Aktionäre wüten über DümpelkursTelekom weist Schuld von sich

Die Aktionäre der Telekom verlieren zunehmend die Geduld: Seit Jahren dümpelt der Aktienkurs auf Tiefstwerten und die Dividende ist nicht mehr sicher. Konzernchef Obermann steuert mit neuen Geschäftsfeldern dagegen. Sie sollen Umsatz bringen, doch das braucht Zeit. Bis dahin tritt er die Flucht nach vorne an und greift die Regulierer an.
Telekom-Chef René Obermann
gerät zunehmend in die Schusslinie der Aktionäre. Bei der Hauptversammlung des Unternehmens
äußerten Kleinanleger ihren Unmut vor allem über die Entwicklung des Aktienkurses
und der schwächelnden Geschäfte des Unternehmens im In- und Ausland. "Die Telekom
braucht dringend eine Perspektive, um ein Ausbluten zu verhindern und um Umsatz-
und Marktanteile zu verteidigen", sagte Klaus Kaldemorgen von der größten deutschen
Fondsgesellschaft DSW.
Obermann selbst zeigte sich
ebenfalls unzufrieden mit der Entwicklung der T-Aktie, viel Trost konnte er allerdings
nicht spenden. Immerhin habe sich der Konzern in einem schwierigen Markt besser
geschlagen als die vergleichbaren europäischen Konkurrenten.
Kein klarer Dividendenkurs
Rettete bisher die vergleichsweise
großzügige Dividendenpolitik die Gesamtrendite der Papiere, müssen sich Aktionäre
angesichts der schwierigen Marktlage auch hier auf mögliche Einschnitte einstellen.
Erst Anfang kommenden Jahres will der Vorstand laut Finanzvorstand Tim Höttges über
die künftige Finanzstrategie entscheiden. Im laufenden Jahr kommen Anleger vorerst
letztmalig in den Genuss der garantierten Mindestausschüttung von 70 Cents je Aktie,
die der Konzern vor drei Jahren zugesichert hatte.
Deutlich offensiver wurde
Telekom-Chef Obermann dagegen bei der Frage nach Mitschuldigen für die schwache
Ertragslage des Unternehmens. Hier sieht der Konzernlenker insbesondere die Politik
am entscheidenden Hebel, die durch zu harte Regulierung Investitionen behindere
statt sie zu fördern. Inzwischen werde auch im Mobilfunk durch die Eingriffe zur
Absenkung der sogenannten Terminierungsentgelte zugelangt. Hierdurch würden Anreize
zum Investieren genommen. Obermann: "Wir brauchen weniger statt mehr Regulierung".
T-Mobile USA ungelöst
Das bröckelnde Kerngeschäft
will Obermann künftig durch steigende Umsätze in den Wachstumssparten auffangen.
So sollen sich die Erlöse aus dem mobilen Internet, aus Cloud- und Onlinediensten
für Privatkunden sowie dem Bereich vernetztes Zuhause auf ein Volumen von 29 Mrd.
Euro erhöhen. Man müsse den Geschäftsfeldern aber Zeit für ihre Entwicklung geben.
Im vergangenen Jahr hatte die Telekom rund sechs Prozent Umsatz verloren. Zugleich
werde das Unternehmen im Kerngeschäft um jede Kundenbeziehung kämpfen, betonte Obermann.
In den USA sucht die Telekom
weiterhin nach einer Lösung für die angeschlagene Tochterfirma T-Mobile. "Ein
vollständiger Verkauf wie an AT&T ist aber eher unwahrscheinlich, wir müssen
andere Wege gehen", unterstrich Obermann. Alle Optionen seien offen. "Daran
arbeiten wir mit aller Kraft."
Im vergangenen Jahr war
der geplante Verkauf von T-Mobile USA an den Konkurrent AT&T am Widerstand der
Aufsichtsbehörden gescheitert. Die Konzerntochter ist mit gut 33 Millionen Kunden
nur die Nummer vier des Landes und war in den vergangenen Jahren erheblich unter
Druck geraten. Kunden kehrten dem Unternehmen auch wegen des Umsatzrenners iPhone,
das die Telekom in den USA nicht vermarkten darf, den Rücken.