Wirtschaft
Mit Geld lassen sich viele, aber längst nicht alle Probleme lösen.
Mit Geld lassen sich viele, aber längst nicht alle Probleme lösen.(Foto: picture alliance / dpa)

Libor-Skandal könnte teuer werden: UBS droht Milliardenstrafe

Die Gerüchte in der Branche verdichten sich: Insidern zufolge bereitet sich die Schweizer Großbank darauf vor, einen gewaltige Summe an Strafgeldern zu akzeptieren. Im Gegenzug könnte das Geldhaus so weiteren Ermittlungen im Skandal um manipulierte Libor-Angaben entgehen.

Der Schweizer Großbank UBS droht wegen der Verwicklung in den Skandal um die Manipulation des Zinssatzes Libor womöglich eine Milliardenstrafe. Im Rahmen eines Vergleiches mit US-amerikanischen und britischen Aufsichtsbehörden werde die UBS insgesamt etwa eine Milliarde Dollar (765 Mio. Euro) zahlen müssen, hieß es Branchenkreisen.

Die Bank selbst lehnte eine Stellungnahme ab. Auch die britische Financial Services Authority wollte sich zu den Gerüchten nicht äußern. Nach Angaben eines Insiders könnte der Vergleich bereits zu Beginn kommender Woche unter Dach und Fach gebracht werden.

Die UBS hatte im Streit um die Libor-Manipulationen frühzeitig auf eine Kooperation mit den Behörden gesetzt. Zuletzt hieß es in Medienberichten, die Bank werde eine höhere Strafe als die britische Barclays Bank zahlen müssen. Der Wettbewerber hatte rund 450 Mio. Dollar auf den Tisch gelegt, um die Vorwürfe beizulegen. Barclays-Aufsichtsratschef Marcus Agius und Vorstandschef Bob Diamond traten zurück.

Anfang der Woche nahm die Polizei in London drei Männer im Zusammenhang mit dem Libor-Skandal vorübergehend fest. Bei einem der drei handelte es sich nach Angaben eines Insiders um einen Händler, der früher bei Citigroup und UBS gearbeitet hatte. Inzwischen wurden die drei Männer gegen Kaution wieder freigelassen.

Noch lange nicht beendet

Mehr als ein Dutzend Großbanken soll in den Jahren 2005 bis 2009 internationale Referenzzinssätze wie den Libor zu ihren Gunsten manipuliert haben. Der einmal täglich in London ermittelte Libor zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Der Zinssatz beruht auf den - von außen bislang kaum nachprüfbaren - Angaben der Institute.

Video

Die Ermittler vermuten, dass die Banken vor allem auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 zu niedrige Angaben gemacht haben, um ihre tatsächlichen Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen. Zinsen auf Finanzinstrumente im Volumen vom mehr als 300 Billionen Dollar richten sich in einer oder anderem Form nach Liborsätzen.

Für die UBS dürfte eine Strafzahlung im hohen dreistelligen Euro-Bereich zumindest verkraftbar sein. Im zurückliegenden Quartal hatte die Bank zwar aufgrund von Umbaumaßnahmen in der Investmentsparte einen Verlust von 2,2 Mrd. Schweizer Franken (rund 1,82 Mrd. Euro) verzeichnet. Gleichzeitig legten Kunden jedoch netto 7,7 Mrd. Franken an frischen Mitteln bei der Schweizer Großbank an.

Gebühren und Negativzinsen als Schutzmauer

Zudem muss sich die UBS wie schon der Lokalrivale Credit Suisse gegen übermäßige Geldzuflüsse von ausländischen Banken erwehren. Während Credit Suisse Anfang Dezember Negativzinsen in Aussicht stellte, will UBS eine spezielle Gebühr erheben, wenn Guthaben auf sogenannten Cash-Clearing-Konten eine bestimmte Grenze überschreiten.

Cash-Clearing-Konten dienen der Abwicklung des Zahlungsverkehrs zwischen Banken. UBS ermutige ihre Kunden, ihre Franken-Guthaben so niedrig wie möglich zu halten und nicht über das hinauszugehen, was üblicherweise für den Zahlungsverkehr gebraucht werde, hieß es in einer über das internationale Banken-System SWIFT verbreiteten UBS-Mitteilung.

Vor gut einer Woche hatte Credit Suisse ebenfalls über SWIFT eine weitgehend gleichlautende Mitteilung verbreitet. Im Gegensatz zu UBS schreckte die Nummer zwei der Schweizer Finanzbranche nicht vor dem Reizwort Negativzinsen zurück. Seit Anfang der Woche zieht die Bank unter bestimmten Bedingungen von Guthaben anderer Banken eine Art Strafzins ab.

Privatkunden nicht betroffen

Im Devisenhandel gab es immer wieder Spekulationen, die Schweizerische Nationalbank (SNB) könnte Negativzinsen auf ausländisches Geld einführen, um Finanzanlagen in der Schweiz unattraktiv zu machen und so gegen eine Aufwertung des Frankens vorzugehen. Die SNB wollte den Schritt der UBS wie schon zuvor den der Credit Suisse nicht kommentieren. Normale Bankkonten von Ausländern sind von den Entscheidungen der beiden Großbanken nicht betroffen.

Dass die Banken nun Strafgebühren und Strafzinsen erheben, hat nach Angaben von Insidern vor allem wirtschaftliche Gründe. Da die Franken-Zinsen extrem niedrig sind, können die Banken die auf den Clearing-Konten liegenden Gelder nicht mehr kostendeckend weiterverleihen. Seit Anfang Dezember bewegt sich der Dreimonats-Franken-Libor bei 0,014 Prozent.

UBS hatte institutionelle Kunden bereits Ende August 2011 auf die Möglichkeit einer solchen Spezialgebühr hingewiesen. Damals wertete der Franken zum Euro stark auf und im September führte die Schweizerische Nationalbank dann den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken ein. Seit dem Beginn der Euro-Schuldenkrise flüchten internationale Anleger in den Franken und andere als sicher eingeschätzte Währungen wie etwa die dänische Krone. Auch andere Geldhäuser wie etwa Bank of New York Mellon oder State Street erheben Negativzinsen auf Franken- und Kronen-Einlagen anderer Banken.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen