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Dienstag, 25. April 2017

Buffett liebt brutale Airlines: Traumrendite auf Kosten der Passagiere

Von Max Borowski

Ein Arzt wird brutal aus dem Flieger gezerrt, ein Brautpaar aus dem Flug zur Hochzeit geworfen, eine Mutter mit Baby bedroht: Der Grund, warum US-Airlines so mit Kunden umspringen können, ist derselbe, warum Warren Buffett die Branche neuerdings liebt.

Noch 2013 nannte Starinvestor Warren Buffet die amerikanische Luftfahrtindustrie eine "Todesfalle für Investoren". Unzählige Insolvenzen und hoher Wettbewerb führten für die Anleger zu niedrigen Renditen bei hohem Risiko. Für die Investoren, so soll Buffett sogar einmal gescherzt haben, wäre es das Beste gewesen, wenn ein "vorausschauender Kapitalist" den legendären Flugpionier Orville Wright abgeschossen hätte, bevor dieser erfolgreich das erste Flugzeug entwickelte.

Umso erstaunter reagierten Beobachter, als der von vielen Anlegern als Guru verehrte Buffett Ende vergangenen und Anfang dieses Jahres Aktien der vier großen US-Fluggesellschaften American Airlines, Delta, United und Southwest für insgesamt knapp neun Milliarden Dollar kaufte. Der stets freundliche Multimilliardär erklärte zu seinem plötzlichen Sinneswandel, er gehe davon aus, dass das "schlimme Jahrhundert" der Luftfahrtbranche nun vorbei sei.

Was Buffett nicht ausführte: Der Grund, warum sich der Ruf der Fluglinien bei Investoren wie ihm so enorm verbessert hat, ist derselbe, warum er sich bei den Passagieren extrem verschlechtert hat. Eine weitreichende Marktbereinigung hat den Wettbewerbsdruck unter den Airlines stark reduziert - auf einigen Flughäfen und Strecken sogar fast verschwinden lassen. Das ermöglicht den Unternehmen, die Kosten vor allem durch Einsparungen beim Service massiv zu reduzieren, ohne die Preise senken zu müssen. Die Kunden haben häufig kaum Alternativen, auch wenn sie über Verspätungen und schlechten Service klagen.

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Die Videoaufnahmen von einem Passagier, der blutend von Sicherheitsleuten aus einer United-Airlines-Maschine gezerrt wurde, zeigten nur die Spitze des Eisberges. Wenig später machte die Fluglinie erneut Schlagzeilen, als sie ein Brautpaar wegen eines Streits um die richtigen Sitzplätze aus dem Flug zur eigenen Hochzeit werfen ließ. Zuletzt tauchten am vergangenen Wochenende Videoaufnahmen aus einem "American Airlines"-Flugzeug auf, die zeigten, wie ein Mitarbeiter einer Mutter mit Baby auf dem Arm Gewalt androhte.

Vier große Airlines bilden Oligopol

Die Geschichten hinter den Zwischenfällen sind unterschiedlich. Doch alle drei haben zumindest zum Teil mit der systematischen Überbuchung und überfordertem Personal zu tun. Die Mitarbeiter stehen offenbar unter großem Druck, den Kunden so wenig wie möglich etwa mit Upgrades oder Entschädigungszahlungen für Unannehmlichkeiten entgegenzukommen.

Einige Zahlen verdeutlichen, warum die Fluglinien glauben, sich das erlauben zu können - und warum das Investoren wie Warren Buffett begeistert: Die vier damals größten Airlines beherrschten vor zehn Jahren zusammen nicht einmal die Hälfte des gesamten Marktes in den USA. Nach vielen Pleiten und Fusionen sind es heute 80 Prozent, wie der "Economist" schreibt. Auf vielen Flughäfen und Strecken dominiert inzwischen eine einzige Linie das Angebot. Dieses Oligopol wird begünstigt durch Gesetze, die den Wettbewerb durch ausländische Gesellschaften stark behindern.

Der geringe Wettbewerb ermöglicht den US-Fluggesellschaften Traumrenditen. Laut "Economist" verdienten die amerikanischen Fluglinien im vergangenen Jahr im Durschnitt 22,40 Dollar pro Passagier. Zum Vergleich: In Europa kommt die Branche nur auf 7,48 Dollar Gewinn pro Passagier. Hier ist der Wettbewerb härter, die Ticketpreise sind niedriger und gleichzeitig ist - Umfragen zufolge - der Service besser.

Quelle: n-tv.de

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