Wirtschaft
Das Deflationsgespenst schwebt wieder über der Euro-Zone.
Das Deflationsgespenst schwebt wieder über der Euro-Zone.(Foto: imago/Christian Ohde)

Muss die EZB einschreiten?: Teuerungsrate auf Krisenniveau

In der Euro-Zone ist die Inflationsrate so gering wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr. In den südeuropäischen Krisenländern fallen die Preise sogar. An die von der EZB angestrebten Rate von knapp unter 2 Prozent ist derzeit nicht zu denken.

Die Lebenshaltungskosten in der Euro-Zone steigen kaum noch. Die Inflationsrate sank im März auf 0,5 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Sie ist damit so niedrig wie zuletzt im November 2009, als die Weltwirtschaft in der schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg steckte. Das schürt Ängste vor einer Deflation. Insbesondere die deutlich niedrigeren Energiekosten bremsten den Preisauftrieb. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eine Teuerungsrate von knapp 2 Prozent an. Sie hofft darauf, dass die aus ihrer Sicht zu niedrige Teuerung im April anzieht.

Grund für die geringe Inflation sind nach Einschätzung der Währungshüter auch die späten Osterferien, die in diesem Jahr komplett auf den April fallen. Deswegen stiegen etwa die Preise für Pauschalreisen auch später als sonst üblich. Bei ihrem Zinsentscheid Anfang April beließ der EZB-Rat den Leitzins für die 18 Euro-Länder auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent. EZB-Präsident Mario Draghi zeigte sich aber bereit, notfalls auch mit unkonventionellen Maßnahmen einzuschreiten, um eine für die Konjunktur gefährliche Deflationsspirale zu verhindern.

Rückgängige Preise in Krisenstaaten

Die Preise für Kraft- und Brennstoffe sowie Telekommunikation waren im März wie bereits im Vormonat rückläufig. Höhere Kosten gab es bei Tabakerzeugnissen, Cafes und Restaurants sowie für Milch, Käse und Eier. Ohne Berücksichtigung der Preise von Energie, Nahrungsmitteln, Alkohol und Tabak sank die Jahresteuerung von 1,0 auf 0,7 Prozent. In ihrer Vorabschätzung hatte Eurostat eine Rate von 0,8 Prozent genannt. Im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate ist der Anstieg mit 0,9 Prozent erstmals unter die Ein-Prozent-Marke gesunken, nachdem dieser Wert im Februar noch bei 1,1 Prozent lag.

In den Krisenstaaten gehen die Preise bereits jetzt zurück. So mussten die Verbraucher in Griechenland 1,5 Prozent weniger zahlen als vor Jahresfrist, in Zypern lag der Preisrückgang bei 0,9 Prozent, in Portugal bei 0,4 Prozent und in Spanien bei 0,2 Prozent. In Deutschland lag die Teuerung bei 0,9 Prozent - das ist halb so viel wie vor einem Jahr.

Quelle: n-tv.de

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