Wirtschaft
Mit Warnstreiks legte Verdi den Postverkehr in Deutschland bereits mehrfach in den vergangenen Monaten lahm.
Mit Warnstreiks legte Verdi den Postverkehr in Deutschland bereits mehrfach in den vergangenen Monaten lahm.(Foto: dpa)

"Zeichen stehen auf Sturm": Verdi kündigt Poststreik an

Der Bahnstreik ist noch nicht vorbei, da droht Deutschland bereits der nächste einschneidende Arbeitskampf. Die Gewerkschaft Verdi bricht die Tarifverhandlungen mit der Deutschen Post und will kommende Woche bundesweit streiken lassen.

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Post hat die Gewerkschaft Verdi neue Streiks angekündigt. Verdi habe die Verhandlungen zur Arbeitszeit für die rund 140.000 Tarifbeschäftigten abgebrochen und werde in der nächsten Woche bundesweite Streikmaßnahmen starten, teilte die Gewerkschaft in Berlin mit. Wo und wann gestreikt werde, werde kurzfristig bekannt gegeben.

Die Post sei nicht bereit, die Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich von 38,5 auf 36 Stunden zu verkürzen, erklärte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende und Verhandlungsführerin Andrea Kocsis. Zudem wolle der Konzern den Beschäftigten jeglichen Schutz vor Fremdvergabe ihrer Arbeit nehmen. Mit ihrem Angebot, das die Post in der vierten Verhandlungsrunde vorgelegt habe, wolle das Unternehmen seinen "Vertragsbruch legalisieren und die Voraussetzungen dafür schaffen, den Konzern mittelfristig in Billiggesellschaften zu zerlegen", kritisierte Kocsis.

Die Verhandlungskommission werde der Konzerntarifkommission deshalb empfehlen, das Arbeitgeberangebot rundweg abzulehnen, erklärte die Gewerkschafterin. "Die Zeichen stehen jetzt auf Sturm."

20.000 Jobs in Billiggesellschaften

Die Post bot nach eigenen Angaben eine Verlängerung des Kündigungsschutzes bis Ende 2018 an, eine Arbeitsbefreiung an Heiligabend und Silvester sowie eine Erhöhung der Erholungszeiten. Das Gesamtpaket bedeute eine Arbeitszeitverkürzung von durchschnittlich einer Stunde pro Woche bei vollem Lohnausgleich, erklärte das Unternehmen.

Die nun abgebrochenen Verhandlungen zur Arbeitszeit dauern bereits seit Monaten erfolglos an. Verdi hatte schon mit Warnstreiks versucht, Druck auf den Konzern zumachen.

Hintergrund der Verdi-Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung im Manteltarifvertrag ist das neue Konzept für die Paketzustellung der Deutschen Post: Der Konzern hatte dafür zu Jahresbeginn 49 Regionalgesellschaften gegründet, in denen 20.000 Jobs entstehen sollen. Diese sollen allerdings nicht nach Haustarif, sondern nach den Tarifregelungen der Speditions- und Logistikbranche bezahlt werden.

Verdi kritisiert, durch den Aufbau eines flächendeckenden Zustellnetzes über die 49 Regionalgesellschaften für die Paketzustellung breche die Post einen mit der Gewerkschaft geschlossenen Vertrag, wonach das Unternehmen maximal 990 Zustellbezirke an Dritte vergeben dürfe. Für diesen Schutz vor Fremdvergabe hätten die Beschäftigten auf Kurzpausen und freie Tage verzichtet.

Quelle: n-tv.de

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