Wirtschaft
Peter Terium ist eher ein Mann der leisen Töne.
Peter Terium ist eher ein Mann der leisen Töne.(Foto: dpa)

Mann für schwierige Aufgaben: Terium führt RWE weiter

RWE gleicht derzeit einem Tanker in stürmischer See. Vorstandschef Terium soll nach dem Willen des Aufsichtsrats weiter auf der Brücke stehen. Er muss für das hoch verschuldete Dax-Unternehmen die Energiewende hinbekommen.

Der Versorger RWE sucht mit einer Vertragsverlängerung von Vorstandschef Peter Terium Ruhe in den stürmischen Zeiten der Energiewende. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag des Niederländers vorzeitig bis 2021. "In dieser Phase braucht das Unternehmen langfristige Kontinuität und Verlässlichkeit an der Konzernspitze", erklärte Aufsichtsratschef Manfred Schneider. Terium hatte 2012 die Nachfolge von Jürgen Großmann angetreten. Am 10. März präsentiert er die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr.

Mit dem Wechsel vom gerne mal lospolternden Stahlunternehmer Großmann zu dem zurückhaltend und stets kontrolliert auftretenden Terium vollzog RWE auf der Führungsebene einen klaren Schnitt. Der von Kritikern als "Atom-Rambo" bezeichnete Großmann hatte sich auch nach der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 für die Kernenergie in die Bresche geworfen und dabei auch keinen Konflikt mit der Bundesregierung gescheut. Terium akzeptierte hingegen das bis 2022 geplante Aus von Meilern wie Biblis oder Gundremmingen und richtete den Blick nach vorne.

Keine Scheu vor harten Entscheidungen

"RWE will Teil der Energiewende sein", kündigte der 51-jährige Konzernchef an. Er zog Atomkraftprojekten des Konzerns im Ausland den Stecker, so etwa den Überlegungen zum Bau neuer Meiler mit Eon in Großbritannien. An den unter Großmann eingeleiteten Atomklagen gegen die Bundesregierung hält Terium jedoch fest, weil sie im Erfolgsfall Milliardensummen in die klammen Kassen des Konzerns spülen könnte. "Terium kann auch harte Entscheidungen treffen", sagen Weggefährten. Sein ruhiges Auftreten sollte nicht darüber hinwegtäuschen.

Privat sucht der Vegetarier die Entspannung unter anderem bei Yoga-Übungen. Der Vater zweier Kinder ist seit 2003 bei RWE und hatte 2009 unter Großmann die rund acht Milliarden schwere Übernahme des niederländischen Versorgers Essent organisiert.

Während RWE damals noch gut bei Kasse war, drücken den Konzern inzwischen Schulden in Höhe von 31 Milliarden Euro. RWE machen wie der gesamten Branche die gefallenen Strom-Großhandelspreise zu schaffen. Ursache hierfür sind der Ausbau des Ökostroms und Überkapazitäten bei den Kraftwerken. "Die konventionelle Stromerzeugung ist auf dem Rückzug - nicht nur bei RWE", sagt Terium und legt reihenweise Kraftwerke still.

Wohl schwarze Zahlen nach Rekordverlust

Der RWE-Chef, ein gelernter Wirtschaftsprüfer, kontert die Einbußen unter anderem mit Kostensenkungen und setzt auf die Einnahmen aus dem Netz-, Vertriebs- und Handelsgeschäft. Zu dem will er mit Energiedienstleistungen und Produkten zur Energieeinsparung neue Einnahmequellen erschließen. Die Sparmaßnahmen im Konzern und den Abbau Tausender Stellen setzte er gemeinsam mit dem seit 2013 amtierenden Personalvorstand Uwe Tigges durch - dem früheren Konzernbetriebsratschef. Der Aufsichtsrat verlängerte jetzt seinen Vertrag bis Ende 2020.

"Der RWE-Konzern befindet sich nach wie vor in schwierigem Fahrwasser", betonte Aufsichtsratschef Schneider. In der kommenden Woche legt Terium die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vor. Trotzt weiterer Einbußen beim operativen Gewinn dürfte unter dem Strich eine schwarze Zahl stehen. 2013 hatte Terium nach hohen Abschreibungen auf Kraftwerke einen Rekordverlust von 2,8 Milliarden Euro eingefahren.

Der Vorstandschef brachte gerade gegen politischen Widerstand den rund fünf Milliarden Euro schweren Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea an russische Investoren über die Bühne. Dies dürfte seine Position ebenso weiter gefestigt haben wie die nach Reuters-Informationen geplante Beibehaltung der Dividendenhöhe von einem Euro je Aktie für 2014. Darauf hatten insbesondere die kommunalen Anteilseigner gedrängt, die rund 24 Prozent an dem Versorger halten und auch im Aufsichtsrat sitzen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen