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Operatives Plus schlägt Nettoverlust: ThyssenKrupp-Altlast stört Anleger nicht

An der Börse wird die Zukunft bewertet - und die sieht bei ThyssenKrupp wieder rosiger aus. Zwar bleibt unterm Strich ein Minus, das sogar deutlich größer als im Vorjahresquartal ausfällt. Operativ arbeitet der Konzern aber bereits wieder schwarz.

Mit einem Anstieg des operativen Gewinns im ersten Quartal des Geschäftsjahres hat ThyssenKrupp die Anleger überzeugt. Die Aktien legten zum Wochenschluss um zeitweise mehr als 5 Prozent zu. Am Mittag notierten sie noch rund 3 Prozent fester. Im Schlepptau stiegen im MDax auch die Titel des Stahlhändlers Klöckner & Co um etwa 2 Prozent.

ThyssenKrupp hat seinen operativen Gewinn im ersten Quartal auf 247 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. "Das bereinigte Ebit lag etwas über den Erwartungen", sagte Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank. Positiv überraschen konnten die Bereiche Stahl Europa und Industrial Solutions. Vor allem im Stahlgeschäft in Amerika seien Verbesserungen spürbar, kommentierte Equinet-Analyst Stefan Freudenreich. Strukturelle Verbesserungen und vorteilhafte Treibstoffkosten hätten den Gewinn dort gesteigert. Zudem seien die Auftragsbücher in den Segmenten Aufzüge und Industrial Solutions gut gefüllt.

Rote Zahlen bleiben

Unterm Strich stand aber erneut ein Minus. Zwischen Oktober und Dezember blieb ein Fehlbetrag von 64 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte der Nettoverlust des Gesamtkonzerns nur rund 1 Million Euro betragen.

Dass der Nettoverlust anstieg, ist vor allem der Teilrücknahme der vor etwas mehr als einem Jahr an den finnischen Metallhersteller Outokumpu abgegebenen Edelstahlaktivitäten geschuldet. ThyssenKrupp hatte Ende November zugestimmt, eine frühere Edelstahl-Produktionsstätte in der italienischen Stadt Terni, den deutschen Spezialwerkstoffhersteller VDM und "weitere kleinere Aktivitäten" zurückzunehmen. Als Teil des Geschäfts verzichtet ThyssenKrupp auf die Rückzahlung eines Outokumpu gewährten 1,2-Milliarden-Euro-Kredits.

Das Geschäft ist eine Rettungsaktion für den in Finanznot geratenen Outokumpu-Konzern. ThyssenKrupp berichtete nun, vor allem wegen der bevorstehenden Transaktion Sonderbelastungen von zusammen 312 Millionen Euro verbucht zu haben. Zugleich kann der deutsche Konzern zwar Risikorückstellungen in Höhe von 187 Millionen Euro auflösen, die negativen Auswirkungen überwiegen damit aber deutlich.

Erfolgreich im Industriegütergeschäft

Operativ erwiesen sich vor allem die Industriegütersparten von ThyssenKrupp als erfolgreich. Im Geschäft mit Aufzügen zum Beispiel verdiente der Konzern deutlich mehr als im Vorjahr. Zudem hat ausgerechnet das zum Teil verkaufte Stahlgeschäft in Amerika zu operativen Verbesserungen beigetragen. Nach der Lösung technischer Schwierigkeiten und etwa durch die Schwäche des brasilianischen Real sind die Verluste von ThyssenKrupps Stahlwerken in Brasilien und den USA von 122 Millionen Euro im Vorjahr auf 17 Millionen zurückgegangen.

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Der Konzern wird seine Produktionsstätte im US-Staat Alabama zwar nach einer im November geschlossenen Vereinbarung zum Preis von 1,55 Milliarden Dollar an die Konkurrenten ArcelorMittal und Nippon Steel abgeben. Weil das Geschäft aber bislang nicht abgeschlossen ist, führt ThyssenKrupp das US-Werk noch immer in den eigenen Büchern und zählt dieses aus bilanzrechtlichen Gründen sogar zu den fortgeführten Aktivitäten.

Zum amerikanischen Stahlgeschäft des Unternehmens gehört zudem ein Rohstahlwerk in Brasilien, das sich zu 73 Prozent im Eigentum von ThyssenKrupp befindet. Die Verkaufsbemühungen um das Werk hat der Konzern Ende November einstweilen aufgegeben, weil nach Angaben des Unternehmens derzeit kein annehmbarer Kaufpreis zu erzielen ist.

Preisdruck auf Europas Stahlmarkt

Im Gegensatz zu den amerikanischen Produktionsstätten konnten die europäischen Stahlwerke ihr Ergebnis nicht verbessern. Für die Sparte Steel Europe wies ThyssenKrupp ein bereinigtes Ergebnis von 19 Millionen Euro aus, nach 30 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Zwar hätten sich die Produktionsmengen als "robust" erwiesen, teilte ThyssenKrupp mit, doch habe der anhaltende Preisdruck auf dem europäischen Stahlmarkt die Geschäftsentwicklung belastet.

Der Umsatz des Gesamtkonzerns ging um rund 1 Prozent auf etwa 9,1 Milliarden Euro zurück. Hauptauslöser dafür ist zwar der Verkauf von Unternehmensteilen. Analysten aber hatten dennoch mit einer Umsatzsteigerung um 4,1 Prozent gerechnet. Der Auftragseingang dagegen verbesserte sich im ersten Geschäftsjahresquartal deutlicher als erwartet um 6 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro.

Schuldenlast sinkt

Gleichwohl hat das Unternehmen zwischen Oktober und Dezember die eigene Nettoschuldenlast deutlich von 5,0 auf 4,5 Milliarden Euro reduziert. Das Gearing, also das Verhältnis von Eigenkapital zu Schulden, ging damit auf rund 136 Prozent zurück und lag damit unter der für einige Kreditlinien wichtigen Grenze von 150 Prozent. Ursache dafür ist vor allem die Kapitalerhöhung, die im Dezember netto 878 Millionen Euro einbrachte.

Zudem reduzierte ThyssenKrupp im ersten Quartal den Geldabfluss. Der Free-Cash-Flow der fortgeführten Aktivitäten vor Desinvestitionen betrug minus 85 Millionen Euro und war damit um 195 Millionen Euro besser als im Vorjahreszeitraum. Dies allerdings ist nach Angaben des Konzerns zum großen Teil auf vorgezogene Zahlungen zurückzuführen.

Optimistischer Ausblick

Für das gesamte im Oktober begonnene Geschäftsjahr äußerte sich ThyssenKrupp gleichwohl abermals optimistisch. Der Konzern erneuerte seine Prognose, nach der er mit den fortgeführten Aktivitäten ein bereinigtes EBIT von rund 1 Milliarde Euro erzielen will. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte die Kennzahl 599 Millionen Euro betragen. "Wir sind mit einem guten ersten Quartal in das neue Geschäftsjahr gestartet, ohne dass wir Rückenwind von der Konjunktur hatten", zitierte ThyssenKrupp seinen Vorstandschef Heinrich Hiesinger.

Der Quartalsbericht von Branchenprimus ArcelorMittal hatte ein ähnliches Bild wie bei ThyssenKrupp gezeigt. Auch der Konkurrent erwartet eine leichte Besserung in diesem Jahr.

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