Wirtschaft
(Foto: Reuters)

Schwacher Stellenaufbau in den USA: "Job Report" irritiert Experten

Neue Daten vom US-Arbeitsmarkt: Der offizielle Regierungsbericht zur Lage im August bestätigt den Trend einer langsamen Erholung, bleibt aber insgesamt hinter den Erwartungen zurück. Die wichtigste Frage der Börsianer bleibt damit unbeantwortet.

Im Inneren der US-Wirtschaft haben Unternehmen im vergangenen Monat unter dem Strich 169.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen: Wie aus dem offiziellen Regierungsbericht zur Lage am US-Arbeitsmarkt im August hervorgeht, sinkt die Arbeitslosenquote auf den tiefsten Stand seit fast fünf Jahren. Die zentrale Quote, die unter anderem auch der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) als Orientierungsmarke dient, sinkt von 7,4 Prozent im Vormonat auf 7,3 Prozent ab. Im Vorfeld befragte Experten hatten dagegen im Schnitt mit einer Stagnation gerechnet.

Der Beschäftigungszuwachs fällt allerdings etwas schwächer aus als prognostiziert: Die befragten Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Plus von 175.000 Neubeschäftigten außerhalb der Landwirtschaft gerechnet. Im Juli war diese Zahl um 162.000 gestiegen. Den Stellenaufbau in der Landwirtschaft wird bei der Berechnung regelmäßig ausgeklammert: Die Zahl ist stark von saisonalen Schwankungen beeinflusst und würde das monatlich erfasste Ergebnis des gesamten Stellenzuwachs zu stark verzerren.

Insgesamt sehen sich Ökonomen mit einem eher durchmischten - und damit wenig aussagekräftigen - Arbeitsmarktbericht konfrontiert: Die Daten des Washingtoner Arbeitsministeriums blieben weitgehend im Rahmen der Prognosen. Damit ergibt sich aus dem Bericht kein klares Signal dafür, in welche Richtung sich die US-Notenbank bei ihren umstrittenen Exit-Überlegungen bewegen wird.

"Die Zahlen sind mit Sicherheit keine Katastrophe, aber der Stellenaufbau fällt noch nicht so stark aus, wie die Fed es sich eigentlich wünscht", sagte Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. "Mit der Straffung ihrer Anleihekäufe wird die Fed daher wohl erst im Dezember beginnen." Sein Kollege Ralf Umlauf von der Helaba hielt dagegen eine Drosselung der Fed-Wertpapierkäufe schon ab September weiterhin für das wahrscheinlichste Szenario. Bislang kauft die US-Notenbank zur Ankurbelung der Konjunktur monatlich Staatsanleihen und Immobilienpapiere im Volumen von insgesamt 85 Milliarden Dollar auf. Fed-Chef Ben Bernanke hatte angekündigt, den Geldhahn allmählich zuzudrehen, sofern sich die US-Konjunktur weiter erholt.

Starke Bewegungen am Markt

Die Reaktionen an den Finanzmärkten spiegelten die Unsicherheit der Anlagestrategen wider: Gold, Dax und Euro zogen kurz nach der Veröffentlichung des Regierungsberichts zunächst sprunghaft an, fielen kurz darauf allerdings wieder etwas zurück. Der Eurostoxx50 gewann ebenfalls deutlich. Offenbar scheint sich am Markt die Interpretation durchzusetzen, dass der aktuelle Stellenaufbau nicht für einen vorgezogenen Ausstieg ("Exit") aus den multimilliardenschweren Unterstützungsprogramm spricht.

Der US-Arbeitsmarkt ist immer noch weit von der Verfassung entfernt, die er vor Beginn von Finanzkrise und großer Rezession hatte: Zwar wächst die Beschäftigung seit Monaten kontinuierlich an, doch liegt die Erwerbsquote deutlich unter den bis 2007 verzeichneten Werten. Die Arbeitslosenquote bleibt für US-Verhältnisse immer noch vergleichsweise hoch.

Monat für Monat 85 Milliarden

Auf der anderen Seite sind sich die Währungshüter der Fed der Tatsache offenbar bewusst, welch schwerwiegenden Markteingriff der monatliche Kauf von Hypothekenpapieren für 40 US-Milliarden Dollar und von Staatsanleihen für 45 Milliarden darstellt. Die Notenbank ist inzwischen nicht nur der größte Abnehmer der US-Staatsschulden, ihre Liquidität ist auch in alle Teile der Finanzwelt geflossen - mit mittlerweile deutlich sichtbaren Nebenwirkungen auf die Kapitalbewegungen in den Schwellenländern.

Schon Andeutungen über eine mögliche Verringerung dieser Käufe haben viele BRICS-Staaten und nicht zuletzt auch die Zentralbanken einiger Industrieländer in große Schwierigkeiten gebracht. Zudem ist das geldpolitische Entscheidungsgremium der Fed, der Offenmarktausschuss (FOMC), tief gespalten, was den weiteren geldpolitischen Kurs angeht.

Mit entsprechender Spannung fiebern die Märkte daher der FOMC-Sitzung am 17. und 18. September entgegen. Nachdem das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe im August positiv überrascht hat, gilt der aktuelle Job Report als der mit Abstand wichtigste konjunkturelle Meilenstein im Vorfeld der anstehenden Fed-Sitzung.

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Quelle: n-tv.de

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