Wirtschaft
Das Desaster in Übersee kostet Jobs: ThyssenKrupp streicht weltweit 3000 Stellen.
Das Desaster in Übersee kostet Jobs: ThyssenKrupp streicht weltweit 3000 Stellen.(Foto: picture alliance / dpa)

Jobkahlschlag nach tiefroten Zahlen: ThyssenKrupp streicht 3000 Stellen

Der Stahlkonzern ThyssenKrupp setzt die Jobsense an: 3000 Mitarbeiter werden weltweit ihren Arbeitsplatz verlieren, jeder fünfte in der Verwaltung muss gehen. Das Milliardendesaster mit den Stahlwerken in Übersee schlägt nun vollends auf die Angestellten in Europa durch – ein Ende des Debakels ist nicht in Sicht.

Der angeschlagene Stahlkonzern ThyssenKrupp verschärft nach tiefroten Zahlen sein Sparprogramm und will 3000 Stellen streichen, 1500 davon in Deutschland. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres schrieb das Unternehmen einen Verlust von 822 Mio. Euro. ThyssenKrupp bekräftigte die Prognose, wonach im laufenden Geschäftsjahr der Gewinn vor Zinsen und Steuern um etwa 400 Mio. Euro auf rund eine Milliarde Euro fallen wird. Die Umsatzprognose schraubte das Unternehmen zurück. Die Erlöse würden nun nicht auf, sondern unter dem Vorjahresniveau von 40,1 Mrd. Euro liegen.

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Hauptgrund für die tiefroten Zahlen ist das Desaster mit den verlustreichen neuen Stahlwerken in Übersee: Der Konzern musste nach den bisherigen Verkaufsgesprächen erneut 683 Mio. Euro auf die Fabriken in Brasilien und den USA abschreiben. Die Werke sollten "zeitnah" verkauft werden, bekräftigte der Konzern. Ein Käufer ist allerdings bislang nicht in Sicht: Der Verkaufsprozess für die Stahlwerke verlaufe nach Plan, sagte ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger.

Korruption, schwache Nachfrage und Amerika-Debakel

ThyssenKrupp hatte zuvor angekündigt, den Verkauf bis Ende September abschließen zu wollen. Die Kosten für die Stahlwerke waren auf zwölf Mrd. Euro explodiert. Mehrfach musste ThyssenKrupp hohe Abschreibungen vornehmen. Diese trugen im vergangenen Geschäftsjahr maßgeblich zum Rekordverlust von fünf Mrd. Euro bei. ThyssenKrupp beziffert den Buchwert der Werke nun nur noch auf 3,4 Milliarden Euro. Zuletzt hatte der Konzern den Wert auf 3,9 Milliarden veranschlagt.

Im fortgeführten Geschäft, wozu die verlustreiche amerikanische Stahlsparte nicht gehört, ging das bereinigte Ebit im Quartal auf 241 Mio. Euro von 361 Mio. Euro zurück. ThyssenKrupp machen die schwachen Stahlnachfrage in Europa, mehrere Kartellverstöße und Korruptionsvorwürfe zu schaffen. Hiesinger will die Kosten senken und in der europäischen Stahlsparte in den kommenden Jahren mehr als 2000 der 27.600 Stellen abbauen. Rund 1800 weitere Jobs könnten durch den Verkauf von Beteiligungen aus dem Konzern fallen.

Nun kündigte er zudem an, weltweit in den kommenden Monaten jeden fünften von insgesamt 15.000 Arbeitsplätzen in der Verwaltung streichen. Auf betriebsbedingte Kündigungen soll dabei verzichtet werden. 1.500 Stellen fallen allein in Deutschland weg. Insgesamt sollen in den kommenden drei Jahren dadurch rund 250 Mio. Euro eingespart werden. An der Höhe der bereits vom Konzern bis 2014/15 geplanten Einsparungen von zwei Milliarden Euro ändere sich aber nichts. 

Quelle: n-tv.de

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