Wirtschaft
Allein die größte US-Bank JP Morgan schüttet 27 Milliarden Dollar aus.
Allein die größte US-Bank JP Morgan schüttet 27 Milliarden Dollar aus.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 29. Juni 2017

Profitparty im Finanzsektor: US-Banken lassen 100 Milliarden regnen

Von Hannes Vogel

An der Wall Street ist Zahltag: Nach jahrelanger Dividendenflaute dürfen die US-Banken ihre Aktionäre mit Geld überschütten. Es ist das deutlichste Zeichen dafür, dass die Krise vorbei ist. Und Europas Banken es mit den US-Finanzriesen nicht aufnehmen können.

"Payout party time!" Mit diesen Worten fasste ein Washingtoner Analyst die Nachricht zusammen, die die Wall Street in Euphorie versetzt: Keine Bank ist beim Stresstest der US-Notenbank durchgefallen. Erstmals seit der Finanzkrise haben die Währungshüter die Kapitalpläne der Geldhäuser ohne Beanstandung durchgewunken. Die Federal Reserve gibt damit grünes Licht für die größte Dividendenparty seit Jahren. Die 34 größten US-Finanzinstitute dürfen 2017 fast ihre gesamten Gewinne an die Aktionäre ausschütten. Im vergangenen Jahr erlaubte die Fed eine Ausschüttungsquote von gerade mal zwei Drittel der Gewinne.

Alle Großbanken der USA sind laut den Währungshütern gegen einen Wirtschaftscrash und einen Einbruch des Immobilienmarkts gewappnet und haben ausreichend große Kapitalpuffer, um eine neue Finanzkrise zu überstehen. Nur der Kreditkartenanbieter Capital One muss seine Pläne bis Dezember überarbeiten. Deshalb ist an der Wall Street nun Zahltag. Allein die sechs größten US-Banken - JPMorgan, Bank of America, Citigroup, Wells Fargo, Goldman Sachs und Morgan Stanley - werden nach einer Analystenberechnung 100 Milliarden Dollar auf ihre Aktionäre niedergehen lassen.

Der Profitregen markiert einen Wendepunkt: Seit der Finanzkrise hat die Fed die Dividendenpläne der Banken stets beschnitten, ihre Ausschüttungsquoten gedrosselt und sie gezwungen, mehr Kapital für einen neuen Crash aufzubauen. Diese Zeiten sind nun offenbar vorbei.

JP Morgan gibt insgesamt 27 Milliarden Dollar an seine Aktionäre zurück, sowohl über eine höhere Dividende als auch über ein fast 20 Milliarden Dollar schweres Rückkaufprogramm. Auch Citigroup teilt rund 19 Milliarden Dollar aus - 80 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Bank of America hat ihre Dividende um 60 Prozent angehoben. Wells Fargo will Aktien für 11,5 Milliarden Dollar zurückkaufen. Und Morgan Stanley will die Dividende um ein Viertel erhöhen.

Europas Banken hecheln hinterher

Wie stark die US-Banken wirklich gegen einen neuen Crash gewappnet sind, liegt allerdings im Auge des Betrachters. Viele der US-Finanzriesen landeten unterhalb oder nahe sieben Prozent Mindestkapitalquote, die am Markt als kritische Schallmauer gesehen wird, darunter auch JP Morgan, Bank of America und Goldman Sachs. Zudem spülte die Fed den diesjährigen Test weich, indem sie zwei Drittel der untersuchten Banken eine qualitative Prüfung ihrer Kapitalquoten ersparte.

Auch beim letzten Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) im vergangenen Sommer gab es - anders als noch 2014 - noch nicht einmal eine Hürde, die die 51 größten Finanzinstitute im schlimmsten Krisenszenario überspringen mussten. So konnte keine Bank durchfallen, egal wie schlecht sie war. Nahe oder unterhalb der kritischen Sieben-Prozent-Hürde landeten unter anderem die britische Barclays-Gruppe, die österreichische Raiffeisen Bank, die spanische Banco Popular, die Allied Irish Bank und die italienischen Geldhäuser Unicredit und Monte dei Paschi die Siena, die der italienische Staat inzwischen mit Milliarden gerettet hat.

Auch die Commerzbank brachte es lediglich auf 7,4 Prozent, die Deutsche Bank auf 7,8 Prozent. Anders als die Fed empfahl die EZB den EU-Banken Ende 2016 aber - wie auch schon im Jahr zuvor - "ihren Nettogewinn in Form von Dividenden konservativ auszuschütten". Denn von einem Profitboom ist bei Europas Banken nichts zu spüren. Die britische HSBC hat gerade erst ein Rückkaufprogramm im Volumen von einer Milliarde Dollar abgeschlossen. Im ersten Quartal brach der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Fünftel ein. Etwas besser lief es bei Frankreichs größter Bank BNP, deren Vorsteuerergebnis in den ersten drei Monaten um rund 4,4 Prozent zulegte.

Die Deutsche Bank hat ihren Aktionären für dieses Jahr sogar nur eine Minidividende von elf Cent je Aktie versprochen, rund 85 Prozent weniger als die gewohnten 75 Cent, die Anleger zwischen 2009 und 2014 kassierten. Die britische Barclays-Bank hatte ihre Dividende für 2017 und 2018 schon im vergangenen Jahr um die Hälfte gekürzt. Die spanische Santander-Bank will ihre Ausschüttung für das vergangene Jahr geringfügig von 21 auf 22 Cent je Aktie erhöhen, ist damit aber immer noch meilenweit von den 60 Cent je Anteilsschein entfernt, die die Bank ihren Aktionären jahrelang gezahlt hatte.

Quelle: n-tv.de

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