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60 Millionen Autos ingesamt: Takata-Rückruf schockt Anleger

Wenn ein Airbag auslöst, sollten keine Metallteile herumfliegen. Bei Takata-Modellen war das aber der Fall. Zehn Todesopfer soll es gegeben haben. Nun wird der eingeleitete Rückruf noch einmal ausgeweitet. Die Kosten lassen die Aktionäre aufhorchen.

Die erneute Ausweitung der Rückrufe von Fahrzeugen mit Airbags des japanischen Herstellers Takata hat den Aktienkurs des Unternehmens auf Talfahrt geschickt. In Tokio rutschte die Aktie mit einem Minus von rund 10 Prozent auf ein Siebenjahrestief und büßte somit eine Marktkapitalisierung von 50 Milliarden Yen (umgerechnet 389 Millionen Euro) ein. Die Aktie verabschiedete sich bei einem Stand von 608 Yen aus dem Tag. Nikkei und Topix konnten indes zulegen.

Die Airbags von Takata sind ein Dauerproblem der Autobranche und nun müssen weitere 5 Millionen Autos in den Werkstätten überprüft werden. In den USA sind nun insgesamt 24 Millionen Fahrzeuge betroffen. Weltweit sind es nach Aussage des japanischen Transportministeriums mittlerweile 60 Millionen Autos, die zurückgerufen werden mussten.

Zehn Tote

Die Investoren sorgen sich zunehmend um die Kosten der Rückrufaktion. Auslöser der Rückrufe sind Probleme beim Inflator der Airbags. Der Inflator eines Airbags ist dafür zuständig, bei einem Unfall mittels Treibgasen dafür zu sorgen, dass der Airbag schnellstmöglich aufgefüllt wird und seine Aufgaben zum Schutz der Passagiere übernehmen kann.

Bei Takata-Inflatoren war es bei diesem Vorgang zu herumfliegenden Metallteilen gekommen. Zehn Tote werden mit diesem Problem in Verbindung gebracht. Die US-Behörde für Verkehrssicherheit hatte im vergangenen Jahr angeordnet, dass Takata in der Zukunft auf Ammoniumnitrat als Treibmittel verzichten muss.

Noch wenig bekannt

Bei den deutschen Autobauern hieß es im Zusammenhang mit dem jüngsten Rückruf etwa von Volkswagen, man wisse derzeit noch nicht, welche und ob überhaupt Marken von VW und bestimmte Modelle betroffen seien. Der Konzern will die Angelegenheit "gründlich" prüfen und mit der US-Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit (NHTSA) und anderen Behörden zusammenarbeiten.

Daimler teilte mit, der Autobauer könne "zum jetzigen Zeitpunkt" keine Einzelheiten zum Einsatz von Takata-Airbags geben. Auch das Unternehmen betonte, in engem Kontakt mit der NHTSA zum Sammeln weiterer Informationen zu stehen. Laut Daimler gab es keine Kundenbeschwerden im Zusammenhang mit Airbags. Der Autobauer BMW erklärte, derzeit keine Information darüber zu haben, ob Modelle von BMW von dem Rückruf betroffen sind.

Kosten gehen wohl in die Milliarden

Takata werde sich in dieser Woche mit den Autobauern zusammensetzen und wahrscheinlich den finanziellen Aspekt besprechen, darunter falle auch, wie man die Kosten für den Rückruf der in die Milliarden gehen könnte, aufteilen könne, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen. Honda werde an dem Treffen teilnehmen, auf dem Takata den Geschäftsplan offen legen werde, sagte ein Sprecher des japanischen Autobauers. Honda ist der größte Kunde von Takata. Takata erklärte, das Unternehmen wisse noch nicht, ob es die Autobauer um finanzielle Unterstützung bitten werde.

Ungeachtet der Rückrufe geht Takata davon aus, im laufenden Geschäftsjahr per Ende März einen Gewinn von 5 Milliarden Yen auszuweisen. Das geht darauf zurück, dass die Kosten im Zusammenhang mit den Rückrufen möglicherweise noch nicht in den Geschäftsergebnissen enthalten sind. Derzeit nehmen die betroffenen Autohersteller die Kosten für den Rückruf noch auf ihre Kappe in Erwartung einer festen Vereinbarung, wie die Kosten letztendlich verteilt werden.

Die Autohersteller und Takata wollen darüber entscheiden, sobald sie wissen, warum die Füllvorrichtungen anfällig für Fehler sind. Drei verschiedene Untersuchungen sind derzeit dabei, die Ursache dafür zu finden. Eine Untersuchung führt Takata mit einem deutschen Forschungsinstitut durch, eine andere geht auf die Kappe von Honda und eine dritte haben betroffene Autobauer auf den Weg gebracht.

Analysten rechnen damit, dass auf Takata Belastungen im Zusammenhang mit den Rückrufen im Milliarden Dollar-Bereich zukommen. Takata wird am 5. Februar seinen jüngsten Geschäftsbericht präsentieren. Bei den Autos die zurückgerufen wurden, haben die Wettbewerber Daicel und Autoliv einige der ausgetauschten Airbag-Füllvorrichtungen hergestellt.

Quelle: n-tv.de

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