Wirtschaft

Mehr Geld im Portemonnaie: Tarif-Beschäftigte erhalten großen Schluck

Nun ist es amtlich: Mit den Tarifgehältern geht es in Deutschland kräftig nach oben. Wegen der niedrigen Inflation haben die Menschen mehr Geld zum Ausgeben. Das könnte auch in diesem Jahr so weitergehen.

Die derzeit niedrige Inflationsrate sorgt mit für eine deutlich stärkere Kaufkraft.
Die derzeit niedrige Inflationsrate sorgt mit für eine deutlich stärkere Kaufkraft.(Foto: imago/Westend61)

Die Tarifgehälter sind im vergangenen Jahr in Deutschland stark gestiegen. Einschließlich der vereinbarten Sonderzahlungen markierten sie mit 3,1 Prozent Plus sogar einen Rekord - allerdings in einer Statistik, die erst seit 2011 erhoben wird. Die tariflichen Grundgehälter ohne die fest vereinbarten Zulagen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld sind laut Destatis in den Jahren 2008 und 2012 stärker gestiegen als 2014. Der große Unterschied: Im gerade abgelaufenen Jahr lag die Inflation mit 0,9 Prozent auf einem sehr niedrigen Niveau, so dass die Arbeitnehmer für ihr Geld im Schnitt deutlich mehr Waren und Dienstleistungen kaufen konnten.

2014 sind die Tariflöhne nach Abzug der Teuerung um 2,2 Prozent gestiegen, hat das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftlichen Böckler-Stiftung bereits in der vergangenen Woche vorgerechnet. Zuletzt war 2009 eine solch starke Steigerung registriert worden. Auch die übrigen Beschäftigten profitierten von der auseinandergehenden Schere von Verbraucherpreisen und Entgelt: Ihre Löhne und Gehälter legten laut WSI preisbereinigt um 1,8 Prozent zu. In Deutschland waren 2010 nur noch 55 Prozent der Arbeitnehmer tarifgebunden beschäftigt.

Die Bundesstatistik hat diese Reallohnentwicklung noch nicht bestätigt, lag aber nach dem dritten Quartal 2014 auf der gleichen Linie. Bis dahin war ein Reallohnplus von 1,7 Prozent aufgelaufen, hatten die Wiesbadener Statistiker berichtet. Die niedrige Inflation wird nach Einschätzung von Experten auch im laufenden Jahr anhalten, wozu nicht zuletzt die stark gesunkenen Energiepreise beitragen.

Wichtige Tarifverhandlungen stehen an

Sie könnten auch dazu führen, dass die Wachstumserwartungen der Bundesbank von 1,0 Prozent im Jahr 2015 und 1,6 Prozent für 2016 noch übertroffen werden. Bei den Tarifverhandlungen sind nach dem vergleichsweise ruhigen Jahr 2014 nun die industriellen Schwergewichte Metall/Elektro und Chemie am Start, so dass gerade für mehr als vier Millionen Beschäftigte neue Gehälter und Arbeitsbedingungen ausgehandelt werden.

Auf besonders niedrige Abschlüsse deutet nichts: Sowohl die IG Metall als auch die IG BCE haben in der jüngeren Vergangenheit meist überdurchschnittlich hohe Zuwächse für ihre Mitglieder ausgehandelt. Die volkswirtschaftlichen Folgen der erst seit 2010 nahezu kontinuierlich steigenden Reallöhne sind zweischneidig. Insbesondere bei einer guten Beschäftigungslage sorgen sie für einen stärkeren privaten Konsum, der als Stütze des aktuellen Mini-Aufschwungs gilt. Auf der anderen Seite steigen die Lohnstückkosten im Vergleich zur Konkurrenz. Bei gleichbleibender Qualität sinken so die Exportchancen für deutsche Produkte.

Quelle: n-tv.de

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