Wirtschaft

Konsequenzen aus der Schuldenkrise: Trichet fordert "Quantensprung"

Europa könnte sehr viel schneller zusammenwachsen als geplant. Angesichts der Lage in Irland, Portugal und Spanien ist sich EZB-Chef Trichet sicher: Der Euro braucht eine gemeinsame Wirtschaftsregierung. Madrids Finanzministerin Salgado wendet sich direkt an die Deutschen. Die sollen endlich "in europäischen Dimensionen" denken.

Eine Währungsgemeinschaft, in der jeder zuerst an sich selbst denkt: für Jean-Claude Trichet ein unhaltbarer Zustand.
Eine Währungsgemeinschaft, in der jeder zuerst an sich selbst denkt: für Jean-Claude Trichet ein unhaltbarer Zustand.(Foto: REUTERS)

In der Schuldenkrise werden Rufe nach einer gemeinsamen europäischen Wirtschaftspolitik lauter. Mit einem "Quantensprung" müsse Europa die politische Führung voranbringen, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vor Journalisten. Dies sei die Hauptlehre aus der Schuldenkrise. Mit Blick auf die Entwicklungen der vergangenen Tage zeigte sich der Währungshüter zuversichtlich: Europa werde die gegenwärtigen Haushaltsprobleme lösen. Es sei aber sehr wichtig für die EU-Länder, sich glaubwürdige Defizit-Ziele für nächstes Jahr zu stecken.

Deutschland lehnt eine gemeinsame Steuerpolitik in der EU strikt ab. Das zeichne sich nicht ab und sei auch nicht gewünscht, sagte ein Regierungssprecher in Reaktion auf Trichets Vorstoß. Am Finanzmarkt beruhigte sich unterdessen die Situation weiter. Händler führten das auf den Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank zurück.

Die spanische Wirtschaftsministerin Elena Salgado sagte im Gespräch mit der BBC, eine gemeinsame Währung müsse durch eine gemeinsame Wirtschaftspolitik gestützt werden. Die politische Führung in Europa müsse ausgebaut werden.

Die anhaltenden Gerüchte um eine Hilfsaktion für Spanien wies Salgado entschieden zurück. Spanien müsse "absolut" nicht gerettet werden, die ökonomischen Fundamente des Landes seien stark, sagte Salgado. "Unsere Fiskalpolitik ist auf Kurs und zudem haben wir alles Notwendige für unseren Finanzsektor getan."

Aufruf an die Deutschen

Verantwortlich für Spaniens Finanzen: Elena Salgado.
Verantwortlich für Spaniens Finanzen: Elena Salgado.(Foto: REUTERS)

Die ökonomische Situation in Spanien unterscheide sich sehr von jener in Irland, sagte Salgado weiter. Während Irland rund 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufbringen musste, um seine Banken zu retten, habe Spanien nur 1 Prozent zur Stützung des Bankensektors benötigt.

Zudem rief die spanische Finanzministerin die deutsche Öffentlichkeit auf, bei der Debatte um finanzielle Verpflichtungen für EU-Partnerländer in "europäischen Dimensionen" zu denken. "Der Euro war gut für uns, aber auch für Deutschland", sagte Salgado.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte sich am Donnerstag dem lauten Ruf von Politik und Märkten nach einer großangelegten Rettungsaktion für klamme Euro-Länder widersetzt. Das Ankaufprogramm für Staatsanleihen werde fortgesetzt wie bisher, erklärte die EZB. Trichet sagte, die Regierungen müssten nun darüber entscheiden, ob der aktuelle Euro-Rettungsschirm ausreiche, um angeschlagene Länder im schlimmsten Fall aufzufangen.

Am selben Tag waren in Brüssel Forderungen aus spanischen Regierungskreisen zurückgewiesen worden, ein Sondertreffen zur EU-Schuldenkrise sei unvermeidlich. Die EU-Chefs kommen bereits am 16. Dezember zu ihrem nächsten regulären Gipfel zusammen. Zu Wochenbeginn hatte der spanische Regierungschef Jose Luis Rodriguez Zapatero angesichts der wachsenden Besorgnis um eine Ausweitung der Schuldenkrise auf Spanien eine Zapatero sagt Auslandsreise ab .

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Quelle: n-tv.de

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