Wirtschaft
Ist Rauchen bald ein Relikt der Vergangenheit?
Ist Rauchen bald ein Relikt der Vergangenheit?(Foto: REUTERS)

PR-Gag von Philip Morris? : Tabakriese sieht Ende der Zigaretten-Ära

Kaum eine Branche muss so um ihre Daseinsberechtigung kämpfen wie die Tabakindustrie. Jedem Kind wird mit Schockbildern ins Gedächtnis gebrannt, dass Rauchen tödlich sein kann. Plötzlich scheint die Industrie geläutert.

Wenn der Chef eines großen Zigarettenkonzerns das Ende der Zigaretten-Ära ankündigt, scheint auf den ersten Eindruck etwas falsch zu sein. Er könnte den Job verfehlt haben oder er hat die vergangenen Jahrzehnte verschlafen. In diesem Verdacht steht der Philip Morris-Chef, Andre Calantzopoulos, jedoch nicht. Er steht nach fast 30-jähriger Unternehmenszugehörigkeit seit 2013 an der Spitze des Weltkonzerns. An seinem unternehmerischen Geschick hängen über 80.000 Stellen.

Chart

Trotzdem stellte er - zugegebenermaßen vage - das Ende des Glimmstängels in Aussicht. Im Gespräch mit der BBC kündigte er an, dafür sogar mit den Regierungen zusammen arbeiten zu wollen. Irgendwann könne man zusammen eine Auslaufperiode für klassische Zigaretten ins Auge fassen.

Rauchen ist ungesund, macht abhängig und kann töten. Wie das aussieht, zeigen seit einem halben Jahr die Schockbilder, die plakativ auf den Packungen prangen. Wegen der Gesundheitsrisiken des Rauchens wird Philip Morris, zu der auch die Marke Marlboro gehört, wie die gesamte Tabakbranche, nicht erst seit gestern kritisiert. Laut Weltgesundheitsorganisation sterben jedes Jahr über sechs Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Was treibt das Marlboro-Unternehmen also dazu, dem Zigarettenqualm ausgerechnet jetzt den Garaus zu machen?

Entwarnung

Zunächst einmal: Ganz so schnell wird es nicht gehen. Das räumt selbst die Industrie ein. Noch im Jahr 2025 werden laut dem Philip-Morris-Chef mehr als eine Milliarde Menschen rauchen. Dass es immer mehr werden, liegt vor allem am stetigen Wachstum der Weltbevölkerung. Die Einsicht, dass Rauchen schädlich ist, mag zwar bei der Industrie gesackt sein. Wann genau allerdings der letzte Glimmstängel ausgedrückt wird, bleibt aber nebulös.

Der oberste Marlboro-Mann ist sich seiner Verantwortung als Konzern-Chef durchaus bewusst. Das Ende der Zigaretten-Ära hänge auch davon ab, wie schnell alternative Produkte von der Kundschaft angenommen würden, erklärte er. Er selbst hoffe, diese Zeit würde "bald kommen".

Flügel verleihen dieser Hoffnung die neuen Produkte der Zigarettenindustrie, wozu auch ein neuer Tabak-Erhitzer gehört. Philip Morris hat angeblich inzwischen mehrere Alternativen zur Zigarette im Sortiment.

Medienwirksame Ankündigung

Rechtzeitig zur großen Verabschiedung der Zigarette führte Philip Morris am Mittwoch in Großbritannien seine neue E-Zigarette Iqos ein. Das neue Gerät verdampft Nikotinflüssigkeit statt echten Tabak. Das Nervengift wird nur durch Erhitzen gelöst, der Nutzer muss also keine Verbrennungsgase einatmen. Philip Morris geht davon aus, dass dies deutlich weniger schädlich ist als konventioneller Zigarettenrauch.

Die vermeintliche Läuterung kommt also nicht von ungefähr. Weltweit werden immer weniger Zigaretten verkauft. Vor allem im Quartal nach der Einführung der Schockbilder ging der Tabakabsatz deutlich zurück. Von Juli bis September wurden in Deutschland laut Statistischen Bundesamt 11,3 Prozent weniger Zigaretten versteuert als im Vorjahreszeitraum.

Auch in anderen Ländern schrumpft der Absatz. Am Dienstag gab der Hersteller der traditionsreichen französischen Zigarettenmarke "Gauloises" bekannt, die letzte große Fabrik in Frankreich zu schließen.

Tabakproduzenten wie Philip Morris setzen daher immer stärker auf Ersatzprodukte wie E-Zigaretten. Iqos-Zigaretten gibt nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Deutschland, Japan, Italien und der Schweiz. Geraucht wird also auch in Zukunft genug - nur anders.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen