Wirtschaft

ThyssenKrupp im AbwärtsstrudelTausende Stellen sollen weg

08.02.2013, 13:15 Uhr
tk
Bei ThyssenKrupp geht es nach unten. (Foto: picture alliance / dpa)

Milliardenverluste in den USA und eine globale Branchenkrise machen dem deutschen Stahlriesen ThyssenKrupp zu schaffen. Der Konzern muss sparen und er will das vor allem im kriselnden Stahlgeschäft. Mehrere tausend Arbeitsplätze werden abgebaut.

Mit dem Abbau Tausender Stellen reagiert der Stahlkonzern ThyssenKrupp auf die anhaltende Branchenkrise. Mindestens 2000 Arbeitsplätze sollen nach Konzernangaben gestrichen werden. Das betrifft das europäische Stahlgeschäft mit derzeit insgesamt rund 27.600 Mitarbeitern. Durch mögliche Verkäufe könne sich die Belegschaftszahl um weitere 1800 Mitarbeiter reduzieren, teilte der Konzern weiter mit.

Die Maßnahmen sollen bis zum Geschäftsjahr 2014/15 umgesetzt sein. ThyssenKrupp will in den nächsten drei Jahren rund 2 Mrd. Euro einsparen, davon rund 500 Mio. Euro in seinem europäischen Stahlgeschäft.

Neben Stilllegungen werde auch der Verkauf oder die Verlagerung von Anlagen geprüft, hieß es. Betroffen seien solche zur Stahlveredelung in Duisburg, Dortmund, Neuwied sowie in Spanien. Am Betrieb von zentralen Anlagen zur Stahlproduktion wie etwa den Hochöfen wolle ThyssenKrupp jedoch unverändert festhalten. Weltweit Beschäftigte ThyssenKrupp zum Ende des Geschäftsjahres 2011/2012 (30. September) rund 170.000 Menschen.

Gewerkschaft gibt sich kämpferisch

Bei den nun anlaufenden Gesprächen zur Umsetzung der Streichpläne fordert die IG Metall einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. "Niemand bei ThyssenKrupp darf arbeitslos werden", sagte der NRW-Bezirksleiter der Gewerkschaft Knur Giesler. Die Rechnung für vergangenes Missmanagement dürfe jetzt nicht den Beschäftigten ausgestellt werden, forderte er. Notwendig seien nun Investitionen in eine nachhaltige Stahlstrategie am Standort Deutschland.

Hauptsächlich durch Milliardenverluste bei Stahlwerksprojekten in Brasilien und den USA war der Essener Konzern mit einem Minus von 5 Mrd. Euro im zurückliegenden Geschäftsjahr 2011/2012 tief in die roten Zahlen gerutscht. Das Unternehmen strich deswegen erstmals in der Geschichte des Konzerns die Dividende. Zahlen für das erste Quartal des laufenden Jahres 2012/2013 will der Konzern in der kommenden Woche vorlegen.

Konzernchef Heinrich Hiesinger will radikal umsteuern: Neben den Fehlinvestitionen in die Stahlwerke in Brasilien und den USA, die sich als Milliardengräber entpuppten, wurde der Traditionskonzern von einer Reihe von Kartell- und Korruptionsfällen erschüttert. Diese mündeten im Dezember in dem Rauswurf des halben Vorstands. Hiesinger will den Verkauf der Übersee-Stahlwerke noch in diesem Geschäftsjahr abschließen.

Der von Siemens zu ThyssenKrupp gewechselte Manager hatte zuvor einen grundlegenden Umbau des Konzerns angekündigt: Neben einer Stabilisierung der Finanzen des hoch verschuldeten Unternehmens will Hiesinger auch das Technologiegeschäft ausbauen. Die Bedeutung der Stahl wird weiter reduziert.

Quelle: ntv.de, dpa