Wirtschaft
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Sonntag, 15. Februar 2015

Euro-Finanzminister treffen sich: Tsipras gibt sich selbstbewusst

Eine Einigung zwischen Griechenland und dem Rest der Eurozone ist nicht in Sicht. Die Finanzminister des Währungsraums nehmen in Brüssel einen weiteren Anlauf, um eine Lösung zu finden. Die griechische Seite dämpft die Erwartungen.

Im Streit um das griechische Spar- und Reformprogramm steht die Eurogruppe vor schwierigen Verhandlungen. Die Finanzminister des Währungsraums treffen sich am Montag in Brüssel. Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras gab sich im Vorfeld selbstbewusst: Die Partner hätten nach dem Start des neuen Kabinetts "ein anderes Griechenland getroffen, das weiß, was es will, und das (seine Rechte) beanspruchen kann", sagte er der Athener Wochenzeitung "Realnews".

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Finanzminister Yanis Varoufakis sagte der Zeitung "Kathimerini", eine Lösung könnte notfalls auch noch "fünf Minuten danach" gefunden werden. Die Regierung bluffe nicht und sei "offen für Ideen der Partner". Die EU wisse, wie man von Meinungsverschiedenheiten zu ehrenhaften Einigungen komme, so Varoufakis.

Tsipras' Links-Rechts-Koalition hat das griechische Sparprogramm für beendet erklärt und fordert eine Neuregelung zum Abbau des riesigen Schuldenbergs des Landes. Die Eurogruppe will sich am Montag neben anderen Themen auch mit der Zukunft der Griechenland-Hilfen beschäftigen.

Griechenlands Geldgeber und Vertreter der neuen Regierung haben nach Informationen aus Athener Regierungskreisen inzwischen eine Liste derjenigen Punkte ausgearbeitet, auf die sie sich nicht einigen konnten. Die Aufstellung soll am Montag der Eurogruppe in Brüssel präsentiert werden.

Die wichtigste "rote Linie", die aus Sicht der Tsipras-Regierung nicht überschritten werden darf, ist demnach die Reduzierung des von den Geldgebern verlangten primären Haushaltsüberschusses, bei dem Zinszahlungen nicht berücksichtigt werden. Athen fordere, dass der Großteil des Überschusses für die Ankurbelung der Wirtschaft und Schaffung von Arbeitsplätzen eingesetzt wird, hieß es. Die Geldgeber verlangen bisher einen primären Überschuss von 4,5 Prozent. Jetzt seien sie auf 3 Prozent zurückgegangen. Eine zweite "rote Linie": weitere Privatisierungen. Athen wolle alle Pläne hierzu bis ins letzte Detail prüfen, hieß es weiter.

US-Ökonom warnt vor Bankrun

Unterdessen hat der US-Ökonom Barry Eichengreen vor den Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands gewarnt und zugleich geraten, der neuen griechischen Regierung Zeit zu geben. Die Eurozone machte in den laufenden Verhandlungen mit Athen den Eindruck, einen so genannten Grexit leichtfertig in Kauf zu nehmen, sagte er der "Welt am Sonntag". Die Folgen könnten aber nach wie vor verheerend sein.

"Sie würden auf andere Länder übergreifen. Wenn portugiesische Familien oder spanische Unternehmen sehen, wie aus Euro wieder Drachmen werden, werden sie ihr Geld vom Konto holen. Das könnte sich zu einem Ansturm auf die Banken ausweiten. Investoren würden über den nächsten Austrittskandidaten spekulieren", sagte Eichengreen. Das könne schließlich das ganze Euro-Projekt gefährden.

Der Geldhistoriker von der Universität Kalifornien in Berkeley plädierte dafür, der gerade erst gewählten griechischen Regierung etwas mehr Zeit zu geben. "Sie müssen den Griechen wieder Luft zum Atmen geben, das ist auch im Interesse der Gläubiger. Ich würde dafür plädieren, die Zinszahlungen der Anleihen an das Wirtschaftswachstum zu koppeln. Nur wenn die griechische Wirtschaft wächst, muss das Land dann Zinsen zahlen, ansonsten werden diese einfach gestundet", so Eichengreen.

Nach seiner Einschätzung leidet nicht nur die Politik, sondern auch der Finanzmarkt unter einer Fehleinschätzung der Lage. Die Aktienkurse gäben ein viel zu positives Bild ab. "Meine Erfahrung als Geldhistoriker hat mich gelehrt, dass sich die Märkte immer entspannt zeigen, bis sie es plötzlich nicht mehr sind", so Eichengreen. "Ob nun der Bankenkrach von 2008 oder die Schwellenländerkrisen Ende der 90er-Jahre: Jeder kann seine Lieblings-Finanzkrise heraussuchen und wird feststellen, dass Märkte kein wirklich guter Krisenindikator sind. Im Vorfeld waren die Akteure immer viel zu lange viel zu entspannt und gerieten später in völlige Panik."

Würde Griechenland aus dem Euro gedrängt, hätte das nicht nur dramatische Folgen für den Währungsraum, sondern auch für die geostrategische Lage in Europa. "Der Westen wird kaum wollen, dass sich Russland als Retter inszeniert und plötzlich der Kreml in Europa mitmischt. Das hätte dramatische Folgen für das Militärbündnis Nato. Der Euro ist für Europa von großem symbolischen und geostrategischen Wert."

Quelle: n-tv.de

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