Wirtschaft
Matthias Müller soll für den Abgasskandal persönlich geradestehen.
Matthias Müller soll für den Abgasskandal persönlich geradestehen.(Foto: dpa)

Manipulierte Abgaswerte: US-Anwälte wollen VW-Chef belangen

In der Affäre um gefälschte Abgas-Werte nimmt die Klagewelle gegen Volkswagen in den USA nun richtig Fahrt auf. Die Klägeranwälte wollen auch Top-Manager wie Konzernchef Müller persönlich haftbar machen.

Neben Volkswagens Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn ist auch sein Nachfolger Matthias Müller ins Visier der US-Anwälte geraten. Der Top-Manager soll in drei Sammelklagen persönlich zur Rechenschaft gezogen werden. In den Klagen geht es zumeist um Vorwürfe wegen Betrugs, Vertragsbruchs, irreführender Werbung und Wettbewerbsverzerrung.

Neben zahlreichen US-Autobesitzern klagen auch VW-Vertragshändler und andere Autohäuser, die sich als Opfer des Skandals sehen. Die Vorwürfe gegen die Wolfsburger sind heftig: "Volkswagens illegaler Komplott entstand aus Gier und der Ambition, den weltweiten Automarkt um jeden Preis zu dominieren", heißt es in den 719, 74 und 90 Seiten langen Klageschriften. Die Rede ist von einem der "unverschämtesten Unternehmensverbrechen der Geschichte".

Ein VW-Sprecher sagte in Wolfsburg, dass der Konzern die Klagen zur Kenntnis genommen habe. Ihr Inhalt werde nun intern bewertet, eine Stellungnahme dazu könne es aber nicht geben, so der Sprecher unter Verweis auf die laufenden Verfahren.

Mehrere Top-Manager im Visier

Nicht nur Müller soll sich verantworten, sondern auch andere Spitzenentscheider von Unternehmen, die in die Affäre um manipulierte Abgaswerte Hunderttausender Diesel-Autos verwickelt sein sollen. Dabei handelt es sich unter anderen um Audi-Chef Rupert Stadler und Volkmar Denner, den Vorstandsvorsitzenden des Zulieferers Bosch. Darüber hinaus zielt die Klage auf die US-Chefs von Audi und Porsche und die ehemaligen VW-Ingenieure Ulrich Hackenberg und Wolfgang Hatz. Hinzu kommen der über den Skandal gestürzte Ex-VW-Boss Winterkorn und der US-Chef von VW, Michael Horn. Sie waren bereits zuvor als Beklagte im Visier der US-Anwälte.

VW hatte nach Betrugsvorwürfen, die das US-Umweltamt EPA am 18. September 2015 publik machte, Manipulationen in großem Stil bei Emissionstests eingeräumt. Das US-Justizministerium hat deshalb bereits im Januar eine Zivilklage im Auftrag der EPA gegen den Konzern eingereicht - alleine hier droht theoretisch eine Strafe von bis zu 46 Milliarden Dollar. Mehr als 500 Zivilklagen von US-Verbrauchern wurden im Dezember in Nordkalifornien gebündelt, um die Mammut-Verfahren zu vereinfachen.

Hinter den zusammengeführten Sammelklagen stehen Autofahrer und Vertragshändler, die sich getäuscht sehen. Außerdem klagen Autohäuser auf Schadenersatz. Da VW seine vermeintlich umweltfreundliche "Clean Diesel"-Technologie aggressiv vermarktet habe, hätten sie weniger wirklich saubere Wagen verkauft, argumentieren sie. VW steht in dem Skandal an diversen Fronten unter Druck.

Die Wolfsburger haben sich mit den US-Behörden noch immer nicht auf einen Plan zur Beseitigung der "Defeat Device" genannten Manipulationsprogramme in fast 600.000 betroffenen Autos einigen können. Um US-Kunden zu besänftigen, nahm der Konzern bereits viel Geld für Einkaufsgutscheine und gratis Pannen-Service in die Hand. Zudem hat VW den US-Staranwalt Kenneth Feinberg beauftragt, eine außergerichtliche Lösung zur Beilegung von Rechtsstreitigkeiten zu entwickeln.

Fonds: VW informiert nur scheibchenweise

Derweil wirft die Fondsgesellschaft Union Investment VW eine schleppende Aufklärung des Abgasskandals vor. Die Art und Weise, wie die Affäre um manipulierte Diesel-Abgaswerte gehandhabt werde, sei alles andere als optimal, kritisierte Jens Wilhelm, der im Vorstand der Union Investment für das Portfoliomanagement zuständig ist. Es gebe wenig Transparenz, Volkswagen rücke immer wieder scheibchenweise mit Informationen heraus.

Auch die Verschiebung der Hauptversammlung habe für Irritation bei Investoren gesorgt. "Man kann sich nicht hinter rechtlichen Themen dauerhaft verstecken", sagte Wilhelm. Die Fondsgesellschaft ist mit einem Anteil unter einem Prozent an Volkswagen beteiligt.

VW hatte wegen des Dieselskandals die Vorlage seiner Jahresbilanz und die Hauptversammlung um vier bis sechs Wochen verschoben. Als Grund nannte der Konzern offene Fragen im Zusammenhang mit der Abgasthematik und den daraus resultierenden Bewertungen in der Bilanz.

Quelle: n-tv.de

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