Wirtschaft
Produktion im Duisburger Walzwerk von ThyssenKrupp.
Produktion im Duisburger Walzwerk von ThyssenKrupp.(Foto: dpa)

Nach langer Durststrecke: ThyssenKrupp verlässt Tal der Tränen

ThyssenKrupp kämpft sich aus der größten Krise seiner Unternehmensgeschichte heraus. Der Stahlkonzern erwartet nun ein zumindest ausgeglichenes Jahresergebnis. Sogar ein Gewinn ist im Bereich des Möglichen.

Die Geschäftszahlen des dritten Quartals haben bei ThyssenKrupp zusätzlichen Optimismus geweckt: Angesichts von Verbesserungen in den meisten seiner Sparten hob der Stahl- und Technologiekonzern die eigene Prognose für das im September endende Geschäftsjahr leicht an. Das Dax-Unternehmen rechnet nun damit, zum ersten Mal seit drei Jahren unter dem Strich mindestens ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen. Im dritten Geschäftsjahresquartal erwirtschaftete denn auch selbst das bislang stets verlustreiche Stahlwerk in Brasilien einen operativen Gewinn.

Unter dem Strich, also nach Steuern und Dritten sowie unter Berücksichtigung aller Konzernteile, blieb ThyssenKrupp zwischen April und Juni ein Überschuss von 39 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte der Konzern noch einen Nettoverlust von 395 Millionen Euro verbucht. Erstmals seit sieben Quartalen war das Unternehmen allerdings schon im zweiten Quartal seines Geschäftsjahres in die Gewinnzone zurückkehrt: Zwischen Januar und März stand unter dem Strich ein Überschuss von 269 Millionen Euro.

Vor dem Hintergrund hatten sich Analysten vom Zeitraum zwischen April und Juni einen noch etwas größeren als den nun von ThyssenKrupp gemeldeten Nettogewinn erhofft: Die Branchenexperten waren im Durchschnitt von einem Überschuss von rund 124 Millionen Euro ausgegangen. Zwar beziehen sich die Analystenprognosen in der Regel nur auf das Ergebnis der fortgeführten Aktivitäten, doch weist ThyssenKrupp derzeit nur einen unwesentlichen Teil seines Geschäfts als nicht fortgeführt aus.

Verbesserungen in Amerika und Europa

Im Gegensatz zum Nettoergebnis hat ThyssenKrupps Kennzahl des operativen Geschäfts im dritten Quartal die Erwartungen übertroffen: Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) des Gesamtkonzerns erhöhte sich von 139 Millionen Euro im Vorjahr auf 398 Millionen Euro. Die Analysten hatten nur mit einer Verbesserung auf 367 Millionen Euro gerechnet.

Video

Zu dem Gewinnwachstum im operativen Geschäft trug zuvorderst die Entwicklung in ThyssenKrupps amerikanischer Stahlsparte bei. Nach einem bereinigten Verlust vor Zinsen und Steuern im Vorjahreszeitraum von 193 Millionen Euro verbuchte der Konzernteil, der nur noch aus dem Stahlwerk in Brasilien besteht, im zu Ende gegangenen Dreimonatszeitraum einen operativen Gewinn von 16 Millionen Euro - und damit den ersten Überschuss seit der missglückten Amerika-Expansion von ThyssenKrupps Stahlsparte.

Deutliche Verbesserungen erzielte der Konzern auch in den europäischen Stahlwerken. Die Anlagen steigerten das bereinigte Ebit im dritten Quartal von 62 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 103 Millionen Euro, wenngleich ihr Absatz unter anderem wegen der Auswirkungen eines verheerenden Sturms in Nordrhein-Westfalen schrumpfte. ThyssenKrupp führte die Gewinnverbesserung etwa auf das im Stahlgeschäft aufgesetzte Sparprogramm zurück.

Steigende Ergebnisbeiträge meldeten auch die Aufzugs- und die Industriegütersparte. Beide Konzernteile registrierten zudem Verbesserungen beim Auftragseingang. Insgesamt nahm der ThyssenKrupp-Konzern im dritten Quartal neue Bestellungen im Wert von 10,16 Milliarden Euro entgegen. Das bedeutet eine Steigerung um 8 Prozent. Der Umsatz verbesserte sich ebenfalls um 8 Prozent auf 10,74 Milliarden Euro.

Hiesinger ist zufrieden

ThyssenKrupp erhöhte denn auch die Ziele für das gesamte noch bis Ende September andauernde Geschäftsjahr. Das bereinigte Ebit will der Konzern den Angaben zufolge nun gegenüber dem Vorjahreswert von 586 Millionen Euro verdoppeln. Bislang hatte das Unternehmen "nahezu" eine Verdoppelung in Aussicht gestellt. Unter dem Strich erwartet ThyssenKrupp jetzt ein "ausgeglichenes bis leicht positives" Ergebnis, nachdem der Konzern zuvor eine "Verbesserung in Richtung eines ausgeglichenen Jahresergebnisses" prognostiziert hatte.

Angesichts der Quartalszahlen äußerte sich ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger laut einer Mitteilung des Konzerns zufrieden. "Wir kommen gut voran auf unserem Weg zu einem neuen, integrierten und leistungsorientierten ThyssenKrupp", zitierte das Unternehmen seinen Vorstandschef. "Die Richtung simmt, unsere Strategie trägt und unsere operativen Maßnahmen zeigen deutliche Wirkung", sagte Hiesinger den Angaben zufolge weiter.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen