Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Whitman kämpft gegen "Zeitbombe": HP befriedigt die Anleger

Gewinnrückgang, Umsatzminus - und dennoch sind Analysten, Anleger und Hewlett-Packard selbst mit dem Start ins neue Jahr zufrieden. Die neue Konzernchefin Whitman blickt optimistischer in die Zukunft und baut den Computerriesen weiter um. Aufspaltungsgerüchte halten sich hartnäckig.

Der Start ins neue Jahr fällt für den US-Computerriesen Hewlett-Packard dank des eingeschlagenen Konzernumbaus besser als erwartet. Auch wenn die eingeleiteten Restrukturierungs- und Sparmaßnahmen die Schwäche im klassischen PC-Geschäft, das mit der zunehmenden Konkurrenz durch Smartphones und Tablets zu kämpfen hat, nicht ganz ausgleichen konnten, blickt HP optimistischer in die Zukunft. Zahlen und Ausblick ließen die Aktie im nachbörslichen Handel um über 7 Prozent zulegen.

Das Nettoergebnis sank im 1. Quartal, das am 31. Januar endete, auf 1,2 Mrd. Dollar. Im Vorjahr hatte der Konzern noch einen Gewinn von 1,5 Mrd. Dollar erzielt. Das um Sonderposten bereinigte Ergebnis je Aktie betrug 0,82 Dollar und übertraf damit das Ziel des Unternehmens von 0,68 bis 0,71 Dollar. Analysten hatten mit 0,71 Dollar  gerechnet. Der Umsatz des Unternehmens aus dem kalifornischen Palo Alto ging um 5,6 Prozent auf 28,4 Mrd. Dollar zurück. Hier hatten Analysten mit 27,79 Mrd. Dollar gerechnet.

Whitman immer zuversichtlicher

Für das 2. Geschäftsquartal stellt HP ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 0,80 bis 0,82 Dollar in Aussicht und ist damit optimistischer als der Analystenkonsens, der bislang bei 0,77 Dollar liegt. Die Ziele für das Geschäftsjahr bekräftigte das Unternehmen. Konzernchefin Meg Whitman zeigte sich zuversichtlich, dass die positiven Auswirkungen der Restrukturierung im laufenden Geschäftsjahr noch deutlicher zutage treten.

Whitman - seit September 2011 im Amt - ist dabei, mit dem schweren Erbe ihrer Vorgänger aufzuräumen. Der schwerste Fehltritt war wohl der Kauf des britischen Software-Unternehmens Autonomy, den der ehemalige Chef Leo Apotheker eingefädelt hatte. Er wollte HP in einen Softwarekonzern umbauen und das PC-Geschäft verkaufen. Die Investoren waren allerdings dagegen. Aptheker musste gehen und Whitman kassierte seinen Plan kurz nach Amtsantritt.

Es liege noch "jede Menge Arbeit" vor dem Unternehmen, erklärte Konzernchefin Whitman. Doch langsam zeigten sich bei der Neuaufstellung erste Erfolge, beteuerte sie. "Ich bin positiv gestimmt, was den Rest des Jahres angeht."

PC-Geschäft als Dauerbaustelle

Autonomy aber blieb und stellte sich als Zeitbombe heraus. Im 4. Quartal 2011/12 musste Hewlett-Packard den Wert des Softwareunternehmens um 8,8 Mrd. Dollar abschreiben. Für die Wertberichtigung machte der Konzern hauptsächlich falsche Angaben in den Bilanzen verantwortlich. Autonomy habe vor dem Deal Umsatz und Gewinn künstlich aufgebauscht, hieß es. HP wurde von den Aktionären vorgeworfen, den Zukauf nicht sorgfältig genug geprüft zu haben.

Eine weitere Baustelle bei HP ist das klassische PC-Geschäft, das vor allem unter dem Boom von Smartphones und Tablets leidet. Unter der Schrumpfung des PC-Marktes leidet auch Rivale Dell, während nur die chinesische Lenovo noch Marktanteile zu gewinnen scheint. Laut Daten der Marktforscher Gartner und IDC hatte HP 2012 noch gut 16 Prozent Marktanteil. Besonders der chinesische Senkrechtstarter Lenovo sitzt dem Urgestein der Branche im Nacken. Whitman reagierte. Sie legte das PC- mit dem Druckergeschäft zusammen und strich 29.000 Stellen.

Während Whitman alles daran setzt, den Konzern zusammenzuhalten, machten nach dem Buyout beim Konkurrenten Dell auch um HP Aufspaltungsgerüchte die Runde. Dell hatte jüngst verkündet, die Aktionäre auszuzahlen und den Konzern von der Börse zu nehmen, um fernab der Investorenblicke und des Drucks der Quartalsberichte wieder in die Spur zu finden.

Quelle: n-tv.de

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