Wirtschaft

Ein Mega-Tower in der Provinz: ThyssenKrupp will hoch hinaus

"So eine Skyline können sie in Frankfurt machen, aber doch nicht hier bei uns", sagt eine Rottweilerin. In der "Stadt der Türme" plant ThyssenKrupp ein Riesen-Bauwerk, um Aufzüge für die gigantischen Wolkenkratzer in Fernost testen zu können. Das sorgt für Wirbel.

235 Meter hohes Ärgernis: Rottweil diskutiert über den Mega-Tower von ThyssenKrupp.
235 Meter hohes Ärgernis: Rottweil diskutiert über den Mega-Tower von ThyssenKrupp.(Foto: picture alliance / dpa)

Hoch und höher steigt der rote Ballon über den Dächern von Rottweil in den Himmel. Dutzende Menschen schauen ihm staunend hinterher. Was als recht kleiner Ballon noch nett aussieht, ist der Vorbote eines gewaltigen Towers, der selbst den Stuttgarter Fernsehturm deutlich in den Schatten stellen würde - und das in der ältesten Stadt Baden-Württembergs mit ihrem bei Touristen beliebten mittelalterlichen Zentrum. Die Stadtverwaltung und der Aufzugbauer ThyssenKrupp haben am Wochenende mit dem heliumgefüllten Ballon zeigen wollen, welche Dimensionen der geplante 235 Meter große Testtower hätte, in dem das Unternehmen Aufzüge für Wolkenkratzer in Fernost entwickeln will. Das Echo der Menschen war geteilt.

Eigentlich ist Rottweil stolz auf seine Türme. Der Kapellenturm, der Hochturm, der Glockenturm des Münsters oder das Schwarze Tor - sie geben dem mittelalterlichen Zentrum erst sein typisches Gesicht. Doch das neueste Turm-Projekt der Rathausspitze mit dem 235 Meter hohen Mega-Tower versetzt Rottweil nun in heftige Aufregung. Immerhin würde die älteste Stadt des Landes dann vom höchsten Gebäude Baden-Württembergs überragt.

Skyline wir in Frankfurt

Längst kursieren Fotomontagen, wie der riesige Turm das Stadtbild prägen würde. Die ersten dieser Bilder hat ThyssenKrupp noch selbst veröffentlicht. Doch bei den Turm-Gegnern schürten die Montagen Misstrauen. Einige Rottweiler haben selbst nachgerechnet und sind der festen Überzeugung, dass das Unternehmen den Turm deutlich kleiner und schmaler in die Stadtsilhouette hineinkopiert hat als er in Wirklichkeit wäre.

Eine Gruppe von Bürgern hat die vielen bekannten Türme der Stadt auf einer Broschüre maßstabsgetreu nebeneinander gedruckt. Da sieht man den 70 Meter hohen Kapellenturm, der 54 Meter hohe Hochturm - und den 235 Meter hohen Aufzugturm", schimpft eine Frau.

Ein "Monstrum" für die "Stadt der Türme"

Ursprünglich sollte der Turm weit unterhalb der Stadt im Neckartal gebaut werden, so dass nur ein Teil des Bauwerks über die umliegenden Berghügel hinausgeragt hätte. Weil aber der Boden dort nicht stabil genug für den Turm war, ist als neuer Bauplatz jetzt ein Gelände weit oberhalb des Flusses vorgesehen. Das heißt: Der Turm wird von der Stadt aus gesehen noch viel höher.

Oberbürgermeister Ralf Broß (parteilos) sieht darin kein Problem. "Der Turm kommt an dieser Stelle sogar noch besser zur Geltung", sagt er. "Rottweil ist bereits seit dem Mittelalter eine Stadt der Türme."

Aber längst nicht alle Bürger sehen in dem 235-Meter-Turm eine Bereicherung für ihre Stadt der Türme. "Das wird ein Monstrum", meint eine Frau, die ihren Kopf tief in den Nacken gelegt hat, um zu dem roten Testballon hinaufzuschauen. Ein Mann meint hingegen: "So wuchtig sieht's doch gar nicht aus."

Platz für zehn Aufzugsschächte

Tatsächlich sieht man von unten nicht viel mehr als einen kleinen roten Punkt. Doch der Ballon am Wochenende hatte auch nur einen Durchmesser von vier Metern.

Der echte Turm muss am Ende breit genug sein, damit zehn Aufzugsschächte darin Platz finden. Zwar verspricht ThyssenKrupp immer wieder, auf "ein leichtes, filigranes Erscheinungsbild" zu achten - doch die Skeptiker in Rottweil können noch immer nicht so recht glauben, dass das größte Bauwerk Baden-Württembergs neben der ältesten Stadtkulisse des Landes wirklich filigran wirken könnte.

Am Ende muss der Gemeinderat entscheiden, ob er grünes Licht für das Projekt gibt. Bislang sind die Signale aus den Fraktionen positiv. Wann die Entscheidung fällt, ist noch offen.

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Quelle: n-tv.de

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