Wirtschaft
Symbol der Krise: Im "Internationalen Geschäftszentrum" Moskaus stehen viele Büros leer.
Symbol der Krise: Im "Internationalen Geschäftszentrum" Moskaus stehen viele Büros leer.(Foto: REUTERS)

"Menschen mögen keine Nuancen": US-Sanktionen treffen Prestige-Fonds

Die USA haben ihre Sanktionsliste gegen russische Firmen und Staatsbürger erweitert. Neu aufgeführt ist ein russischer Investmentfonds, der mit großen Hoffnungen an den Start gegangen war.

Die USA haben im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt ihre Sanktionen gegen Russland ausgeweitet. Das Finanzministerium in Washington kündigte an, die US-Guthaben von rund zwei Dutzend Institutionen und Einzelpersonen einzufrieren und US-Bürgern Transaktionen mit ihnen zu verbieten. Auf der Liste fällt vor allem ein Name auf: Russian Direct Investment Fund (RDIF).

Dass sich dieser staatliche Fonds auf der Liste wiederfindet, dürfte durchaus symbolisch verstanden werden. Zeigt es doch, wie schnell sich Zeiten ändern können.

Aufgelegt wurde der Fonds 2011 in Moskau. Ausgestattet mit einem Volumen von zehn Milliarden Dollar sollte er in russische Firmen und einzelne Projekte investieren und dabei auch ausländisches Kapital anlocken. Der Fonds galt als Teil des Versuchs des damaligen Präsidenten Dmitri Medwedew, das Investitionsklima in Russland deutlich zu verbessern und Moskau zu einem internationalen Finanzzentrum zu machen.

Dass daraus nichts wurde, liegt an vielen Gründen: Wirtschafts- und Finanzkrise, sinkender Ölpreis, autoritäre Politik, verbreite Korruption, willkürliche Justiz sind einige von ihnen. Die im Zuge der Ukraine-Krise von den USA und der EU verhängten Sanktionen schaden der russischen Wirtschaft zusätzlich.

"Riesiger Player"

RDIF-Chef Kirill Dmitriew versuchte vergeblich, den Fonds vor Sanktionen zu bewahren. "In unserer komplexen Welt mögen Menschen keine Nuancen", hatte er im vergangenen Jahr der "Financial Times" gesagt. "Es ist sehr gefährlich, alles in Russland als schwarz zu bezeichnen. Es gibt Kräfte in Russland, die gut für die Weltwirtschaft sind. Wir sind eine davon." Der Fonds sei ein "riesiger Player" und habe keine politische Agenda, so Dmitriew.

Doch seine Verbindung mit dem Kreml sorgt nun dafür, dass der Fonds auf der Sanktionsliste der USA steht. Die Mutter ist die staatliche Bank VEB, gegen die bereits Sanktionen verhängt worden sind. Im Board sitzt Sergei Iwanow. Der Stabschef von Präsident Wladimir Putin findet sich ebenfalls seit längerer Zeit auf der Liste.  

"Wir verstoßen nicht gegen Sanktionen. Mit uns gemeinsam zu investieren ist nicht verboten", so Dmitriew. Das hat sich nun geändert - zumindest für US-Bürger und -Unternehmen.

Beraten wurde der Fonds lange von international einflussreichen Investoren, darunter beim Start Steve Schwarzmann vom US-Investmentriesen Blackstone, David Bonderman von TPG und Leon Black von Apollo Global. Ob diese weiterhin für RDIF tätig sind, ist nicht bekannt. Auf der Website des Fonds werden keine Berater mehr aufgeführt, die Seite ist seit geraumer Zeit vorsichtshalber leer.

Quelle: n-tv.de

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