Wirtschaft
Siemens-Chef Lösche (l.) und Aufsichtsratschef Cromme stehen seit Monaten in der Kritik.
Siemens-Chef Lösche (l.) und Aufsichtsratschef Cromme stehen seit Monaten in der Kritik.(Foto: picture alliance / dpa)

Turbulente Hauptversammlung erwartet: Verwirrung um Siemens-Gewinn

Einen Tag vor der Hauptversammlung kocht die Gerüchteküche hoch: Eine Zeitung berichtet von einer stabilen Gewinnentwicklung im ersten Geschäftsjahr. Der Aktienkurs steigt. Insider warten kurz danach jedoch mit anderen Zahlen auf. Die Kursgewinne bröckeln.

Siemens-Aktionäre haben es dieser Tage schwer. Zusätzlich zu allen Baustellen des Konzerns gibt es große Verwirrung um die Gewinnentwicklung im vergangenen Geschäftsquartal.  Während das "Handelsblatt" von einer stabilen Gewinnentwicklung berichtet, warnen Insider, diese Hoffnungen auf einen stabilen Überschuss würden sich nicht erfüllen. Siemens selbst gibt einen Tag vor der erwarteten Hauptversammlung, bei der auch der Zwischenbericht veröffentlicht werden soll, keine Stellungnahme ab.

Den Angaben aus informierten Kreise zufolge soll der Gewinn des Konzerns aus fortgeführtem Geschäft im abgelaufenen Quartal ungefähr auf die von Analysten prognostizierte Summe von 1,14 Mrd. Euro geschmolzen sein.

Der anderslautende Bericht des "Handelsblatt" beziffert den Gewinn aus fortgeführtem Geschäft im Auftaktquartal 2012/13 auf 1,3 Mrd. Euro. Damit wäre er in etwa konstant geblieben. Der Bericht reichte aus, die Siemens-Aktie kurzzeitig zu beflügeln.

Im Vorjahr hatte Siemens einen Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft von 1,46 Mrd. Euro ausgewiesen, mittlerweile aber einige Sparten zum Verkauf gestellt, die zu diesem Wert womöglich nicht mehr beitragen. Klarheit wird erst die Hauptversammlung bringen, auf der auch das Zwischenergebnis vorgestellt wird.

Die Baustellen von Siemens

Aus Frankreich gibt es unterdessen Zeichen einer Erholung der globalen Nachfrage in den für Siemens wichtigen Märkten für Industrieausrüstung, Energie- und Infrastrukturtechnik. Der Siemens-Rivale Alstom vermeldete ein leichtes Auftragsplus. Vor allem Züge und Kraftwerkstechnik seien wieder gefragt, hieß es aus Paris.

Mit seinen Zügen hatte Siemens zuletzt wenig Glück. Im abgelaufenen Quartal lasten die Kosten für die verzögerte Auslieferung von ICE-Modellen an die Deutsche Bahn auf der Bilanz.

Dazu kommt der Ausstieg aus dem verlustreichen Solargeschäft sowie erste Ausgaben für das laufende Sparprogramm. Für den zweijährigen Konzernumbau hat Vorstandschef Peter Löscher 1,5 Mrd. Euro veranschlagt. Das Programm soll die jährlichen Kosten bis 2014 um sechs Mrd. Euro drücken. Zudem könnten die schärferen Sanktionen gegen den Iran sich nochmals in den Büchern des Konzerns niederschlagen. Zuletzt hatte Siemens-Finanzchef Joe Kaeser für die ohnehin auslaufenden Aktivitäten am persischen Golf knapp 330 Mio. Euro an Lasten verbuchen müssen, 700 Mio. Euro strich er aus dem Auftragsbuch

Widerstand gegen Crommes Wiederwahl

Das Aktionärstreffen dürfte turbulent werden. Siemens muss sich auf  harte Diskussionen um die Neubesetzung des Aufsichtsrats einstellen. Einflussreiche Investorenberater empfehlen, gegen die geplante Wiederwahl von Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zu votieren. Auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme muss sich auf starken Gegenwind einstimmen.

Die US-Investorenberatungsfirma Glass Lewis kreidet Ackermann und Cromme an, dass diese bereits zu Zeiten der Schmiergeldaffäre im Siemens-Aufsichtsrat saßen, die den Konzern vor einigen Jahren erschüttert hatte. Auch wenn die jahrelange Aufbereitung des Skandals zu keinerlei rechtlichen Folgen für die beiden geführt hatte, sehen die Investorenberater Cromme und Ackermann in der Pflicht.

"Wir sind davon überzeugt, dass die Mitglieder des Aufsichtsrates eines Unternehmens dafür verantwortlich sind, dass es geeignete Kontrollen gibt, um derartig weit verbreitete betrügerische Aktivitäten wie 2006 bei Siemens zu verhindern", heißt es in einem dem Wall Street Journal Deutschland vorliegenden Empfehlungsschreiben an die Aktionäre.

Der Skandal kostete Siemens insgesamt rund 2,5 Mrd. Euro. Mehrere Manager wurden verurteilt, der ehemalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer und andere Ex-Vorstände zahlten Schadensersatz in Millionenhöhe.

Quelle: n-tv.de

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