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Kulturwandel im Bestattungswesen? "Ein Urnengrab kostet in der Regel deutlich weniger als ein Sarggrab."
Kulturwandel im Bestattungswesen? "Ein Urnengrab kostet in der Regel deutlich weniger als ein Sarggrab."(Foto: picture alliance / dpa)

Preissprünge bei Friedhofsgebühren: Urnengräber werden deutlich teurer

Bei der Suche nach einer letzten Ruhestätte lohnt sich anscheinend die Auswahl: Deutschlandweit ziehen viele Gemeinden die Preisschraube bei den Friedhofsgebühren kräftig an. Die Ursache sehen Experten im aktuellen Bestattungstrend.

Die Grabnutzungsgebühren sind einer Studie zufolge zum Jahresanfang in vielen deutschen Gemeinden drastisch gestiegen. Erhöhungen um mehr als 100 Prozent seien dabei "keine Seltenheit", wie Beobachter der Bestattungsbranche berichten. Sowohl für Erd- als auch Urnenwahlgräber müssen Angehörige ab 2016 vielerorts mit höheren Kosten rechnen.

(Foto: Bestattungen.de)

Den größten Kostenanstieg verzeichneten die Experten im nordsächsischen Schkeuditz. Dort schnellten die Grabnutzungsgebühren für ein Urnenwahlgrab mit einer 20-jährigen Nutzungszeit von 450 Euro auf 2131,80 Euro in die Höhe - eine Erhöhung um rund 374 Prozent.

Laufzeit über 30 Jahre

Spitzenreiter bei den Erdwahlgräbern ist demnach Mülheim-Kärlich. Die Bewohner der rheinland-pfälzischen Stadt zahlten der Auswertung zufolge bis 2016 für eine Wahlgrabstätte mit 30-jähriger Nutzungszeit 410 Euro. Seit diesem Jahr verlangt die Stadt, wie aus der Friedhofsgebührenordnung hervorgeht, 1056 Euro. Die Bewohner der drei Kilometer entfernten Gemeinde Kettig müssen dagegen nur 854 Euro für die 30-jährige Nutzung eines Erdwahlgrabs aufbringen.

Die Angaben beruhen auf einer Auswertung zur Entwicklung von Friedhofsgebühren in Deutschland. Analysiert und verglichen wurden die Daten durch das Vergleichsportal Bestattungen.de, welches die Angaben seit 2011 jährlich erhebt. Die nun vorgelegten Ergebnisse zur Preisentwicklung bei Erd- und Urnenwahlgräbern stützen sich auf die aktuellen Friedhofsgebührenordnungen und deren Vorgängerversionen.

Trend zur Feuerbestattung

Die stetige Erhöhung von Friedhofsgebühren sei eine direkte Folge des "anhaltenden Trends hin zur Feuerbestattung", heißt es im Fazit der Studie. Teurere Erdbestattungen würden demnach weniger stark nachgefragt. "Ein Urnengrab kostet in der Regel deutlich weniger als ein Sarggrab und auch der anschließende Aufwand für die Grabpflege ist für die Angehörigen wesentlich geringer", erklären die Experten. "Wird die Kostenstruktur von den Kommunen nicht an die aktuelle Bedarfslage angepasst, entsteht schnell ein finanzielles Defizit. Insbesondere kleinere Gemeinden haben dieses Jahr teilweise drastisch an der Gebührenschraube gedreht."

In größeren Städten kam es dagegen nur zu moderaten Erhöhungen. Von den 20 größten Städten Deutschlands haben lediglich vier die Grabnutzungsgebühren für Erd- und Urnenwahlgräber angepasst. So stieg beispielsweise die Nutzungsgebühr für Erdwahlgräber in Essen um knapp 14 Prozent. In Bochum hingegen verringerten sich die Kosten für diese Grabart sogar um 6 Prozent.

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Quelle: n-tv.de

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