Wirtschaft
Die kriselnden Unternehmenstöchter VDM und AST will der Konzern abstoßen - er wartet jedoch auf einen Abnehmer.
Die kriselnden Unternehmenstöchter VDM und AST will der Konzern abstoßen - er wartet jedoch auf einen Abnehmer.(Foto: picture alliance / dpa)

Schwarze Zahlen sind zurück: ThyssenKrupp stählt Bilanz

Es ist ein Befreiungsschlag: Nach drei Jahren in den roten Zahlen kämpft sich der Stahl- und Technologiekonzern ThyssenKrupp wieder ins Plus. Die Aktionäre sollen davon direkt profitieren. Doch es gibt weiterhin Problemzonen.

Der Industriekonzern ThyssenKrupp hat sich nach drei Verlustjahren wieder in die schwarzen Zahlen gekämpft. Der Konzern will daran auch die Aktionäre beteiligen: Das Stahl- und Technologieunternehmen plant, eine Dividende von 11 Cent je Aktie auszuschütten. Bei ThyssenKrupp zahlten sich damit vor allem ein hartes Sparprogramm und Verbesserungen im amerikanischen Stahlgeschäft aus.

"Wir sind von einem Spitzenwert der Verschuldung von 6,5 Milliarden Euro 2011 jetzt auf ein Niveau von 3,5 Milliarden gekommen. Das heißt, wir haben die Schulden bereits um 40 Prozent reduziert. Und das obwohl wir mehr in die Industriegeschäfte investieren als in den Jahren davor", sagte der Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger bei n-tv.

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Unter dem Strich verdiente ThyssenKrupp in dem im September zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 210 Millionen Euro. Im Vorjahr war im Gesamtkonzern noch ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro angefallen. Das Nettoergebnis der fortgeführten Aktivitäten verbesserte sich etwas weniger deutlich auf 24 Millionen Euro, nach einem Verlust von 1,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Analysten hatten im Schnitt mit einem Nettogewinn der fortgeführten Aktivitäten von 65 Millionen Euro gerechnet.

Im laufenden Geschäft erzielte ThyssenKrupp in fast allen Sparten Verbesserungen. Konzernweit stieg das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) deshalb auf 1,3 Milliarden Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Besonders groß fielen die Fortschritte in der amerikanischen Stahlsparte aus: Das bereinigte Ebit in dem Konzernteil lag bei minus 60 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte an der Stelle noch ein Fehlbetrag von 495 Millionen Euro gestanden. Seine missglückte Amerika-Expansion hat ThyssenKrupp insgesamt mehrere Milliarden Euro gekostet. Erst im vergangenen Geschäftsjahr schloss der Konzern den Verkauf eines Stahlwerks in den USA ab. Verkaufspläne für eine Produktionsstätte in Brasilien hat das Unternehmen einstweilen aufgegeben.

Edelstahltöchter bereiten Probleme

Auch das konzernweite Sparprogramm wirkte sich positiv auf das Ergebnis aus. ThyssenKrupp übertraf sein selbst gestecktes Ziel für das zu Ende gegangene Geschäftsjahr: Statt um 850 Millionen Euro senkte der Konzern seine Kosten um 1 Milliarde Euro. Vor diesem Hintergrund erhöht ThyssenKrupp das Sparziel und will die Kosten nun bis Ende September um 2,5 Milliarden Euro senken. Bislang waren Einsparungen von 2,3 Milliarden Euro geplant.

Für das begonnene Geschäftsjahr rechnet ThyssenKrupp denn auch mit weiteren Ergebnisverbesserungen: Der Konzern erwartet ein operatives Ergebnis von 1,5 Milliarden Euro. Beim Jahresüberschuss will ThyssenKrupp "eine deutliche Verbesserung" erzielen. Der Umsatz soll "auf vergleichbarer Basis zum Vorjahr im einstelligen Prozentbereich" wachsen. Im vergangenen Jahr verbesserten sich die Erlöse um 4 Prozent auf 41,3 Milliarden Euro.

Probleme bereiten dem Konzern allerdings weiterhin die Edelstahltöchter VDM und AST. ThyssenKrupp hatte die beiden Unternehmen vor rund einem Jahr vom finnischen Metallkonzern Outokumpu zurückgekauft, nachdem Outokumpu in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Im vergangenen Geschäftsjahr schrumpfte deshalb das operative Ergebnis der Werkstoffsparte Materials Services von 236 Millionen Euro auf 213 Millionen Euro.

Zudem lasten immer noch hohe Schulden auf dem Konzern. Die Nettofinanzverbindlichkeiten sanken zwar von rund 5 Milliarden Euro auf knapp 3,5 Milliarden Euro. Dies lag allerdings vor allem am Verkauf des verlustbringenden Stahlwerks in den USA sowie an einer Kapitalerhöhung. Das Verhältnis von Eigenkapital zu Schulden betrug bei ThyssenKrupp Ende September 109 Prozent. Mit Banken hat der Konzern einen Grenzwert von 150 Prozent vereinbart.

Quelle: n-tv.de

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