Wirtschaft

Hinweise aus den Fed-Protokollen: USA planen Maßnahmen

Es ist so, wie von vielen Beobachtern befürchtet: Die anhaltende Schwäche der US-Wirtschaft macht auch in den Augen der US-Währungshüter neue Stützungsmaßnahmen erforderlich. In den Protokollen der jüngsten regulären Sitzung kann die Welt jetzt nachlesen, wie die Notenbanker dabei vorgehen wollen.

Wählt seine Worte mit Bedacht: Notenbank-Chef Ben Bernanke.
Wählt seine Worte mit Bedacht: Notenbank-Chef Ben Bernanke.(Foto: REUTERS)

Angesichts der schwächelnden US-Wirtschaft könnte nach Einschätzung vieler Mitglieder der US-Notenbank ein weiteres Aufdrehen des Geldhahnes schon bald nötig werden. Bei ihrem Treffen am 21. September sei darüber gesprochen worden, wie diese geldpolitische Lockerung erfolgen könne, hieß es in den nun veröffentlichten Protokollen der Sitzung.

Die Aufzeichungen zu den Beratungen im zuständigen Offenmarktausschuss der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) werden regelmäßig mit drei Wochen Abstand veröffentlicht, um den Märkten Zeit zu geben, etwaige Hinweise zur Geldpolitik zeitlich verzögert zu den eigentlichen Zinsentscheidungen zu verdauen.

Diesmal waren die Protokolle in der Fachöffentlichkeit mit besonderer Spannung erwartet worden. An der Wall Street machen seit Wochen Spekulationen die Runde, die auf ein baldiges Eingreifen der Notenbank und zusätzliche Stützungsmaßnahmen setzen.

Sprachliche Feinabstimmung

Bei der fraglichen Sitzung Ende September seien mehrere Möglichkeiten in Erwägung gezogen worden, hieß es nun. Der Schwerpunkt habe aber auf dem Ankauf weiterer US-Staatsanleihen sowie dem Anheizen von Inflationserwartungen gelegen.

Um die Inflationserwartungen nach oben zu treiben, schlugen die Fed-Mitglieder demnach vor, mehr Informationen zu der Zielmarke bei der Teuerung zu nennen. Sie könnten zudem deutlich machen, dass kurzfristig auch eine stärkere Preissteigerung in Kauf genommen werden könnte. Dieses Vorgehen wird auch Preisniveausteuerung genannt.

Fed-Zentrale an der großen Mall in Washington: Von hier aus ist das Weiße Haus bequem zu Fuß erreichbar.
Fed-Zentrale an der großen Mall in Washington: Von hier aus ist das Weiße Haus bequem zu Fuß erreichbar.(Foto: picture alliance / dpa)

Mit der Veröffentlichung der Fed-Protokolle tritt auch im großen Rahmen ein bereits seit längerem erkennbares Bild deutlicher hervor: In den beiden Wirtschaftsräumen USA und Euro-Zone weitet sich die Kluft in der Geldpolitik weiter aus. Während sich in der Fed zuletzt die Bereitschaft verfestigte, nochmals Gas zu geben und die Dollar-Notenpresse schneller laufen zu lassen, warnte Bundesbank-Chef Axel Weber seine Kollegen in der Euro-Zone davor, zu spät auf die Bremse zu treten und zu lange mit dem Ausstieg aus der ultra-lockeren Euro-Geldpolitik zu warten.

Gefährliches Spiel mit der Inflation

Es bestünden Risiken sowohl bei einem zu frühen als auch einem zu späten Ausstieg, sagte Weber, der auch dem EZB-Rat angehört, in New York. "Ich glaube, dass die Letzteren größer sind als die ersteren." Die Mitglieder der US-Notenbank gehen dagegen davon aus, dass die schwächelnde US-Wirtschaft weiteren Schub von der Geldpolitik benötigt. Die Fed-Banker waren der Ansicht, dass eine "weitere Lockerung in nächster Zeit nötig werden könnte", wie es in den Protokollen wörtlich hieß. "Viele Mitglieder waren unzufrieden mit dem Fortschritt hin zu den Zielen Vollbeschäftigung und Preisstabilität."

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Die USA haben sich zwar aus der durch die Immobilien- und Finanzkrise ausgelösten schwersten Rezession seit Jahrzehnten befreit, das Wachstum verlor in den vergangenen Monaten allerdings wieder deutlich an Fahrt. Dazu kommt die hohe Arbeitslosigkeit. Die Fed nahm vor dem September-Treffen ihre Wachstumsprognose für das zweite Halbjahr zurück und rechnet auch im kommenden Jahr mit einem etwas geringeren Plus bei der Wirtschaftsleistung.

Stichtag im November

Die Notenbank entscheidet Anfang November das nächste Mal über ihre Dollar-Geldpolitik. Beobachter rechnen damit, dass sie den Geldhahn dabei kräftig aufdreht und das Programm zum Ankauf von Staatsanleihen ausweitet. Wie bereits erwähnt, wurde neben weiteren Käufen auch das Anschüren von Inflationserwartungen besprochen.

Dabei waren sich allerdings nicht alle Mitglieder des zinsentscheidenden Offenmarktausschusses über eine weitere Lockerung der Geldpolitik einig: Der Präsident der Fed von Kansas, Thomas Hoenig, bezweifelte, dass mehr Zentralbankgeld die Wirtschaft in Schwung bringe. "An diesem Punkt, an dem wir eine moderate Erholung und eine niedrige und stabile Inflation sehen, glaube ich, dass der Wirtschaft besser geholfen wäre, wenn man mit der Normalisierung anfängt", sagte er.

Auch Analysten zweifeln daran, Coba dämpft Erwartungen . Der offizielle Leitzins in den USA liegt seit Dezember 2008 bei null bis 0,25 Prozent. Seitdem hat die Notenbank für insgesamt 1,7 Billionen Dollar Staats- und Immobilientitel erworben, um die Konjunktur zu stimulieren.

Europäer unter Handlungsdruck?

In der Euro-Zone sieht Weber derzeit keinen unmittelbaren Handlungsbedarf, die Geldpolitik sei angesichts der niedrigen Inflationserwartungen angemessen. Er riet aber dazu, die Zügel nicht zu spät anzuziehen. Besonders das Ankaufprogramm für Wertpapiere, das die EZB im Mai auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise aufgelegt hatte, zieht seine Kritik auf sich: Es habe keinen signifikanten Einfluss auf die durchschnittlichen Renditen in der Euro-Zone, sagte Weber. Die Risiken überwögen, und das Programm müsse daher dauerhaft auslaufen. Weber gehört seit Einführung des Programms zu dessen schärfsten Kritikern.

Seit Mai hat die EZB Anleihen im Volumen von etwa 63,5 Mrd. Euro angekauft. Den Leitzins beließen die Währungshüter vergangene Woche bei dem Rekordtief von einem Prozent. Experten rechnen erst im späteren Verlauf 2011 mit Zinserhöhungen. Im Dezember dürfte die Bank aber entscheiden, ob sie auch über Mitte Januar hinaus an ihren unkonventionellen Maßnahmen festhalten will - und wenn ja, an welchen. Derzeit können sich Banken in der Euro-Zone bei der EZB noch so viel Geld leihen, wie sie wollen.

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Quelle: n-tv.de

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