Wirtschaft

Per Haftbefehl gesucht: Verwirrung um Ex-Wadan-Eigner

Vom Chefsessel auf die Zellenpritsche: Der frühere Eigentümer der insolventen Wadan-Werften in Wismar und Rostock-Warnemünde, Andrej Burlakow, soll in Moskauer Untersuchungshaft sitzen.

Andrej Burlakow
Andrej Burlakow(Foto: picture alliance / dpa)

Widersprüchliche Angaben über das Schicksal des früheren Eigentümers der insolventen Wadan-Werften: Nach russischen Medienberichten war am Dienstag wieder unklar, ob Andrej Burlakow bereits in Untersuchungshaft sitzt oder noch flüchtig ist. Ein Mitarbeiter der russischen Polizei sagte der Staatsagentur Ria Nowosti, der Unternehmer werde per Haftbefehl gesucht. Zuvor hatte Nowosti selbst unter Berufung auf die Moskauer Polizei gemeldet, Burlakow sei in Untersuchungshaft. Dies berichtete auch die russische Zeitung "Gaseta". Ihm werde Betrug beim Kauf der heutigen Nordic-Werften in Wismar und Rostock-Warnemünde vorgeworfen, die er im Juli 2008 für fast 250 Mio. Euro vom norwegischen Aker-Konzern übernommen hatte.

Aus welchen Quellen das Geld stammte, ist noch nicht abschließend geklärt. Laut offiziellen Angaben hatte Burlakow als Chef einer Leasing-Firma ungedeckte Kredite an Briefkastenfirmen vergeben und das Unternehmen damit in den Bankrott getrieben. Von "schwerem Betrug" ist die Rede. Angaben dazu, ob die Festnahme unmittelbar mit seinen Aktivitäten in Deutschland zu tun habe, machten die Ermittler nicht. Fest steht indes, dass die Behörden den Multimillionär bereits seit Monaten im Visier hatten. Für seinen Einstieg bei der einst drittgrößten deutschen Werft mit ehemals rund 2500 Beschäftigten soll Burlakow "illegale Gelder" sowie Mittel der staatlichen Investmentfirma FLC West abgezweigt haben, berichtet der "Spiegel".

Insolvenz im Juni

Nachdem der Übernahme-Deal besiegelt worden war, hatte der oft als reicher Lebemann auftretende Manager immer wieder Neuaufträge für die notleidenden Schiffbaubetriebe in Mecklenburg-Vorpommern versprochen. Den vollmundigen Ankündigungen folgten jedoch keinerlei Bestellungen. Monatelang kämpften die zahlungsunfähigen Werften ums Überleben. Im Juni folgte schließlich die Insolvenz.

Der hohe Kaufpreis hatte seinerzeit nicht nur bei der Belegschaft der Wadan-Werften Stirnrunzeln hervorgerufen. "Aker war an der Börse, da sollte der Marktwert wohl noch einmal gesteigert werden", vermutet die Wismarer Ex-Betriebsratschefin Ines Scheel. "Wir waren froh, dass uns überhaupt jemand haben wollte." Etwas überraschter gab sich ihr Warnemünder Kollege Harald Ruschel: "Das wirft ein schlechtes Licht auf den Investor." Er baue darauf, dass Burlakows Nachfolger Witali Jussufow, der die Werften im August für 40,5 Mio. Euro kaufte und in Nordic Yards umbenannte, nun nicht auch in Misskredit gerate.

Jussofow geht auf Distanz

Aus Sicht der IG Metall liegt der Fall Burlakow anders. Die Betrugsvorwürfe hätten seit jeher in der Luft gelegen, meinte der Rostocker Gewerkschafter Rüdiger Klein. "Es gab Unmengen von Anzeichen, denen leider niemand nachgegangen ist." Die Aker-Zentrale in Oslo - heute Sitz der Wadan-Muttergesellschaft Wadan Yards - hätte mit einer sorgfältigen Prüfung Burlakows geschäftliches Umfeld ausleuchten müssen, um Zweifel an dessen Seriosität auszuräumen. "Die Sorge, woher das Geld kommt, gab es ja schon früher."

Während die Wadan-Insolvenzverwaltung die Festnahme Burlakows nicht kommentieren wollte, bemühte sich Jussufow, die Solidität seines Engagements an der Ostseeküste zu versichern. "Nordic Yards befindet sich zu 100 Prozent in meinem Eigentum. Der Kaufpreis wurde mit Eigenkapital finanziert", teilte er mit. Und: "Zu Herrn Burlakow stehen weder Nordic Yards noch ich in irgendeiner Verbindung."

Quelle: n-tv.de

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