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Der "Crossblue" soll den US-Markt rocken - aber erst in ein paar Jahren.
Der "Crossblue" soll den US-Markt rocken - aber erst in ein paar Jahren.(Foto: picture alliance / dpa)

Neues Modell für US-Markt fehlt: VW-Absatzrekord hat Schattenseiten

Volkswagen will automobiler Weltmeister werden. Auf dem Boommarkt China läuft es auch blendend. In den USA dagegen fährt die Konkurrenz um Toyota und GM Europas Branchenprimus davon. Ein neues SUV soll die Wende bringen - aber wohl zu spät.

Europas größter Autokonzern Volkswagen hat 2013 erstmals mehr als 9,5 Millionen Autos ausgeliefert. Auf mehr Jahresverkäufe kommen nur noch die Konkurrenten Toyota und General Motors. Würde man die rund 9,5 Millionen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge aus dem VW-Konzern Stoßstange an Stoßstange aneinanderreihen, ergäbe sich eine Autoschlange, die auf dem Äquator einmal um die ganze Erde reichen würde. Der Haken: Volkswagen tut sich schwer auf dem wichtigen US-Markt, büßt gegenüber der Konkurrenz an Bedeutung ein und kann das so schnell auch nicht ändern.

In den vergangenen Tagen hatten bereits zahlreiche Einzelmarken aus dem Wolfsburger Autokonzern - unter anderem Audi, Porsche, VW und Bentley - Vertriebszahlen für 2013 vorgelegt und ebenfalls neue Bestmarken gesetzt. Das Verkaufsergebnis sei gerade mit Blick auf die weltweit schwierigen Marktbedingungen eine sehr gute Leistung, zu der alle Konzernmarken beigetragen hätten, sagte Vertriebschef Christian Klingler mit Blick auf den neunten Konzern-Auslieferungsrekord in Folge.

China rockt

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Zu verdanken hat Volkswagen die neuerliche Bestmarke vor allem dem ungestillten Hunger Chinas nach neuen Autos: In der Volksrepublik legten die Verkäufe von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen um gut 16 Prozent auf 3,27 Millionen zu. Fast jedes dritte Auto aus dem VW-Konzern ging damit an einen chinesischen Kunden, womit das Reich der Mitte der mit Abstand größte Einzelmarkt für die Niedersachsen ist. In China wurden 2013 mehr als 18 Millionen Autos verkauft.

Erwartungsgemäß schwächer entwickelten sich die Verkäufe dagegen in Europa, wo die Auto-Nachfrage zum Jahresende aufgrund der Nachwehen der Schuldenkrise ein neues Allzeittief erreicht hat. Die Auslieferungen des VW-Konzerns, der auf dem alten Kontinent mit seiner Stammmarke die klare Nummer eins ist, blieben jedoch stabil, womit das Unternehmen sich wacker hielt. Deutliche Rückgänge gab es dagegen mit 10 Prozent und 19 Prozent in Südamerika und Indien.

Die 10-Millionen-Marke winkt

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Mit den Absatzrekord hat Volkswagen einen nächsten Etappenerfolg auf dem Weg zur automobilen Weltspitze gefeiert. Alleine seit dem Amtsantritt von Vorstandschef Martin Winterkorn im Jahr 2007 stieg der VW-Absatz um deutlich mehr als die Hälfte; das eigentlich erst für 2018 anvisierte Ziel von zehn Millionen Verkäufen rückt immer näher in Reichweite.

Winterkorn hatte zuletzt bereits mehrfach in Aussicht gestellt, dass es auch schon deutlich früher soweit sein könnte. Experten halten die magische Zahl für spätestens 2015, vielleicht schon in diesem Jahr erreichbar.

Wer den Dreikampf zwischen VW, Toyota und General Motors im vergangenen Jahr gewonnen hat, lässt sich indes noch nicht sicher sagen. Die Amerikaner werden ihre weltweiten Verkaufszahlen wahrscheinlich im Zuge der beginnenden Detroiter Automesse veröffentlichen, die Japaner wohl erst gegen Ende des Monats. 2012 hatte Toyota mit knapp 9,75 Millionen Verkäufen vor GM und VW gelegen. Die Chancen für Toyota scheinen aber nicht schlecht zu stehen, schließlich peilten die krisenerprobten Japaner für 2013 bisherigen Angaben zufolge rund 9,96 Millionen Verkäufe an.

Neues Modell für den US-Markt? Fehlanzeige

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Neben China hat sich auch die Lage in der Region Nordamerika verbessert: knapp sechs Prozent legten die Verkäufe zu. Allerdings schwächelte der Absatz auf dem so wichtigen US-Markt, Marktanteile gingen verloren. Die wichtige Kernmarke VW-Pkw büßte bei den Auslieferungen sieben Prozent ein und verlor damit an Boden auf dem eigentlich boomenden US-Markt, der rund sieben Prozent zulegte. Eine Änderung ist zunächst auch nicht in Sicht. Volkswagens Hoffnungsträger für dringend nötige Zuwächse im US-Markt erscheint frühestens in zwei Jahren.

"Das große Volkswagen-Midsize-SUV wird kommen", sagte Winterkorn zwar. Aber: Die Markteinführung sei erst fpr 2016 geplabt. Die Entwicklung für den Siebensitzer habe begonnen.

Winterkorn hatte die "Crossblue" genannte Studie der besagten Geländelimousine schon im vergangenen Jahr in Detroit vorgestellt. Immer noch unklar ist aber der Produktionsstandort, die Werke in den USA und Mexiko buhlen um den Zuschlag. Das Modell könnte in Chattanooga gebaut werden. Querelen um ein Gremium für die Mitarbeitermitbestimmung lähmten das Thema aber zuletzt. Alle 105 VW-Fabriken auf der Welt haben ein solches Organ, nur die US-Fabrik in den Südstaaten bisher noch nicht. Dem mächtigen VW-Betriebsrat ist das ein Dorn im Auge. Seine Zustimmung im Aufsichtsrat wäre nötig bei der Wahl für die "Crossblue"-Fabrik.

Der "Crossblue" soll in den USA die zwei in die Jahre gekommenen VW-Verkaufsschlager Passat und Jetta ergänzen. Ersterer rollt im US-Werk in Chattanooga vom Band.

"Amerika ist der weltweit härteste Automarkt", räumte Winterkorn ein. "Es wird kein Spaziergang", sagte er. VW will bis 2018 an den Rivalen Toyota und General Motors vorbeizuziehen und weltgrößter Autobauer werden. Dabei dürften die USA - sie sind nach China der weltweit größte Automarkt - eine wichtige Rolle spielen. Das betonte auch Winterkorn noch einmal. "Wenn Du es hier schaffst, schaffst Du es überall."

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Quelle: n-tv.de

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