Wirtschaft
Nach oben: Mit dem Kuli zeigt BoJ-Chef Haruhiko Kuroda an, wohin die Löhne und Gehälter seiner Ansicht nach steigen sollten (Archivbild).
Nach oben: Mit dem Kuli zeigt BoJ-Chef Haruhiko Kuroda an, wohin die Löhne und Gehälter seiner Ansicht nach steigen sollten (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Japan kämpft gegen die Deflation: Notenbankchef fordert höhere Gehälter

Japans oberster Währungshüter eröffnet im Kampf gegen stagnierende und fallende Preise eine neue Offensive. Zentralbankchef Kuroda fordert die Konzernchefs des Landes auf, die Grundgehälter ihrer Mitarbeiter anzuheben.

Nebeneffekt in einer weltweit vernetzten Branche: Wenn in Japan die Lohnkosten steigen, verlieren die großen Autobauer des Landes entsprechende Wettbewerbsvorteile.
Nebeneffekt in einer weltweit vernetzten Branche: Wenn in Japan die Lohnkosten steigen, verlieren die großen Autobauer des Landes entsprechende Wettbewerbsvorteile.(Foto: REUTERS)

Der Gouverneur der japanischen Notenbank Bank of Japan (BoJ), Haruhiko Kuroda, drängt die privaten Unternehmen aus der japanischen Wirtschaft, einen Beitrag zur Überwindung der 15 Jahre währenden Deflation zu leisten. Kuroda forderte die Unternehmenschefs des Landes dazu auf, Angestellten und Arbeitern höhere Löhne und Gehälter zu zahlen.

Der ungewöhnliche Appell an den Privatsektor dürfte die öffentliche Debatte in Japan um den richtigen Ausweg aus der Krise weiter befeuern. In den vergangenen Monaten hatte die japanische Notenbank bereits fast alle übrigen Maßnahmen aus dem geldpolitischen Instrumentenkasten zum Einsatz gebracht, um die Volkswirtschaft aus der gefährlichen Abwärtsspirale sinkender Preise zu befreien - darunter auch großvolumige Interventionen am Geldmarkt, extreme Niedrigzinsen und milliardenschwere Konjunkturmaßnahmen. Die energischen Maßnahmen zeigen mittlerweile erste Wirkung. Im Oktober stiegen die bereinigten Verbraucherpreise im Vorjahresvergleich erstmals seit langem wieder leicht an.

Diesen Erfolg will Kuroda nun ausbauen: Ein steigendes Lohnniveau wirke nicht nur positiv auf Konsum und Preisdruck, sondern würde dem leichten Preisanstieg der vergangenen Monate auch einen zusätzlichen Schub verleihen, argumentiert der Notenbankchef. "Ich hoffe, dass die Grundgehälter angehoben werden, da die Gewinne der Unternehmen steigen", sagte er vor Wirtschaftsführern in der japanischen Wirtschaftsmetropole Nagoya (Präfektur Aichi). Die Wahl des Ortes enthält womöglich bereits eine Anspielung: Die Region um Nagoya liegt in Zentraljapan und ist unter anderem die Heimat des weltgrößten Automobilkonzerns Toyota.

Notfalls noch mehr Anleihen

Kuroda erneuerte sein Bekenntnis, dass die Bank of Japan nicht zögern werde, das riesige Anleihekaufprogramm aufzustocken, wenn das Inflationsziel aus dem Blickfeld zu verschwinden droht. Binnen zwei Jahren soll die Teuerung auf 2 Prozent geschraubt werden. Dafür kauft die Zentralbank derzeit bereits rund 70 Prozent der neu ausgegebenen Staatsanleihen, um die Geldbasis zu verdoppeln.

Kurodas Appell an die Privatwirtschaft verstehen Beobachter als einen Versuch der verbalen Einflussnahme auf eine unternehmerische Praxis, die einem nachhaltigen Anstieg des Lohnniveaus in Japan bislang entgegenstand. Um einen Anstieg der Fixkosten zu vermeiden, bezahlten die japanische Firmen in den vergangenen Jahren verstärkt über Bonuszahlungen. Aus Sicht von Regierung und Zentralbank ist ein Anstieg der Grundgehälter aber effektiver, um das Inflationsziel zu erreichen.

"Ich möchte sie auffordern"

In seiner Rede zielte der Währungshüter nun zunächst auf die im Frühjahr anstehenden Tarifverhandlungen. In enger Abstimmung mit Ministerpräsident Shinzo Abe hofft Kuroda dabei nun auf steigende Grundgehälter. Sollten die Worte des Notenbankers ungehört verhallen, wären politischen Beobachtern zufolge durchaus auch neue Vorgaben des Gesetzgebers denkbar, die zumindest den Umgang mit variablen Gehaltsbestandteilen einschränken könnten.

Um die Konjunkturstimuli der Notenbank zu verstärken, versuchte Kuroda die Manager auch davon zu überzeugen, mehr zu investieren. "Ich möchte sie auffordern, das sich verändernde Geschäftsumfeld als Chance zu begreifen und sich in positiven wirtschaftlichen Aktivitäten zu engagieren". Ob sich seine Zuhörer davon überzeugen ließen, werden Kurodas Konjunkturexperten bereits in wenigen Wochen an ihren Wirtschaftsstatistiken ablesen können.

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Quelle: n-tv.de

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