Wirtschaft

Umstrittenes KrisenmanagementUneinigkeit bei Bank of England

18.11.2009, 14:49 Uhr

Die britische Zentralbank hat die jüngste Ausweitung ihrer Krisenhilfen gegen interne Bedenken beschlossen. Chefvolkswirt Spencer Dale wollte einen Verzicht auf eine Ausweitung der Wertpapierkäufe. Er konnte sich im Gremium aber nicht durchsetzen.

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Gebäude der Bank of England in der Londoner City. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Wie aus dem Protokoll der November-Sitzung hervorgeht, forderte Chefvolkswirt Spencer Dale vergeblich einen Verzicht auf eine Ausweitung der Wertpapierkäufe um 25 Mrd. auf 200 Mrd. Pfund. Er argumentierte, das Aufblähen der Geldbasis könne zu einer ungewollten Verteuerung einiger Vermögenswerte führen, was später nur schwierig zu korrigieren sein würde.

Einem anderem Notenbanker im geldpolitische Ausschuss der Bank of England (BoE) ging die Ausweitung der Krisenhilfen hingegen nicht weit genug. Er forderte in die Vollen zu gehen und das Programm gleich um 40 Mrd. Pfund aufzustocken.

Notenbank-Gouverneur Mervyn King hat bereits deutlich gemacht, dass der Beschluss der BoE noch nicht das Ende der Fahnenstange sein muss: Die Finanzmärkte könnten nicht davon ausgehen, dass die Zentralbank nach der jüngsten Ausweitung ihres Wertpapierkaufprogramms nun die Hände in den Schoß legen werde, sagte der Zentralbank-Gouverneur.

Niedrigerer Einlagezins im Gespräch

Wie aus dem Protokoll der Zinssitzung hervorgeht, haben die Notenbanker bereits darüber gesprochen, den Zins auf Einlagen der Banken bei der Zentralbank zu senken. Bei einem niedrigeren Depotzins wäre es für die Geldinstitute weniger attraktiv, Geld bei der Zentralbank zu parken. Das Kalkül der Notenbank: Wenn die Geschäftsbanken die Mittel stattdessen für die Darlehensvergabe verwenden würden, könnte die Kreditklemme in Großbritannien gelöst werden. Diesmal verzichtete die BoE zwar auf einen solchen Beschluss, schloss die Option für die Zukunft aber nicht aus.

Die Bank of England hatte Anfang November ihren Leitzins beim Rekordtief von 0,5 Prozent belassen und das Programm zum Ankauf von Wertpapieren aufgestockt. Ziel des Programms ist es, dem Finanzsektor zusätzlich Liquidität zur Verfügung zu stellen. Die Wirtschaft Großbritanniens steckt seit anderthalb Jahren in der Rezession fest. Da sie stark von der Finanzbranche abhängt, leidet sie stärker als andere Volkswirtschaften unter den Folgen der weltweiten Finanzkrise.

Quelle: wne/rts