alle rechnet, weil man enorme Reisekosten und -Zeit spart.

Im ehrwürdigen Steigenberger Belvedere finden - noch - die berühmten Parties des WEF statt. Heute lädt die deutsche Industrie-Ikone Jürgen Grossmann zum Krebsessen, danach tummelt sich alles nebenan beim DLD Focus Nightcup auf Kosten des Münchner Burda Verlages.

Doch das ist erst der Anfang, denn in den nächsten Tagen empfängt hier jedes Unternehmen, das was auf sich hält, zum Trinken, Vernetzen und Chillen nach einem langen Tag voller Diskussionen und Meetings.

Ulkiger Beigeschmack

Bisher waren die Wege in Davos verhältnismäßig kurz. Mit den praktischen Spikes, die jeder Teilnehmer zu Beginn des WEF geschenkt bekommt, war der Weg vom Kongresszentrum ins Hotel kein Problem.

Doch das hat sich mit der Fertigstellung des Interconti nun ein für alle Mal geändert. Nun liegt das Epizentrum der Wichtigen und Mächtigen außerhalb des Ortes, ein langer Weg dorthin, zu Fuß auf den schneeglatten Straßen, kaum zu machen. Sicherlich hat niemand daran gedacht, dass das Thema "social exclusion" hier einen ulkigen Beigeschmack bekommt. Aber wer "in" ist, logiert nun hier oben mit Blick über den See, wie Marissa Meyer, das Golden Girl von Yahoo, das ihr Haupt in die neuen Kissen des 5 Sterne-Plus Hauses bettet.

Am Sonntag endet das WEF mit dem berühmten Skirennen auf dem Weissflugjoch, auf dem CEOs gegen Journalisten ihr Können unter Beweis stellen. Zum zweiten Mal lädt Peter Terium von RWE zum Rennen und Networken ein. Er, der gerade damit gedroht hat, Kraftwerke abzuschalten, wird das Treffen in eiskalter Bergluft sicher nutzen, seine Einwände gegen Minister Sigmar Gabriels Wende in der Energiewende vorzubringen.

Alle anderen Teilnehmer werden eher gespannt fragen: Kommt er oder kommt er nicht? Denn auch in diesem Jahr hofft man auf den ehrgeizigen Goldman-Sachs-Mann Alexander Dibelius, der fast immer seine Konkurrenz auf den Brettern in die Grenzen gewiesen hat. Nun hasst der außer dem zweiten Platz beim Skirennen nichts mehr als schlechte Presse. Leider gab's die reichlich wegen des unappetitlichen Rosenkrieges im Hause Dibelius. Rast er also den schlechten Nachrichten mit einem neuen Zeitrekord auf der Riesenslalomstrecke einfach davon?

Quelle: n-tv.de

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