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Vorstandswechsel: Michael Frenzel (r.) legt die Zügel in die Hände von Friedrich Joussen.
Vorstandswechsel: Michael Frenzel (r.) legt die Zügel in die Hände von Friedrich Joussen.(Foto: dapd)

Neuer Chef will frischen Wind: TUI-König Frenzel dankt ab

TUI-Chef Michael Frenzel verabschiedet sich mit schlechten Quartalsergebnissen von der Spitze des Reisekonzerns. Miese Zahlen bei der Reederei Hapag-Lloyd ziehen das Gesamtergebnis nach unten. Der neue Chef Friedrich Joussen gibt sich energisch, er will den Laden nun aufpolieren.

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Generationenwechsel an der TUI -Spitze: Nach knapp zwei Jahrzehnten tritt Konzernchef Michael Frenzel ab. Sein Nachfolger, der frühere Mobilfunk-Manager Friedrich Joussen, krempelt gleich die Ärmel hoch und forciert den Umbau. Und macht daraus bei seinem ersten Auftritt vor den TUI-Aktionären kein Geheimnis. "In den nächsten Wochen werden wir uns sehr genau die einzelnen Unternehmensbereiche vornehmen und - etwas salopp formuliert - vor der eigenen Haustür kehren", sagte Joussen auf der Hauptversammlung in Hannover. Es gelte, die Stärken des Unternehmens auszubauen und bei Schwächen entschlossen zu handeln. "Meine Geduld hört dort auf, wo die Performance der einzelnen Unternehmensteile nicht stimmt."

Er werde noch einige Monate benötigen, um einen Überblick zu haben. Für die 74.000 Mitarbeiter weltweit beginnt damit eine Zeit der Ungewissheit. Nach einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" erwägt Joussen, in der niedersächsischen Konzernzentrale Jobs abzubauen, um die Tui-Gruppe "kosteneffizienter und kapitaleffektiver" zu machen. Umstritten dürften aus Sicht von Aktionärsvertretern auch Pläne sein, die Vergütung der Aufsichtsräte erstmals seit 2006 wieder anzuheben.

Der frühere Vodafone-Deutschland-Chef legte bereits vor seinem offiziellen Amtsantritt los und besuchte Unternehmensteile, urlaubte probeweise in einem Club auf Mallorca und arbeite in Reisebüros mit. Davon brachte er auch positive Nachrichten mit: "Der Konzern hat eine hervorragende Ausgangsbasis." TUI sei Branchenführer in Europa und der Reisemarkt wachse jährlich um drei Prozent.

"Regentschaft des Niedergangs"

Der TUI-Konzern in seiner derzeitigen Form ist das Werk von Frenzel. Der Ex-Banker hatte seinen Posten 1994 angetreten und den von Bergbau und Stahl dominierten Mischkonzern Preussag zum Touristik-Riesen TUI umgebaut. Er ist einer der dienstältesten Vorstandschefs eines börsennotierten Großunternehmens in Deutschland. Gleichzeitig ist er ein viel kritisierter Top-Manager. "Die Ära Frenzel ist eine Regentschaft des Niedergangs", sagt Ingo Speich, Portfolio-Manager bei Union Investment, vor den Aktionären. Seit Frenzels Amtsantritt habe sich der Dax verdreifacht, die TUI-Aktie habe sich dagegen inklusive aller Dividendenzahlungen nicht bewegt.

Andere Kritiker werfen Frenzel vor, dass es in seiner Amtszeit zu viele Strategiewechsel gab - mindestens 100 Unternehmen wurden unter seiner Ägide ge- und verkauft. Ein Beispiel: Frenzel hatte das Schifffahrtsgeschäft von Hapag-Lloyd zum zweiten Standbein von TUI ausgebaut, um das Auf und Ab der Reisekonjunktur abzufedern. Die Rechnung ging nicht auf und TUI baute seinen Anteil über die Jahre wieder ab. TUI hält 22 Prozent an Hapag-Lloyd und will ganz aussteigen. Zukunftsprojekte wie den Ausbau der Internet-Sparte hat das Unternehmen nach Ansicht von Beobachtern in dieser Zeit verpasst.

Daneben plagt den Konzern eine teure Doppelstruktur: Das eigentliche Reise-Kerngeschäft wird nicht von TUI aus Hannover gelenkt, sondern ist bei der Tochter TUI Travel in Großbritannien gebündelt. "Sicherlich nicht optimal", sagte Frenzel. Um dem künftigen Konzernumbau nicht im Weg zu stehen, gibt er am 25. März vorzeitig sein Mandat als Chairman von TUI Travel ab. TUI hält an der britischen Tochter 56 Prozent

Im Januar war ein Anlauf für ein Zusammengehen bereits gescheitert. Die Übernahmegespräche zwischen beiden Unternehmen waren nach nur einer Woche auf Eis gelegt worden. Der angedachte Aktientausch wäre beim geplanten Austauschverhältnis nicht im Interesse der TUI-Eigner gewesen, hieß es seinerzeit.

Rote Zahlen

Zudem verabschiedet sich Frenzel mit düsteren Quartalsergebnissen vom Konzern. Wegen schlechterer Ergebnisse der Tourismustochter TUI Travel und roter Zahlen bei der Reederei Hapag-Lloyd stand im vergangenen Quartal unter dem Strich ein Fehlbetrag von 137 Mio. Euro nach einem Verlust von 88 Mio. Euro Verlust im Vorjahreszeitraum. Damals hatten positive Einmaleffekte den Verlust noch abgefedert. Der Umsatz stieg um gut ein Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Der Konzern hält an seinen Erwartungen für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr fest: Bei leicht steigenden Umsätzen soll unter dem Strich ein positives Konzernergebnis stehen. Das operative Ergebnis soll das Niveau des Vorjahres erreichen.

Quelle: n-tv.de

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