Wirtschaft
Gewerbsmäßiger Betrug, Bankrotthandlungen in mehreren Fällen und Insolvenzverschleppung.
Gewerbsmäßiger Betrug, Bankrotthandlungen in mehreren Fällen und Insolvenzverschleppung.(Foto: dpa)

Schwere Vorwürfe gegen Angeklagte: Teldafax-Prozess nimmt neuen Anlauf

Jetzt kann beim Teldafax-Prozess eigentlich nichts mehr schief laufen: Das Landgericht Bonn hat eine neue Wirtschaftsstrafkammer eingerichtet. Nun müssen sich drei ehemalige Manager vor Gericht verantworten.

Bis Anfang August hat der Vorsitzende Richter der 9. Großen Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Bonn vorsorglich 34 Prozesstage fest terminiert. Weitere Sitzungen sind danach bis kurz vor Weihnachten eingeplant. Ob es in dem spektakulären Strafverfahren noch in diesem Jahr ein Urteil geben wird, ist ungewiss. Die strafrechtliche Aufarbeitung der Pleite des Stromdiscounters Teldafax ist nämlich ebenso ein Mammutvorhaben wie das Zusammenkehren der Scherben durch den Insolvenzverwalter.

Video

Vor einem Jahr war der Prozess schon nach zwei Verhandlungen abgebrochen worden. Die Verteidigung hatte zuvor die Zusammensetzung des Gerichts gerügt, das kurzfristig als Hilfsstrafkammer eingerichtet worden war. Um keinen Revisionsgrund zu liefern, erklärte sich das Gericht nicht für zuständig.

Nun werden ab Montag die drei angeklagten ehemaligen Vorstände im Zeitraffer noch einmal mit der Geschichte des Unternehmens konfrontiert, das sie laut Anklage der Staatsanwaltschaft in den Ruin geführt haben sollen. Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Chefankläger werfen den Managern gewerbsmäßigen Betrug, Bankrotthandlungen in mehreren Fällen und Insolvenzverschleppung vor. Bei einer Verurteilung drohen ihnen mehrjährige Haftstrafen.

Ruppiges Geschäft

Warum konnte es überhaupt so weit kommen? Dass sich in einem gerade liberalisierten Markt, der über Jahrzehnte von wenigen Stromkonzernen und Stadtnetzbetreibern beherrscht wurde, neue Anbieter positionieren und wieder untergehen, sind Gesetze des Marktes.

Doch der Fall Teldafax ist eine Besonderheit in einem Geschäft, in dem es zu Beginn ruppig zuging. Nach dem Motto, wer ist der billigste im ganzen Land, lockten die Anbieter mit attraktiven Tarifen neue Kunden in ihr Netz. Teldafax ging es darum, im Energiegeschäft möglichst schnell Marktanteile zu gewinnen - koste es was es wolle.

Doch das Unternehmen arbeitete mit einem höchst fragwürdigen Geschäftsmodell, der Vorkasse. Verbraucherschützer und Bundesnetzagentur warnten schon frühzeitig vor solchen Angeboten.
Die Kundenzahlen schnellten dennoch nach oben - am Ende waren es mehr als 700 000. Teldafax sah sich als "größter unabhängiger Energiedienstleister" Deutschlands und gab sich als Trikotsponsor des Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen einen seriösen Anstrich. Doch bald wurde klar, der Billigheimer war in eine tiefe finanzielle Krise geraten.

Eine Art Schneeballsystem

Das Problem: Die günstigen Tarife, die über weite Strecken unter den Einkaufspreisen gelegen haben sollen, mussten mit immer mehr Vorauszahlungen neuer Kunden finanziert werden. Kritiker sprachen bald von einer Art Schneeballsystem, bei dem die schiere Masse an Neukunden einen sonst verlustreichen Geschäftsbetrieb aufrechterhalte. Später konstatierte Insolvenzverwalter Biner Bähr unmissverständlich: "Hier haben Leute versucht, mit dem Unternehmen Geld zu verdienen auf Kosten anderer."

Obwohl Teldafax längst als überschuldet galt, lief das Geschäft weiter. Dann aber kam im Juni 2011 das Ende: Teldafax meldete Insolvenz an. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft viel zu spät. Schon 2009 soll das Unternehmen reif für die Insolvenz gewesen sein. Der Insolvenzverwalter ist immer noch dabei, ausstehende Forderungen einzutreiben. Die Insolvenzmasse wird am Ende darüber entscheiden, ob und wenn wie viel Geld die geprellten Kunden zurückerhalten. Der Ausgang des Strafverfahrens dürfte dabei kaum von Belang sein.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen