Wirtschaft

BIP-Wachstum überrascht: US-Wirtschaft wächst stärker als erwartet

Die größte Volkswirtschaft der Welt kommt auf Touren: Die Konjunktur legt stärker zu als von Analysten vorhergesagt - ein wichtiger Fakt vor dem Zinsbeschluss der US-Notenbank Fed. Denn damit rückt die Frage nach dem Ende der Anleihenkäufe stärker in den Fokus. Auch vom Arbeitsmarkt kommen gute Signale.

Die US-Wirtschaft wächst stärker als erwartet und bietet der Notenbank Spielraum für eine künftig etwas straffere Geldpolitik. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zwischen April und Juni mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 1,7 Prozent, wie das Handelsministerium nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Experten hatten mit einem geringeren Anstieg gerechnet. Im ersten Quartal war die Wirtschaft laut nach unten revidierten Daten allerdings nur um 1,1 Prozent gewachsen.

Montage bei General Motors.
Montage bei General Motors.(Foto: picture alliance / dpa)

Impulse für das US-Wachstum lieferten den Angaben zufolge Investitionen in den Wohnungsbau und die Lagerhaltung. Allerdings verfehlte die Wirtschaft nunmehr das dritte Quartal in Folge die Wachstumsmarke von zwei Prozent verfehlte. Damit gilt der Aufschwung noch immer als zu schwach, um eine durchgreifende Wende am Arbeitsmarkt herbeizuführen.

Blicke richten sich auf Arbeitsmarkt

Die Staatsausgaben blieben in etwa auf dem Niveau des Vorquartals und die US-Lagerbestände lieferten positive Wachstumsimpulse. "Das hinterlässt jedoch gewisse Bauchschmerzen, denn beide Komponenten können im nächsten Quartal entsprechend negativ enttäuschen", sagte Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Für die Notenbank dürfte die Zahl aus seiner Sicht kaum eine richtungweisende Größe sein. Die Währungshüter würden weiterhin die Entwicklung am Arbeitsmarkt mit Argusaugen beobachten.

Die US-Notenbank erwägt bei einer durchgreifenden konjunkturellen Erholung ein Zurückfahren ihrer monatlichen Konjunkturhilfen im Volumen von derzeit 85 Milliarden Dollar. Fed-Chef Ben Bernanke kann sich vorstellen, mit dem Ausstieg noch dieses Jahr zu beginnen und das Programm Mitte kommenden Jahres auslaufen zu lassen. Der Kurs sei aber nicht vorab festgelegt, betonte der Notenbanker jüngst.

Die Hoffnungen der Amerikaner richten sich auf einen aufgehellten Jobmarkt in der zweiten Jahreshälfte, wenn der Staat seinen scharfen Sparkurs weiter lockert. Der Umfrage der privaten Arbeitsvermittlung ADP zufolge, lag das Stellenplus der US-Firmen im Juli bei 200.000. Ökonomen hatten lediglich 183.000 Jobs erwartet. Im Juni kamen nach revidierten Angaben 198.000 (vorläufig: 188.000) Jobs hinzu.

Der ADP-Bericht stützt sich auf die Daten von etwa 406.000 US-Unternehmen mit rund 23 Millionen Beschäftigten und gilt als verlässlicher Indikator für die amtlichen Arbeitsmarktzahlen. Sie werden am Freitag Bureau of Labor Statistics (BLS) veröffentlicht und dürften ebenfalls solide gestiegen sein: Experten rechnen mit 184.000 neuen Stellen. Die Arbeitslosenquote sehen sie bei 7,5 Prozent. Im Juni waren 195.000 neue Arbeitsplätze entstanden.

Konsum nicht mehr treibende Kraft

Insbesondere im Exportsektor laufen die Geschäfte gut: Die Ausfuhren legten im zweiten Quartal um 5,4 Prozent zu - das größte Plus seit dem dritten Quartal 2011. Da jedoch gleichzeitig die Importe um 9,5 Prozent anzogen, drückte das Handelsdefizit das Wachstum. Die Verbraucher steigerten ihre Ausgaben zugleich nicht mehr so stark wie in den ersten drei Monaten: Das Plus fiel mit 1,8 Prozent deutlich magerer aus als zu Jahresbeginn, als noch 2,3 Prozent zu Buche schlugen.

"Der private Konsum ist nicht mehr die treibende Kraft, was angesichts des Wegfalls der Steuererleichterungen und der Ausgabenkürzungen des Staates nicht zu sehr überraschen sollte", sagte NordLB-Ökonom Bernd Krampen. Insgesamt habe die US-Volkswirtschaft die fiskalischen Belastungen aber gut weggesteckt. "Für die zweite Jahreshälfte ist wieder von einer Zunahme der Dynamik auszugehen."

Quelle: n-tv.de

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