Die Uhr tickt unerbittlichTele Columbus droht Aus
Der hoch verschuldete Kabelnetzbetreiber Tele Columbus muss mehr denn je um sein Überleben bangen. Ein Stillhalteabkommen mit den Banken sei bereits am vergangenen Freitag ausgelaufen, ohne dass es wie gewünscht bis Ende Januar verlängert worden sei, hieß es aus Gläubigerkreisen.
Damit könnten die Kreditgeber ihre Darlehen an das mit 920 Mio. Euro in der Kreide stehenden Unternehmen sofort zurückfordern. Freilich hoffen auch die Gläubigervertreter, dass es in letzter Minute noch zu einer Lösung kommt: "Sonst schauen alle in die Röhre."
Ein Sprecher von Tele Columbus sagte nur, die Gespräche mit Anteilseignern und Kreditgebern gingen weiter. Die Hoffnungen richten sich auf das neue, zwei Tage vor Fristablauf installierte Management von Tele Columbus. Die Geschäftsführer Michael Buhl, Michael Dorn und Dietmar Schickel waren abberufen worden. Nun nehmen die Manager des selbst hoch verschuldeten Tele-Columbus-Eigentümers Orion/Escaline, Scott Lanphere und Robert Fowler, das Heft als Geschäftsführer selbst in die Hand.
Bieter bleiben in Deckung
In Gläubigerkreisen hieß es, die Kreditgeber strebten einen Tausch der Verbindlichkeiten in Eigenkapital an, seien sich aber über ihr weiteres Vorgehen uneins. Der Verkauf von Tele Columbus war kürzlich gescheitert, weil sich kein Bieter aus der Deckung gewagt hatte. Interessenten wie Kabel Deutschland spekulierten auf eine billigere Übernahme aus der Insolvenz, hieß es weiter.
Erschwert wird der Prozess auch dadurch, dass Tele Columbus und das börsennotierte Schwesterunternehmen PrimaCom bei unterschiedlichen Banken in der Kreide stehen. Primacom hatte eine Fusion mit Tele Columbus wegen der Schwierigkeiten auf Eis gelegt. Bei Primacom sind Buhl und Dorn weiterhin als Manager tätig. Tele Columbus wollte sich zu den Vorgängen nicht äußern.