Wirtschaft
Die Unister-Holding und zahlreiche Tochterfirmen haben Insolvenz angemeldet.
Die Unister-Holding und zahlreiche Tochterfirmen haben Insolvenz angemeldet.(Foto: imago/Christian Grube)

Prozessbeginn im Januar: Unister-Manager kommen vor Gericht

Die Pleite des Internetkonzerns Unister wird von der Justiz aufgearbeitet. Vor dem Landgericht Leipzig startet Anfang nächsten Jahres der Prozess gegen drei ehemalige Manager der mittlerweile insolventen Holding.

Ab Anfang kommenden Jahres müssen sich in Leipzig drei Ex-Manager des Internet-Unternehmens Unister vor Gericht verantworten. Der Prozess beginne am 11. Januar, teilte das Landgericht mit. Bis Juni seien 18 Verhandlungstage angesetzt worden.

Die Konzernholding und mehrere Tochterunternehmen hatten vor rund vier Monaten Insolvenz angemeldet, nachdem Gründer und Gesellschafter Thomas Wagner tödlich mit einem Flugzeug verunglückt war. Er hatte zuvor in Italien vergeblich versucht, frisches Geld aufzutreiben und war dabei auf einen mutmaßlichen Betrüger hereingefallen. Nach seinem Tod meldeten die Konzernholding und mehrere Tochterfirmen Insolvenz an.

Ende September erhielten 66 Mitarbeiter die Kündigung. Insgesamt hat die Gruppe rund 900 Mitarbeiter. Unister betreibt viele Internetportale, darunter fluege.de und ab-in-den-urlaub.de.

Den drei ehemaligen Managern wird der "Süddeutschen Zeitung" zufolge Steuerhinterziehung, unerlaubten Verkauf von Versicherungen sowie Betrug beim Onlinehandel mit Flugtickets für mehr als 87.000 Kunden vorgeworfen. Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe. Unister hatte mehrfach erklärt, die Geschäfte seien gängige Praxis in der Reisebranche. Ursprünglich hatte die Generalstaatsanwaltschaft Dresden auch gegen den langjährigen Chef Wagner ermittelt.

"Verkettung selbst verursachter Umstände"

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung", NDR und WDR waren Teile des seit Mitte des Jahres insolventen Konzerns offenbar schon 2015 zahlungsunfähig. Die Medien zitieren aus einem Gutachten, den Insolvenzverwalter Lucas Flöther beim Amtsgericht Leipzig eingereicht hat. Darin kritisierte er demnach mangelhafte Buchhaltung in dem Konzern, die ihm eine Übersicht über die finanzielle Lage stark erschwere. Auf allen Konten des Unternehmens fand Flöther eignen Angaben zufolge gerade noch 3904,13 Euro liquide Mittel.

Der Schuldenstand des Konzerns betrug laut Insolvenz-Gutachten knapp 58 Millionen Euro, bei einem Vermögen von nicht einmal 14 Millionen Euro. Das ergibt eine Überschuldung in Höhe von 44 Millionen Euro. Aus Sicht von Flöther hat eine "Verkettung mehrerer größtenteils vom Unternehmen selbst verursachter Umstände" in die Pleite geführt.

Als wesentlichen Auslöser nannte der Insolvenzverwalter eine mit Fremdkapital finanzierte "progressive Wachstumspolitik"; darunter eine ständige Ausweitung der Geschäfte auch mit der Übernahme weiterer Firmen. Die Strukturen des Konzerns hätten mit dessen Expansion nicht Schritt gehalten; insbesondere bei Planung, Buchhaltung und Controlling.

Quelle: n-tv.de

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