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Keine Liege mehr ohne Mehrwertsteuerbeleg: Touristen sollen griechische Steuerhinterzieher das Fürchten lehren.
Keine Liege mehr ohne Mehrwertsteuerbeleg: Touristen sollen griechische Steuerhinterzieher das Fürchten lehren.(Foto: picture alliance / dpa)

Varoufakis' neuester Vorschlag: Touristen sollen Steuern eintreiben

Für alle Deutschen, die sich über die griechische Unsitte der Steuerhinterziehung aufregen, hat Griechenlands Finanzminister ein spezielles Angebot: Werden Sie Steuerfahnder im Nebenjob im Urlaub! Professionelle Spionagetechnik inklusive.

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis will zu Beginn kommender Woche eine neue Liste mit konkreten Reform- und Sparvorschlägen vorlegen. Einem Berichte der "Financial Times" zufolge will er die Eurogruppe unter anderem mit mehr Einnahmen aus Glückspiellizenzen und einem strengeren Kampf gegen Mehrwertsteuer-Hinterziehung in Geschäften überzeugen. Für letztere setzt Varoufakis demzufolge auf eine Truppe von Hilfsfahndern aus "Studenten, Hausfrauen und sogar Touristen".

Das elfseitige griechische Papier, das der Zeitung vorliege, beschreibt ausführlich ein "Onlookers' VAT Evasion-Fighting Scheme" - frei übersetzt etwa ein "Zuschauer-Mehrwertsteuerhinterziehungsbekämpfungsplan". Dafür soll eine "große Zahl" von unverdächtigen "Onlookers" (deutsch etwa: Betrachter, Zuschauer, Schaulustige) rekrutiert werden, die dafür vom griechischen Staat Kurzzeitverträge von bis zu zwei Monaten "ohne Verlängerungsmöglichkeit" angeboten bekommen.

Nach einem kurzen Training sollen diese Hilfskräfte im Auftrag Athens als verdeckte Ermittler als Test-Kunden in griechische Geschäfte geschickt werden, um die Steuerehrlichkeit der Verkäufer zu prüfen. Bei ihrer Mission sollen die Kurzzeitspione "für Ton und Video verkabelt" sein. Für ihre Dienste soll es stundenweise Honorare geben. Wie viele Urlauber sich nach Einschätzung der Programmplaner auf eine solche Aufgabe einlassen dürften, blieb in dem Varoufakis-Papier offen.

Hilfloser Aktionismus?

Die Helfer, einschließlich der Touristen, sollen in stark frequentierten Gebieten eingesetzt werden, in denen Steuerhinterziehung Gang und Gäbe ist. Der Vorteil des Plans liegt Varoufakis zufolge darin, dass die Hausfrauen und Touristen nur schwer als Kontrolleure zu enttarnen seien. Zudem könne "allein die Neuigkeit, dass Tausende unbeteiligte 'Schaulustige' - ausgerüstet mit Audio- und Videoaufnahmegeräten der Steuerbehörden - überall seien", dafür sorgen, dass sich die "Gewohnheiten sehr schnell ändern".

Gemessen am Ausmaß des Problems wirkt Varoufakis Vorschlag eher detailversessen als grundlegend durchgreifend. Neben derartig originellen Ideen enthält die Vorschlagsliste jedoch auch einige konventionelle Ideen wie die Einrichtung eines "Finanzrates", der Einnahmen und Ausgaben der Regierung überwachen könnte. Darüber hinaus solle er weitere Pläne ausarbeiten, wie der Staat nicht bezahlte Steuern aus der Vergangenheit eintreiben könnte.

Tsipras zweifelt an Einigung

Ob diese Liste die Eurogruppe überzeugt, eine weitere Tranche ihres Hilfspakets auszuzahlen ist fraglich. Die Ankündigung des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, zur Überbrückung akuter Zahlungsschwierigkeiten kurzfristige Schulden am Kapitalmarkt aufzunehmen, deutet darauf hin, dass der Regierungschef selbst nicht mit einer schnellen Einigung rechnet.

Quelle: n-tv.de

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