Wirtschaft
Schwere Krise bei VW. Dem Konzern drohen Milliardenschäden durch Klagen und Strafgelder.
Schwere Krise bei VW. Dem Konzern drohen Milliardenschäden durch Klagen und Strafgelder.(Foto: imago/Ralph Peters)

Folter und Festnahmen in Brasilien: VW soll Entschädigungen zahlen

Noch mehr Ärger für VW: Gegen den Autokonzern ist in Brasilien eine Zivilklage eingereicht worden. Das Unternehmen soll dort während der Militärdiktatur Folter und illegale Festnahmen von Mitarbeitern hingenommen haben. VW-Chef Winterkorn bangt um seinen Posten - wegen eines anderen Skandals.

Inmitten des Skandals um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen droht dem Autokonzern in Brasilien weiteres Ungemach: Gegen das Unternehmen wurde dort eine Zivilklage wegen seines Verhaltens während der Militärdiktatur eingereicht. VW habe damals in Brasilien die Folter und illegale Festnahme von Mitarbeitern hingenommen, begründete das Arbeiterforum für Wahrheit, Gerechtigkeit und Reparation seine Klage in São Paulo.

Während der Militärdiktatur in den Jahren 1964 bis 1985 habe VW "die Existenz einer Staatspolizei im Inneren des Unternehmens" sowie Festnahmen am Arbeitsplatz zugelassen, sagte Sebastião Neto vom Arbeiterforum. Zwölf ehemalige Mitarbeiter des VW-Werks in São Bernardo do Campo, einem Vorort von São Paulo, waren laut Klageschrift festgenommen und gefoltert worden. Dutzende Mitarbeiter seien auf schwarzen Listen geführt worden. Das Unternehmen soll daher nun eine kollektive Entschädigung zahlen, fordern die Kläger. "Volkswagen war nicht das einzige beteiligte Unternehmen, aber es hatte in São Paulo eine Führungsrolle und es hat sogar andere (Unternehmen) koordiniert", sagte Neto.

Kann sich Winterkorn halten?

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Die Klage trifft VW mitten im Skandal um manipulierte Abgaswerte bei seinen Diesel-Modellen. Nach Angaben der US-Umweltbehörde EPA entwickelte VW eine Software, mit der Vorgaben zur Luftreinhaltung zwar bei Tests, nicht aber beim normalen Betrieb der Autos erfüllt wurden. Die Dieselfahrzeuge stießen folglich im regulären Straßenverkehr mehr gesundheitsschädliche Stickoxide aus als erlaubt. Das US-Justizministerium leitete strafrechtliche Ermittlungen ein.

Die berufliche Zukunft von Konzernchef Martin Winterkorn ist unklar. Per Video erklärte der 68-Jährige zwar seinen Willen zum Weitermachen, ob dies aber die Aufseher überzeugt, ist offen. Eine Reaktion des mächtigen Aufsichtsratspräsidiums wird mit Spannung erwartet. Das Gremium will sich am Mittwoch erneut an einem geheimen Ort treffen und das weitere Vorgehen besprechen. Am Dienstagabend gab es bereits ein Vorgespräch, es drangen aber keine Meinungen an die Öffentlichkeit. Theoretisch könnte das oberste Kontrollgremium auch die eigentlich für Freitag fest eingeplante Vertragsverlängerung mit Winterkorn aussetzen. Sein bisheriger Vertrag läuft noch bis Ende 2016. Kritiker der Variante monieren jedoch, dass damit nicht sichergestellt ist, dass in dieser Zeit die laufenden Ermittlungen in den USA abgeschlossen werden können.

Bündnis von US-Bundesstaaten ermittelt

Winterkorn hatte am späten Dienstagnachmittag öffentlich um Entschuldigung für Manipulationen von Abgastests bei VW-Dieselautos gebeten und rasche Aufklärung versprochen. Zuvor hatte der Konzern bekanntgegeben, dass weltweit elf Millionen Wagen betroffen sind. VW bildet daher eine Milliarden-Rückstellung und hat eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Dem Konzern drohen Milliardenschäden durch mögliche Klagen und Strafgelder. Spannend bleibt auch die Reaktion der Börse. An den vergangenen beiden Handelstagen hatte die VW-Aktie rund ein Drittel ihres Wertes verloren.

Mehrere US-Bundesstaaten sind inzwischen dabei, ein Bündnis zu formen, um Ermittlungen gegen den deutschen Autobauer einzuleiten. Das bestätigte ein Sprecher des New Yorker Staatsanwalts Eric Schneiderman. Für VW bahnt sich damit noch größerer Ärger an: Sowohl wegen möglicher Straftaten wie Betrug als auch wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Umweltgesetze könnten auf bundesstaatlicher Ebene empfindliche Strafen und Bußgelder verhängt werden.

Quelle: n-tv.de

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