Wirtschaft
Fast so schnell wie ein Flugzeug: Der Transrapid TR09, hier noch in voller Fahrt (Archivbild).
Fast so schnell wie ein Flugzeug: Der Transrapid TR09, hier noch in voller Fahrt (Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 13. September 2017

Endstation für den Hightech-Zug: Transrapid rollt Richtung Wurstfabrik

Von Martin Morcinek

Die letzte Fahrt des Transrapid geht über die Straße: Im Emsland arbeiten Helfer am Abtransport eines fast vergessenen Vorzeigeprojekts der Industrie. Der Magnetschwebezug soll die Teststrecke für immer hinter sich lassen.

Der Name "Transrapid" stand einst für geniale Ingenieurskunst aus Deutschland: Magnetschwebebahnen sollten Reisenden ein reibungsfreies Gleiten in die Zukunft ermöglichen. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 450 Kilometern je Stunde sollten die futuristischen Züge auf Betonstelzen quer durchs Land die großen Metropolen verbinden. Doch nach einer jahrelangen Hängepartie und einem schweren Unfall auf der Teststrecke kam vor gut sechs Jahren das endgültige Aus.

Jetzt soll der letzte erhaltene Zug der modernsten Baureihe eine neue Heimat bekommen: Der im vergangenen November von den Nachkommen des Transrapid-Erfinders Hermann Kemper ersteigerte "Transrapid 09" (TR09) wird laut Plan am Abend auf Schwerlasttransporter verladen und von seinem bisherigen Standort an der Teststrecke bei Lathen im Emsland zu einer neuen Bleibe im rund 44 Kilometer entfernten Nortrup bei Quakenbrück in Niedersachsen gefahren.

Dort soll der 170 Tonnen schwere Magnetschwebezug in der Nacht zum Donnerstag ankommen und morgens auf dem Gelände der  Fleischwarenfabrik Kemper aufgestellt werden. Die Firma hatte den Transrapid der letzten Baureihe für 200.001 Euro ersteigert. Kemper-Chef Wolfgang Kühnl ist ein Urenkel des Transrapid-Erfinders Hermann Kemper.

Neue Attraktion für Technik-Fans

Mit viel Aufwand holt der 36-jährige Fleischfabrikant den insgesamt 75 Meter langen rot-weißen Zug auf das Werksgelände in Nortrup. Dort soll TR09 unter anderem als Museums- und Konferenzfläche genutzt werden - und damit den Erfindergeist und die Lebensleistung von Hermann Kemper ehren.

Für den Spezialtransport sind mehrere Tieflader im Einsatz, die unter Polizeibegleitung auf einer eigens ausgetüfelten Route alle niedrigen Brücken und andere Hindernisse umfahren. Weil die Schwerlasttransporter mit ihrer überschweren Ladung die ganze Fahrbahnbreite benötigen, sperrt die Polizei mehrere Straßen in der Region in der Nacht ab. "Es kommt zu Verkehrsbehinderungen", heißt es.

Die letzte Fahrt des Transrapid führt damit ganz konventionell über den Asphalt - und nicht auf Stelzen hoch über der Landschaft. Die vorgesehen Route ist aufgrund der erforderlichen Umwege rund 60 Kilometer lang - und damit fast doppelt so lang wie die eigens für die Erprobung der Magnetschwebetechnik errichtete Strecke im Emsland. Für den Transrapid ist es eine letzte Fahrt in Würde: In seinen besten Tagen hätte das einstige Vorzeigeprojekt der deutschen Industrie eine solche Distanz in voller Schwebefahrt binnen weniger Minuten überwunden.

Quelle: n-tv.de

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