Wirtschaft
(Foto: imago/ZUMA Press)
Freitag, 23. Dezember 2016

Loyalität wird belohnt: Trump setzt auf russischen Kapitalismus

Von Jan Gänger

In Sachen Wirtschaftspolitik sind sich Donald Trump und Wladimir Putin sehr ähnlich: Autoritärer Stil paart sich mit der Wertschätzung persönlicher Beziehungen.

Was haben Donald Trump und Wladimir Putin gemeinsam? Sie haben die gleichen Vorstellungen von Wirtschaftspolitik. Der künftige Präsident der USA hat bereits vor seinem Amtsantritt eindrucksvoll demonstriert: Er steht für Kapitalismus auf autoritäre, auf russische Art.

Was das heißt? "Vor einigen Jahren hat mich Donald Trump zum Mittagessen in sein Apartment in Manhattan eingeladen", erinnert sich Virgin-Gründer Richard Branson an seine erste Begegnung mit Trump. "Noch ehe die Vorspeise kam erzählte er mir, wie er nach seiner jüngsten Pleite einige Leute um Hilfe gebeten habe – und fünf davon ablehnten. Er sagte mir, dass er den Rest seines Lebens damit verbringen werde, diese fünf Menschen zu zerstören."

Das klingt sehr nach Putin. Wer nicht loyal ist, wird bestraft. Gegner werden unnachsichtig bekämpft – bis sie wie Michail Chodorkowski vollständig verloren haben. Andere werden lediglich öffentlich gedemütigt, beispielsweise der Oligarch Oleg Deripaska. Als dieser eine seiner Zementfabriken schließen wollte, wurde er von Putin formvollendet zusammengefaltet.

Im Gegensatz zu Putin kanzelt Trump allerdings nicht vor laufender Kamera ab, sondern per Tweet und zugehöriger Empörungswelle seiner Anhänger. Die Wirkung ist die gleiche. So hatte Trump im Wahlkampf beispielsweise damit gedroht, Hillary Clinton einsperren zu lassen – "Sperrt sie ein", johlten seine Anhänger.

Trump verachtet – wie der russische Präsident - etablierte Medien, hat einen Hang zur Selbstdarstellung und verspricht, sein Land mit den Mitteln der Wirtschaftspolitik zu einstiger Größe zu führen. Beide betrachten Handel nicht als etwas, von dem beide Seiten profitieren. Sie sehen darin einen Wettstreit, in dem die Gewinne der einen Seite die Verluste der anderen Seite sind. Daraus resultiert Abneigung von Freihandel und Sympathie für Handelsprotektionismus.

Noch bevor Trump sein Amt angetreten hat, geht er mit Unternehmen ähnlich um wie Russlands Staatschef. Sie haben im Sinne der Regierung zu handeln – andernfalls gibt es Ärger. Jüngstes Beispiel: Einen Tag nachdem Trump die Chefs von Boeing und Lockheed Martin zu sich zitiert hatte, setzte er Lockheed Martin wegen der Kosten für das Kampfflugzeug F-35 öffentlich unter Druck. Im Wahlkampf hatte er zum Boykott von Apple-Produkten aufgerufen. Der Grund: Der Konzern hatte sich geweigert, dem FBI beim Entsperren des iPhones eines toten Attentäters zu helfen.

Nun will Trump mit einer Mischung aus steuerlichen Anreizen und Drohungen dafür sorgen, dass US-Unternehmen von Plänen Abstand nehmen, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern. Und wie für Russlands Präsidenten ist für Trump ein PR-Erfolg wichtiger als das, was tatsächlich hinter den Erfolgsmeldungen steht.

"Auge um Auge"

In diesem Zusammenhang ist auch Trumps Ankündigung zu sehen, massive Investitionen in Infrastrukturprojekte zu lenken – und die dafür erforderlichen Schulden auszublenden. Denn solche Investitionen halten die Konjunktur am Laufen. Und auf neue Highways oder Bahnstrecken kann als sichtbares Zeichen verwiesen werden, dass es wirtschaftlich doch vorwärts geht.

Wie Putin weiß Trump persönliche Beziehungen zu schätzen. Loyalität wird belohnt und ist wichtiger als Kompetenz. Trump besetzt Führungspositionen vor allem mit Leuten, die ihn während des Wahlkampfes unterstützt haben – auch wenn sie über keinerlei Regierungserfahrung verfügen.

Und obwohl sich in Trumps Kabinett zwei Milliardäre und mindestens zehn Millionäre befinden, stellt sich der neue US-Präsident – wie der vermutlich ebenfalls schwerreiche Putin – als ein Mann des Volkes dar.

Hinzu kommt, dass in Russland die Grenzen zwischen privaten Geschäften und Politik fließend sind. Und auch Trump hat für keine klare Trennung zwischen seinem Unternehmen und seinem Amt gesorgt. Für Mitte Dezember hatte er eine Pressekonferenz angekündigt, um dort zu erklären, wie er die potentiellen Interessenkonflikte verhindern wolle. Doch kurz vor dem Termin sagte er sie wieder ab.

Stattdessen teilte er mit, dass seine Söhne Donald junior und Eric das Management seines Firmengeflechts übernehmen sollen. Eric saß wie Trumps Tochter Ivanka mit am Tisch, als Trump die wichtigsten Manager der IT-Branche traf. Und Ivanka wird nach dem Willen ihres Vaters ein Büro im Weißen Haus erhalten. Auch bei einem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe war Ivanka dabei. Während eines Trump-Familieninterviews in einer CBS-Sendung trug sie einen mit Diamanten besetzten Goldreif, der am nachfolgenden Tag von ihrer Firma Fine Jewelry für mehr als 10.000 Dollar beworben wurde. Und Ivankas Ehemann Jared Kushner gilt als eine der einflussreichsten Figuren des Trump-Teams - sowohl während des Wahlkampfs, als auch in der jetzigen Übergangsphase.

In Trumps Version von Kapitalismus gelten – wie in der russischen Variante – das Recht des Stärkeren und das Primat der Loyalität. Oder wie es Trump in seinem Buch "How to get rich" ausdrückt: "Wenn Ihnen jemand weh tut, dann sollten Sie so hart und gewaltsam zurückschlagen wie Sie können. Wie es in der Bibel heißt: Auge um Auge."

Quelle: n-tv.de

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