Wirtschaft
Die USA vor der Zahlungsunfähigkeit: Welche dunkle Macht zieht da die Fäden? Für die deutsche Wirtschaft ist das "Geschacher" einfach nur "kindisch".
Die USA vor der Zahlungsunfähigkeit: Welche dunkle Macht zieht da die Fäden? Für die deutsche Wirtschaft ist das "Geschacher" einfach nur "kindisch".(Foto: picture alliance / dpa)

Ärger, Entsetzen und Unverständnis: US-Krise irritiert Deutsche

Der USA droht die Zahlungsunfähigkeit - und wie sich Experten erinnern, nicht zum ersten Mal. "Die US-Regierung hat sich schon einmal einen Default geleistet - wenn auch unabsichtlich", sagt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Krämer. Die Folgen waren dramatisch. Kein Wunder, dass die deutsche Wirtschaft nervös ist und kein Verständnis aufbringt, für das "kindische Aufführen" der Weltmacht.

Die dunklen Wolken aus den USA über dem so lebhaften Aufschwung in Deutschland werden immer bedrohlicher. Noch versichert die Bundesregierung zwar unbeirrt, sie sei nicht besorgt und gehe davon aus, dass sich US-Präsident Barack Obama und die Republikaner doch noch auf eine neue Schulden-Obergrenze einigen. Kein Geringerer als Obama selbst allerdings verbreitet bereits Endzeitstimmung.

Entsprechend wächst auch hierzulande die Unsicherheit. Der Präsident des Deutschen Außenhandelsverbandes, Anton Börner, räumt ein, nervös und tief verärgert zu sein. "Ich habe kein Verständnis", kritisiert er die US-Politik wegen des endlosen Geschachers. "Ich finde das verantwortungslos, dass eine Weltmacht, die global Verantwortung trägt, sich so kindisch aufführt", sagt er Reuters. "Die Folgen, die entstünden, wenn der Streit eskaliert, sind so dramatisch, so schlimm, dass man eigentlich überhaupt nicht darüber nachdenken will", warnte er. "So kann man mit der Welt nicht umgehen." Für die Weltwirtschaft und damit auch Deutschland würde eine längerfristige Zahlungsunfähigkeit der USA "den freien Fall" bedeuten, malt Börner ein düsteres Bild.

15. August wahrscheinlicher

Doch an eine gleichsame Selbstversenkung der USA will Börner trotz aller Skepsis noch nicht glauben. "Für mich das wahrscheinlichste Szenario ist: Bis zum 2. August einigen sie sich nicht. Dann gibt es ein bisschen Unruhe an den Kapitalmärkten, dann werden die Leute wirklich nervös, und dann wird man sich irgendwann bis zum 15. August doch einigen", prognostiziert der Verbandschef.

Die meisten Experten sehen es ähnlich. Auch der Chef des Euro-Rettungsschirmes EFSF Claus Regling wird nervös, wenn er daran denkt, dass wie weltgrößte Volkswirtschaft aufhören könnte, ihren Schuldendienst zu begleichen. "Das hat es noch nie gegeben. Das würde die Weltwirtschaft durcheinanderwirbeln."

"Default" - nicht das erste Mal

Ganz so beispiellos ist der Vorgang aber nicht, der sich gerade in Washington abspielt. "Die US-Regierung hat sich schon einmal einen Default geleistet - wenn auch unabsichtlich", gibt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, zu bedenken. Schon einmal im Frühjahr 1979 habe der US-Kongress die Anhebung der Schuldengrenze erst spät beschlossen. Als Folge sei der Staat wegen technischer Probleme bei der Rückzahlung fälliger Regierungspapiere in Verzug gekommen.

Für die US-Haushälter wurde dies teuer, erinnert sich Krämer: Die Renditen der Geldmarktpapiere seien flugs um 60 Basispunkte gestiegen und noch länger auf diesem erhöhten Niveau geblieben.

1995 mahnt

Auch Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise verweist auf die Historie. 1995 hätten die USA schon einmal die Schuldenobergrenze erreicht, ohne dass sich Republikaner und Demokraten rechtzeitig auf eine Anhebung einigen konnten, erinnert er sich im Gespräch mit Reuters. Der damalige US-Präsident Bill Clinton habe daraufhin einige nicht essenzielle Behörden für ein paar Wochen geschlossen, um Geld zu sparen, bis eine Einigung dann doch erreicht worden sei. Seine Verbindlichkeiten habe der US-Staat aber immerhin bedient.

Trotz aller Verweise: die Folgen einer tatsächlichen US-Zahlungsunfähigkeit, des schlimmsten anzunehmenden Unfalls,  wären dramatisch - darin sind sich alle einig. Dass zugleich auch noch in Europa die Schuldenkrise weiterkoche, erschwere die Lage zusätzlich, mahnt Heise. Wie Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer hält er es aber für ausgemacht, dass die USA bei einer längeren Zahlungsunfähigkeit in eine Rezession abstürzen dürften - und in der Folge die ohnehin schwächelnden Weltwirtschaft und damit letztlich auch Deutschland mit in den Abgrund reißen könnten.

"Der Zahlungsausfall wäre ein Tabubruch - Vertrauen ginge unwiederbringlich verloren", analysiert Krämer. Letztlich würden die USA ihren Nimbus der Solidität damit verlieren, während sich China als Hort finanzieller Stabilität darstellen könnte.

Bilderserie
Video

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen