Wirtschaft
Will nichts gesagt haben: Evangelos Venizelos.
Will nichts gesagt haben: Evangelos Venizelos.(Foto: REUTERS)

Nach dem Treffen von Washington: Venizelos dementiert Pleite-Plan

Die Schuldenkrise in Europa wird von neuen Spekulationen angeheizt: Jetzt muss sich Griechenlands Finanzminister gegen Gerüchte wehren, er habe bei seinem Treffen mit IWF-Chefin Lagarde auch über die Stichworte "Hair Cut" oder "Staatspleite" geredet. Die US-Großbank JP Morgan bringt unterdessen ein neues Milliardenprogramm zur Banken-Rettung ins Spiel.

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos hat Berichte über Gespräche mit IWF und EZB zu einer geordneten Staatspleite des klammen Landes dementiert.

Ahnt Schwierigkeiten: Christine Lagarde.
Ahnt Schwierigkeiten: Christine Lagarde.(Foto: REUTERS)

Mehrere griechische und internationale Medien hatten berichtet, Athen habe mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) über die Möglichkeit einer geordneten Umschuldung mit einem Schuldenschnitt von bis zu 50 Prozent gesprochen. "Es ist bedauerlich, dass ich jeden Tag gezwungen werde, Veröffentlichungen griechischer Medien zu dementieren", sagte Venizelos. Über sein Ministerium ließ er erklären, er habe hinter verschlossenen Türen mit EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und IWF-Chefin Christine Lagarde gesprochen. Eine Staatspleite Griechenlands habe dabei nicht auf der Tagesordnung gestanden. "Darüber wurde nicht gesprochen", versicherte der Minister.

"Es ist absolut sicher, dass es dabei weder eine Diskussion über ein sogenanntes Szenario einer geordneten staatlichen Insolvenz gegeben hat, noch geben konnte." Lagarde, Trichet und Venizelos hatten sich am Rande der Jahreskonferenz von IWF und Weltbank am Wochenende in Washington getroffen.

Unabhängig von den politischen Bemühungen um eine dauerhafte Bewältigung der Krise meldet sich eine US-amerikanische Investmentbank mit einem sehr konkreten Krisenszenario zu Wort. Angesichts der Finanzierungsprobleme europäischer Banken hält JP Morgan eine europäische Version des amerikanischen Rettungsprogramms Rettung kommt "billiger" für immer wahrscheinlicher.

Das Volumen könnte bis zu 150 Mrd. Euro betragen, hieß es in einem Kommentar. Den Finanzierungsbedarf der europäischen Banken im Ernstfall bezifferte JP Morgan mit bis zu 148 Mrd. Euro. Dabei unterstellte die Investmentbank eine 60-prozentige Umschuldung Griechenlands, einen 40-prozentigen Schuldenerlass für Portugal und Irland sowie einen 20-prozentigen Ausfall italienischer und spanischer Bonds.

Die Berechnungen von JP Morgan sind bislang rein spekulativ. Belastbare Anhaltspunkte für einen "Hair Cut" bei griechischen Staatsanleihen und den Ausmaßen ähnlicher Aktionen in weiteren europäischen Ländern gibt es bislang nicht. Allerdings hatte Venizelos erst kürzlich mit Aussagen zu einem möglichen Schuldenschnitt für erhebliches Aufsehen gesorgt. Die Regierung in Athen hatte ein solches Szenario umgehend "kategorisch" zurückgewiesen. 

Die wichtigsten 28 europäischen Banken benötigen den Berechnungen von JP Morgan zufolge mindestens 45 Mrd. Euro, um bis 2012 die Kapitalanforderungen für systemrelevante Banken zu erfüllen.

"Vom Chance-Risiko-Profil her ist Euro-TARP unserer Einschätzung nach die beste Möglichkeit, um die Finanzierung für die europäischen Banken sicherzustellen", schrieb JP-Morgan-Analyst Kian Abouhossein in einem Kommentar an Kunden. "Wir sind der Meinung, dass Kapitalspritzen über Zwangsanleihen das beste Instrument sind."

Die USA hatten zum Höhepunkt der Kreditkrise im Oktober 2008 das am Ende 700 Mrd. Dollar schwere TARP-Hilfsprogramm verabschiedet. Tarp-Chef sieht Missbrauch waren vor allem Banken, der ehemals weltgrößte Versicherer AIG sowie die angeschlagenen Autohersteller in den USA.

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Quelle: n-tv.de

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