Wirtschaft
Lebensversicherer wie die Allianz sollen längere Übergangsfristen für die geplanten härteren Kapitalregeln bekommen.
Lebensversicherer wie die Allianz sollen längere Übergangsfristen für die geplanten härteren Kapitalregeln bekommen.(Foto: picture alliance / dpa)

Härtere Kapitalregeln erst ab 2021: Versicherer bekommen Aufschub

Es wäre ein Riesenerfolg der Versicherungslobby: Laut einem Medienbericht will die EU die geplanten härteren Kapitalregeln für alle Altverträge um sieben Jahre verschieben. Das würde die Reform erheblich entschärfen: Eigentlich sollten die strengeren Vorschriften schon 2014 gelten - und das Geld der Versicherten sicherer machen.

Die EU will die geplanten strengeren Kapitalvorschriften für Versicherer offenbar deutlich abmildern. Nach heftigem Druck der Branche und Kritik von Aufsichtsbehörden wolle Brüssel alle bestehenden Verträge für sieben Jahre von dem neuen Regelwerk "Solvency II" ausnehmen, das ab 2014 gelten soll, berichtet die "Financial Times Deutschland". Für die Altverträge sollten weiter die bisherigen laxeren Standards gelten. Nur bei Risikomanagement und Berichten müssten Unternehmen die neuen Regeln einhalten. Dies entschärfe die Reform für die Lebensversicherer erheblich.

Mit der Schonfrist reagiert die EU dem Bericht zufolge auf Warnungen, dass viele Versicherer mit den neuen Regeln enorme Probleme bekommen könnten. Bei einem Test der deutschen Branche hatte sich herausgestellt, dass rund 40 Prozent der Lebensversicherer in Schwierigkeiten geraten würden, rund zehn Prozent sogar in Existenznot. "Das Problem sind die Niedrigzinsen, sie wirken sich unter 'Solvency II' sehr negativ aus", zitiert die "FTD" einen Topmanager.

Das Regelwerk sollte die Branche eigentlich stärker an die Kandare nehmen und damit das Geld der Versicherten sicherer machen. Mit "Solvency II" will Brüssel die Aufsichtsregeln EU-weit vereinheitlichen und Versicherer krisenfester machen. Die Kapitalausstattung der Versicherer muss sich künftig stärker an den tatsächlichen Risiken ausrichten. So braucht ein Anbieter, der Pharmafirmen versichert, mehr Kapital als der Rivale, der Wohnhäuser abdeckt. Versicherer müssen Kapitalanlagen in Aktien mit mehr Eigenmitteln unterlegen als bei Anlagen in Staatsanleihen.

In Brüssel laufen momentan die Abstimmungen zwischen Parlament, EU-Kommission und Ministerrat über das Regelwerk. Die EU-Kommission hat Zustimmung zu der längeren Schonfrist von sieben Jahren signalisiert. Erst Ende April hatte die EU-Kommission den europäischen Staaten ein halbes Jahr mehr Zeit - bis zum 30. Juni kommenden Jahres - gegeben, um die neuen Kapitalvorschriften umzusetzen. Grund seien Verzögerungen im Gesetzgebungsprozess, hatte die Kommission eingeräumt.

Quelle: n-tv.de

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