Wirtschaft

Liberty Global spuckt Vodafone in die Suppe: Übernahmefieber bei Kabel Deutschland

Der Kampf um Kabel Deutschland ist voll entbrannt. Nach Vodafone wirft wie erwartet auch der US-amerikanische Kabelkonzern Liberty Global seinen Hut in den Ring. Angeblich ist Liberty bereit, 85 Euro je Aktie zu zahlen. Börsianern zufolge kann Kabel Deutschland vom Kampf der beiden Riesen nur profitieren. Der Aktienkurs steigt.

Der Preis ist "nach oben offen".
Der Preis ist "nach oben offen".

Der sich abzeichnende Bieterwettkampf um Kabel Deutschland hat die Aktien von Deutschlands größtem Kabelnetzbetreiber am Morgen auf ein Rekordhoch getrieben. Die Titel schossen zur Eröffnung mehr als vier Prozent nach oben und hielten dieses Niveau auch am Abend mit einem Plus von 3,7 Prozent. Der US-Kabelkonzern Liberty Global bestätigte am Vorabend, eine Gegenofferte zu dem Übernahmeangebot vom britischen Mobilfunkriesen Vodafone für Kabel Deutschland vorgelegt zu haben.

Liberty ist damit offiziell ins Bieterrennen um Kabel  Deutschland eingestiegen. Auch Kabel Deutschland bestätigte am Vorabend in einer Pflichtmitteilung den Erhalt eines "vorläufigen Vorschlags" der US-Amerikaner. Details nannte der deutsche Kabelnetzbetreiber allerdings nicht. Es gebe auch keine Gewisssheit, ob aus dem Vorschlag von Liberty Global tatsächlich eine Transaktion zustande kommen werde. Die "Financial Times" berichtete auf ihrer Internetseite, dass Liberty 7,5 Mrd. Euro für den größten deutschen Kabelnetzbetreiber geboten habe. Das entspräche rund 85 Euro je Aktie.

John Malone, Präsident von Liberty Global, eröffnet den Übernahmekampf der Titanen.
John Malone, Präsident von Liberty Global, eröffnet den Übernahmekampf der Titanen.(Foto: REUTERS)

Damit würde der zum Imperium des Murdoch-Rivalen John Malone gehörende Konzern den britschen Mobilfunkriesen Vodafone überbieten. Das bisherige Gebot lag informierten Kreisen zufolge bei 81 Euro je Kabel-Deutschland-Anteilsschein. Allerdings soll Vodafone eine Aufstockung seiner Offerte erwägen.

"Sowohl Liberty als auch Vodafone müssen sich hohe Synergien ausgerechnet haben, um so einen Preis zu rechtfertigen", kommentierte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research die Zahlen. In der Branche wird ein milliardenschwerer Bieterwettkampf erwartet: "Angesichts der Finanzstärke der potenziellen Bieter sowie der strategischen Bedeutung einer Übernahme von Kabel Deutschland könnte der Preis unseres Erachtens auch noch weiter steigen", schätzt LBBW-Analyst Stefan Borscheid.

Auch Händler reiben sich die Hände: "Die 7,5 Mrd. Euro Offerte dürfte in einer Übernahmeschlacht kaum ausreichen, um Kabel Deutschland tatsächlich zu kaufen. Der Preis dürfte noch weiter nach oben gehen", sagte einer von ihnen. Die Übernahme von Kabel Deutschland wird aber schwerer Brocken: An der Börse wird der Konzern mittlerweile mit 7,6 Mrd. Euro bewertet, hinzu kommen noch einmal 2,8 Mrd. Euro Schulden - insgesamt geht es also um mehr als zehn Mrd. Euro.

Kartellprobleme?

Für beide Unternehmen würde der Deal Sinn machen. Analysten hatten bereits ein Gegengebot von Liberty Global erwartet. Der US-Kabelkonzern kontrolliert schon die Nummer zwei und drei im deutschen Kabelmarkt, Unitymedia und Kabel BW, und hat schon lange ein Auge auf den Marktführer geworfen. Gegen eine Übernahme sprächen allerdings Bedenken der Kartellwächer gegen eine zu große Marktmacht. Kabel Deutschland versorgt rund 8,5 Millionen Haushalte mit Fernsehen und ist für einen Käufer vor allem wegen seiner superschnellen Datenleitungen attraktiv.

Vodafone könnte mit einem Kauf von Kabel Deutschland mit der Deutschen Telekom in 13 von 16 Bundesländern auf Augenhöhe kommen und alle Dienste, Festnetz- wie Mobiltelefonie nebst Breitband-Internet und TV aus einer Hand anbieten. In der Branche gilt es als zukunftsentscheidend, alle Dienste aus einer Hand anbieten zu können, nicht zuletzt weil der Datenverbrauch explodiert und Unternehmen, die nur Mobilfunk bieten, langfristig keine Chance mehr haben.

Händler: "Da geht noch was"

Wie ein Händler sagte, dürfte die Aktie mindestens auf den genannten Kaufpreis von 85 Euro steigen, möglich wäre jedoch auch deutlich mehr. "Wir reden hier bei den Bietern Liberty Global und Vodafone über echte Riesen - da geht noch etwas", so ein anderer Händler. Er rechnet mit Kursen um die 90 Euro für die Kabel-Aktie.

"Probleme mit dem Kartellamt dürfte es zudem nicht geben, da die Telekom in allen betroffenen Bundesländern selbst mit ähnlichen Angeboten aktiv ist", so ein Analyst in einer ersten Einschätzung. Der Preis sei daher "nach oben offen" und die erhofften 90 Euro möglich.

Quelle: n-tv.de

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