Wirtschaft
Unter anderem viele Friseurbetriebe sollen einem Bericht zufolge ihre Azubis ausnutzen.
Unter anderem viele Friseurbetriebe sollen einem Bericht zufolge ihre Azubis ausnutzen.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Sonntag, 23. Juli 2017

Billiger Praktikanten-Ersatz: Viele Betriebe nutzen Azubis aus

Angesichts des Fachkräftemangels sollte man meinen, Betriebe wüssten ihre Auszubildenden zu schätzen. Doch vor allem Kleinbetriebe sollen sie missbrauchen. Betroffen sind vor allem jene Azubis, die sonst kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Viele Auszubildende in Deutschland werden einem Bericht zufolge von ihren Betrieben ausgenutzt. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" schreibt, dass sie vor allem in Kleinbetrieben regelmäßig Überstunden machen, die ihnen weder auf den Urlaub angerechnet noch bezahlt werden. Weiterhin sollen viele Azubis Aufgaben erledigen, die mit ihrer eigentlichen Ausbildung nichts zu tun haben - etwa Fensterputzen, Bodenwischen und Messestände aufbauen.

Besonders schlimm sei die Lage bei Friseuren, in Zahnarztpraxen, Reisebüros, in der Gastronomie sowie in der Hotel- und Reinigungsbranche, berichtet die Zeitung. In einigen Wäschereien würden Auszubildende etwa systematisch gezwungen, Überstunden zu leisten. Bezahlt werden diese allerdings nicht: Vorgesetzte hielten die Überstunden selten offiziell fest, heißt es in dem Bericht. Beschwerden gegen diese Praxis hätten deswegen fast nie Aussicht auf Erfolg. Zusätzlich weisen die betroffenen Azubis überdurchschnittlich viele Fehltage in der Berufsschule auf und fallen häufiger durch die Abschlussprüfung.  

Missbrauch mit System

Betroffen von dem Missbrauch sind dem Blatt zufolge vor allem Jugendliche, die auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen haben, zum Beispiel Hauptschüler mit schlechten Noten. Diese gelten demnach als billige Alternative zu Praktikanten, für die Unternehmen seit zwei Jahren einen Mindestlohn zahlen müssen. Auszubildende kosten dagegen nur 500 Euro pro Monat.

Glaubt man Gewerkschaften, hat der Missbrauch System. Tobias Wunsch, bei der IG Metall für Ausbildung zuständig, sagte der Zeitung: "Natürlich sind das alles nicht nur Einzelfälle oder schwarze Schafe." Seit Jahren beschweren sich Jugendliche Untersuchungen zufolge über die Ausbildung in den genannten Branchen.

Obwohl diese Vorwürfe seit langer Zeit bekannt sind, greifen die zuständigen Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern nur selten ein. "Weil sie immer wieder die Interessen der Wirtschaft vertreten, nicht die der Jugendlichen", erklärt Gewerkschafter Wunsch.

Quelle: n-tv.de

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