Wirtschaft

Konsumenten knausernUS-Einzelhändler leiden

14.07.2010, 16:37 Uhr

Die amerikanischen Verbraucher sind auch im Juni vorsichtig. Der Umsatz der US-Einzelhändler geht deutlicher zurück als von Analysten erwartet. Die Verbraucher geizten vor allem beim Autokauf.

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Der ansonsten kaufwütige Amerikaner hält sich zurück. (Foto: REUTERS)

Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher lässt Zweifel am Aufschwung der US-Wirtschaft aufkommen. Die Einzelhändler nahmen im Juni 0,5 Prozent weniger ein als im Vormonat, teilte das Handelsministerium in Washington mit. Analysten hatten lediglich ein Minus von 0,2 Prozent erwartet, nachdem die Umsätze bereits im Mai um 1,1 Prozent geschrumpft waren. Vor allem für Fahrzeuge gaben die Verbraucher weniger Geld aus. Das schwache Ergebnis ist aber teilweise den niedrigeren Benzinpreisen geschuldet.

Die geringe Kauflust der Amerikaner ist ein weiterer Rückschlag für die weltgrößte Volkswirtschaft, die sich langsamer als erwartet von der schwersten Rezession seit den 30-er Jahren erholt. Im Juni war die Zahl der Beschäftigten um 125.000 und damit erstmals in diesem Jahr geschrumpft. Der Einzelhandelsumsatz gilt als wichtiger Indikator für die Entwicklung des privaten Konsums. Dieser macht etwa 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der weltgrößten Volkswirtschaft aus.

"Gewisse Vorsicht bei den Konsumenten"

Nord/LB-Ökonom Bernd Krampen bezeichnet die Zahlen insgesamt als "enttäuschend" und sieht eine "ausgeprägte Schwäche im Kraftfahrzeugbereich". Der Absatz bei Baumaterialien habe unter dem Auslaufen der Steuervergünstigungen für den Kauf von Wohnhäusern gelitten. "Dem starken Vormonatsrückgang folgte ein erneutes Minus. Eine gewisse Vorsicht bei den Konsumenten ist klar erkennbar", fasst Krampen zusammen. "Das Abschwunggespenst wollen wir aber in keinem Fall an die Wand malen."

Harm Bandholz, Chefökonom für die US-Wirtschaft bei UniCredit, spricht von einem "insgesamt immer noch ordentlichen Wachstum" beim privaten Konsum im zweiten Quartal: "Allerdings hat im Verlauf des Quartals der Konsum sichtbar an Dynamik eingebüßt, und mit nur leichten Einkommenszuwächsen erwarten wir auch für die zweite Jahreshälfte nur einen moderaten Anstieg der Ausgaben".

Quelle: rts/DJ