Wirtschaft
In Augsburg demonstrierten 2500 Metaller für mehr Lohn.
In Augsburg demonstrierten 2500 Metaller für mehr Lohn.(Foto: picture alliance / dpa)

Warnstreik in Thüringen angekündigt: Tarifauftakt endet ohne Ergebnis

Übliches Geplänkel zum Auftakt: Die Gewerkschaft erneuert vor Metallern ihre Forderung - die Arbeitgeber verweisen auf eine aus ihrer Sicht angespannte Wirtschaftslage. Bewegung könnte Ende des Monats in die Gespräche kommen. Dann endet die Friedenspflicht.

Der Auftakt der Tarifrunde in der Metallindustrie ist erwartungsgemäß ohne konkretes Ergebnis geblieben. In der ersten Runde für die Bezirke Bayern und Baden-Württemberg tauschten beide Arbeitgeber und Gewerkschaften ihre gegensätzlichen Positionen aus. Die Arbeitnehmervertreter fordern für eine Laufzeit von zwölf Monaten ein Lohnplus von 5,5 Prozent sowie neue Regelungen zu Alters- und Bildungsteilzeit für die 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche. Die Arbeitgeber lehnten dies ab, legten aber noch kein Angebot vor.

Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler verteidigte die Lohnforderung als gerecht. Vor mehr als 2500 Gewerkschaftern am Verhandlungsort in Augsburg verwies er darauf, dass die Firmen gut verdienten. Allein im vergangenen Jahr seien die Gewinne der Dax-Unternehmen um neun Prozent gestiegen. Löhne und Gehälter müssten auch steigen, um einer Deflationsentwicklung entgegenzuwirken. Das sehe nicht nur die IG Metall so, sondern auch die Bundesbank und die Europäische Zentralbank, betonte sein Kollege in Sindelfingen, Baden-Württembergs IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger.

Die Gegenseite wies die Vorstellungen der Gewerkschaft zurück. "Die Gehaltsforderung ist völlig unverhältnismäßig und realitätsfremd", sagte die Verhandlungsführerin der Arbeitgeber in Bayern, Angelique Renkhoff-Mücke. "Wir haben im Moment eine konjunkturelle Lage, die von viel Unsicherheit geprägt ist." Die Firmen kämpften um ihren Stand in der Weltwirtschaft. "Diese Wettbewerbsfähigkeit müssen wir erhalten, wir können keine großen Sprünge machen", sagte sie.

Arbeitgeber: BaWü-Lohn ist schon Spitze

Südwestmetall-Chef Stefan Wolf argumentierte, mit durchschnittlich 55.000 Euro im Jahr seien die Löhne in Baden-Württemberg schon auf hohem Niveau. In den vergangenen beiden Tarifrunden seien die Löhne zusammen um zehn Prozent gestiegen. "Da liegen wir schon absolut an der Spitze, sodass wir die Forderung für überhöht erachten."

Renkhoff-Mücke signalisierte zum Thema Alterszeit am ehesten Verhandlungsbereitschaft. Dagegen liegen die Parteien bei der Forderung nach tariflich geregelter Bildungsteilzeit weit auseinander. "In den Betrieben wird in hohem Maß weitergebildet. Wir sehen überhaupt keine Begründung, an diesem Punkt anzusetzen", sagte Renkhoff-Mücke. Allerdings stellte Arbeitnehmervertreter Wechsler klar, dass es ohne eine Einigung in der Weiterbildungsfrage keinen Abschluss geben werde.

In den kommenden Tagen folgen die Auftaktrunden in weiteren Tarifbezirken, darunter in Nordrhein-Westfalen, wo in der Vergangenheit häufig die Pilotabschlüsse für die 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche erzielt wurden. In Baden-Württemberg gehen die Verhandlungen am 26. Januar weiter. Am 29. Januar endet die Friedenspflicht. Wechsler stellte bereits Warnstreiks in Aussicht.

Erste Streiks im Osten

Die bundesweit ersten Warnstreiks gibt es nach Gewerkschaftsangaben in Thüringen. "Wir haben in Thüringen keine Friedenspflicht und beginnen bereits am Donnerstag und Freitag mit ersten Warnstreiks", sagte der Frankfurter Bezirksleiter der IG Metall, Armin Schild. Er machte den Thüringer Arbeitgeberverband für die frühen Warnstreiks verantwortlich.

Im Gegenzug zur Friedenspflicht habe die IG Metall die Anhebung des Weihnachtsgeldes als Sonderzahlung für die Thüringer Metall-Beschäftigten auf das Niveau von Brandenburg verlangt. Das entspreche einem Plus von fünf Prozent beim Weihnachtsgeld. Das habe der Metallarbeitgeberverband abgelehnt. "Jetzt haben die Metall-Arbeitnehmer in Thüringer weniger Geld und die Arbeitgeber weniger Schutz vor Warnstreiks", sagte Schild.

Schild zufolge stammt das Schieds- und Schlichtungsabkommen zwischen Gesamtmetall und der IG Metall, das die Friedenspflicht regele, aus der Zeit vor der Wiedervereinigung. Die ostdeutschen Tarifbezirke mussten ihm beitreten. In Thüringen stehe das weiter aus. In Thüringen gibt es mehr als 80.000 Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie - allerdings ist nur ein Teil tarifgebunden.

Quelle: n-tv.de

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