Wirtschaft
Der USA-Besuch war für Matthias Müller ein Spießrutenlauf.
Der USA-Besuch war für Matthias Müller ein Spießrutenlauf.(Foto: dpa)

Zurück in der Krise: VW-Chef steht vor schwierigen Aufgaben

Detroit, Washington, Chattanooga: VW-Chef Müller kam zuletzt viel herum. Offen ist aber, ob er von seiner US-Reise neben einem peinlichen PR-Ausrutscher auch Ergebnisse zur Lösung des Abgas- Skandals nach Hause bringt. Das ist aber bitter nötig.

Nach den glamourösen Messetagen von Detroit und dem Krisengipfel von Washington ist Europas größter Autobauer Volkswagen wieder zurück auf dem Boden der Tatsachen. Denn auch wenn VW von Beginn an vor zu großen Erwartungen warnte, überwiegt in den Tagen danach nicht nur in der Konzernzentrale in Wolfsburg Ernüchterung.

"Bis auf die eine Geschichte war es im Grunde eine recht ordentliche Veranstaltung", heißt es aus Konzernkreisen. Das stimmt wohl, denn die mit Spannung erwartete US-Tour von VW-Chef Matthias Müller startete durchaus ordentlich. VW präsentierte sich als reumütiger Autobauer und kooperativer Aufklärer. Alles lief wie von den VW-Strategen geplant, bis zu jenem Interview-Debakel, welches Müller selbst vermutlich am meisten ärgern dürfte; seine Strahlkraft überragte auch dessen späteres Spitzentreffen mit Gina McCarthy, der Chefin der mächtigen Umweltbehörde EPA in Washington.

Müller bekommt Dolmetscher an die Seite

In der Tat überlagert eben jene "Geschichte" in der öffentlichen Wahrnehmung die gesamte Reise: Auf die Frage eines US-Journalisten erklärte Müller, VW habe nicht etwa wissentlich bei den Abgaswerten gelogen und betrogen, sondern nur die amerikanischen Gesetze falsch ausgelegt. Eine Blamage vor versammelter Weltpresse und ein Fettnapf, der im weiteren Verlauf der Aufklärung noch teuer werden könnte.

Dabei ist es letztlich egal ob eine missverstandene Frage die Ursache war oder ob Müller einfach seine ehrliche Meinung sagte. Als Lehre aus dem PR-Debakel soll Müller laut Fachmagazin "Automobil Produktion" künftig in den USA nur noch mit Dolmetscher auftreten.

Aufsichtsrats-Präsidium tagt am Dienstag

Zeit zum Ärgern haben aber weder VW noch Müller. Spätestens wenn er am Donnerstag nach seinem Besuch im VW-Werk in Chattanooga den Heimflug nach Wolfsburg antritt, muss auch er sich wieder mit der alltäglichen Krisenbewältigung befassen. Am Dienstag steht die nächste Sitzung des Präsidiums auf der Tagesordnung. Dann will das mächtige Gremium von Müller selbst hören, wie sein Fazit zur USA-Reise ausfällt. Dabei dürfte den sechsköpfigen Machtzirkel insbesondere interessieren, was hinter den verschlossenen Türen beim rund einstündigen Gespräch mit den US-Behörden zur Sprache kam.

Der Inhalt ist auch im Konzern bislang absolute Verschlusssache. In Deutschland steht zudem der Beginn der größten Rückrufaktion in der Konzerngeschichte unmittelbar bevor. Bereits in der kommenden Woche sollen dem Vernehmen nach die ersten Kunden Post von VW bekommen. Rund 2,4 Millionen Diesel-Autos müssen hierzulande wegen des Abgas-Skandals in die Werkstätten. "Die Kunden müssen dafür nichts tun", sagt Konzernsprecher Eric Felber.

Der Rückruf soll in mehreren Wellen erfolgen. Den Anfang machen die 2,0 TDI-Aggregate - gefolgt von den 1,2-Liter-Motoren. Beide Varianten brauchen nur eine neue Software. Die ebenfalls betroffenen 1,6-Liter-Motoren sollen erst zum Schluss dran kommen, sie brauchen auch eine neue Hardware in Form eines unauffälligen Kunststoffrohres. Auch personell müssen Müller und Co wichtige Entscheidungen treffen.

Suche nach einem "Feuerwehrmann"

Für die USA sucht VW nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" einen Spezialisten, der helfen kann, die Wogen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu glätten. Der Konzern will das nicht kommentieren, nach den Erfahrungen der vergangenen Tage erscheint in Konzernkreisen aber die Suche nach einem "Feuerwehrmann, der die kulturellen Hürden einreißen kann" durchaus als richtiger Schritt. Unabhängig davon muss VW in den USA aber auch endlich technische Lösungen für die dortigen Fahrzeuge präsentieren, die die kritischen Behörden EPA und Carb überzeugen. "Dies muss im Interesse aller Beteiligter so schnell wie möglich passieren", heißt es in Wolfsburg.

Und genau hier sieht der Konzern auch einen Erfolg der US-Reise von Müller: "Es war natürlich ein wichtiges Zeichen, dass der Konzernchef bei den Behörden zu Gast war", heißt es. Nun müsse wieder an Details gearbeitet werden, und "wenn dann ein bestimmter Punkt erreicht ist, kann es durchaus sein, dass Müller wieder in die USA reisen wird."

Quelle: n-tv.de

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