Wirtschaft
Verkauf oder doch nicht? Die Deutsche Telekom hat die Qual der Wahl.
Verkauf oder doch nicht? Die Deutsche Telekom hat die Qual der Wahl.(Foto: picture alliance / dpa)

Angst vor neuem Fiasko?: Telekom überdenkt US-Pläne

Jetzt, wo die Kunden auf einmal in Scharen kommen und die US-Kartellbehörden Zusammenschlüsse auf dem US-Mobilfunkmarkt argwöhnisch betrachten, steht hinter einem möglichen Verkauf der Telekom-Tochter T-Mobile US ein großes Fragezeichen. Der neue Telekom-Chef Tim Höttges habe keine Lust auf ein Fiasko wie 2011, als der milliardenschwere Verkauf von T-Mobile US an den größeren Wettbewerber AT&T am Widerstand der Behörden scheiterte, sagen Personen aus dem Umfeld des Bonner Konzerns. "Sie könnten auch ein paar Jahre warten, nun, wo es der Firma gut geht", betont ein mit den Überlegungen vertraute Banker.

Höttges, seit Jahresanfang an der Spitze der Telekom, kennt die Risiken und Kosten des Scheiterns genau: Er führte die Verhandlungen bei dem letztlich geplatzten Deal mit AT&T, damals noch als Finanzchef des Konzerns. Während das Management versuchte, den Verkauf für 39 Milliarden Dollar unter Dach und Fach zu bringen, liefen T-Mobile US die Kunden weg - das Netz war löchrig und das begehrte iPhone von Apple nicht im Angebot. Dann folgte das "No" der Wettbewerbsbehörde FCC. AT&T bezahlte der Telekom zwar sechs Milliarden Dollar als Entschädigung - eine sogenannte "break-up fee" - den Aufwand deckte das aber lange nicht. "Sie sind schon einmal gescheitert, sie wollen das nicht noch einmal erleben", sagt der Banker.   

Das Sorgenkind war einmal

Als heißer Kaufinteressent für T-Mobile US gilt die Softbank -Tochter Sprint, drittgrößter Mobilfunkanbieter hinter US-Marktführer Verizon und AT&T. Die Telekom-Tochter ist die Nummer vier. Den Zusammenschluss mit AT&T hatte die FCC mit dem Argument gekippt, dass dann einer der vier großen Wettbewerber vom Markt verschwände. Das wäre indes auch bei einer Fusion Sprint/T-Mobile US der Fall. FCC-Chef Tom Wheeler hat nach Angaben eines Insiders schon Vorbehalte gegen einen solchen Deal geäußert. Eine Offerte von Dish hätte hier Vorteile, doch Experten bezweifeln, dass die Finanzkraft der Firma für eine solche Mega-Übernahme ausreicht.

Außerdem hat sich T-Mobile US gewandelt - vom teuren Sorgenkind, dessen Wert sich in den letzten zehn Jahren um zwei Drittel verringerte, zu einem Wachstumsunternehmen und wichtigen Umsatzbringer für die Telekom. Geholfen hat die Übernahme der Nummer Fünf, MetroPCS, die Höttges nach dem Platzen des AT&T-Deals eintütete, und der Zukauf von Funkfrequenzen im Wert von 3,3 Milliarden Dollar.

Inzwischen können T-Mobile-Kunden auch mit dem iPhone telefonieren. Die Investitionen zahlen sich aus: So gewann die US-Tochter im vierten Quartal 1,65 Millionen Kunden hinzu - das vierte Vierteljahr mit einem Anstieg in Folge. In den ersten neun Monaten 2013 erzielte die Telekom mit T-Mobile US rund ein Drittel ihres Konzernumsatzes und ein Fünftel des um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinns.

Ist das alles die Mühe wert?

Die Argumente für einen Verkauf von T-Mobile sind bekannt: Als Nummer vier auf dem US-Markt ist die Rentabilität begrenzt, das Erobern weiterer Marktanteile ist teuer, und die Telekom müsste auch mehr Geld für den Ausbau der Netze in die Hand nehmen. Mit dem Erlös aus einem Verkauf könnte der Konzern dagegen notwendige Investitionen in Westeuropa und die Expansion nach Osteuropa finanzieren. "Es würde viel Sinn ergeben, das US-Geschäft für einen guten Preis zu verkaufen und in Deutschland zu investieren, wo die Konkurrenz wächst", sagt ein anderer in der Telekombranche engagierter Banker.

Doch die Angst vor einem erneuten Fiasko schwingt immer mit. Die Telekom würde bei Sprint auf einer hohen "break-up fee" bestehen, sagen zwei mit den Überlegungen vertraute Personen. "Sprint will das Risiko aber nicht alleine tragen und besteht auf einer niedrigeren Summe", sagt einer der Insider. Eine Entschädigungzahlung könnte am Ende bei weniger als drei Milliarden Euro liegen - sollte es überhaupt je zu einer Vereinbarung kommen.

Quelle: n-tv.de

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