Wirtschaft
(Foto: imago/Xinhua)

ETF-Urgestein Jim Ross im Interview: "Viermal so oft gehandelt wie Apple"

ETFs sind eine durchaus erfolgreiche Produktgruppe. Ihr Siegeszug ist aber noch nicht zu Ende, sagt Jim Ross vom US-Finanzdienstleister State Street Global Advisors. Der Begründer des weltweit größten ETFs sieht vor allem am Rentenmarkt gute Wachstumschancen.

Telebörse.de: Der SPDR S&P 500 war der erste ETF, der es schaffte, ein Vermögen über 100 Milliarden US-Dollar zu erreichen. Als einer der ETF-Pioniere und Urgestein bei State Street Global Advisors – macht Sie das stolz?

Jim Ross: Wir sind extrem stolz darauf. Der SPDR S&P 500 ist der weltweit größte ETF. Ein weiterer Aspekt ist, dass er auch das liquideste Wertpapier der Welt ist. Er wird viermal so oft gehandelt wie Apple und das ist ziemlich beeindruckend.

Sie waren von Anfang dabei, als der SPDR S&P 500 vor über 20 Jahren an den Markt gebracht wurde. Hätten Sie das damals erwartet?

Das hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Als dieser ETF 1993 lanciert wurde, hatten wir viel bescheidenere Erwartungen. Wir hatten uns das nicht ausgemalt. Dieses Produkt wurde ursprünglich lediglich für institutionelle Marktteilnehmer kreiert – und in den ersten sieben Jahren war es das auch. Wir hatten gedacht, dass es vielleicht in den USA vier oder fünf institutionelle Anleger geben würde, die sich für den ETF interessierten.

Sie sind einer der ersten in der ETF-Branche, aber John Bogle gilt als der Erfinder der ETFs. Kennen Sie ihn persönlich?

Ich kann nicht sagen, dass ich ihn gut kenne. John hat sich schon vor einiger Zeit zur Ruhe gesetzt. Er war nie ein großer Fan von ETFs.

Jim Ross hat 1993 für den US-Finanzdienstleister "State Street Global Advisors" den SPDR S&P 500-ETF aufgelegt, der inzwischen der größte ETF der Welt ist. Das Volumen beträgt mehr als 200 Milliarden USD, und der tägliche Umsatz übersteigt die 100 Millionen USD-Marke. Jim Ross ist für das globale ETF-Geschäft von State Street Global Advisors zuständig.
Jim Ross hat 1993 für den US-Finanzdienstleister "State Street Global Advisors" den SPDR S&P 500-ETF aufgelegt, der inzwischen der größte ETF der Welt ist. Das Volumen beträgt mehr als 200 Milliarden USD, und der tägliche Umsatz übersteigt die 100 Millionen USD-Marke. Jim Ross ist für das globale ETF-Geschäft von State Street Global Advisors zuständig.

Wie kann das sein? Diese Produkte sind sein Baby.

Er war zwar der Erfinder des Indexfonds, aber er war nie sonderlich begeistert davon, dass ein Indexfonds an der Börse gehandelt wird. Das können Sie mir glauben - ich hatte zu dem Thema schon etliche Diskussionen mit ihm.

Was fasziniert Sie an ETFs, also an börsengehandelten Indexfonds? Immerhin sind Sie der Branche seit über 20 Jahren treu geblieben.

Einzigartig an ETFs ist - und das ist auch der Grund, warum ich bei diesen Produkten geblieben bin -, dass jeder Anleger den gleichen Preis für sie bezahlt und man sie vielfältig einsetzen kann.

In Deutschland gibt es mehrere hunderttausend Zertifikate und Hebelprodukte. Diese Vielfalt macht das Angebot unübersichtlich. Auch die Anzahl der ETFs steigt. Könnte es auch hier zu viele geben?

Ich denke, dass wir ziemlich effiziente Märkte haben. Gute Ideen setzen sich durch, nicht so gute Ideen verschwinden wieder. Wir als State Street würden übrigens kritisiert, weil wir zu wenig ETFs hätten. In den USA haben wir 140 ETFs und ich denke nicht, dass es ein zu kleines Angebot ist. In Europa haben wir exakt 61.

Nach welchen Kriterien gestalten Sie das Angebot?

Wir suchen nach sinnvollen Produktinnovationen und wir legen nicht zusätzliche Produkte einfach so auf. Wir richten uns nach den speziellen Bedürfnissen der Investoren und wir beobachten den Markt.

Und welche Trends sehen Sie aktuell bei der Nachfrage?

Wir beobachten ein Interesse an verschiedenen Typen von Anleihen-ETFs, mit deren Hilfe eine größere Diversifikation möglich ist. Vor vier oder fünf Jahren hat man Anleihen anders behandelt, man hat sie nicht wirklich gemanagt und nicht so sehr auf eine Diversifikation bei Renten-Investments geachtet. Heutzutage wollen die Investoren auch hier wissen, wo die Risiken sind. Das Zinsumfeld beunruhigt sie ganz offensichtlich.

Mit Jim Ross sprach Michaela Sprenger.

Quelle: n-tv.de

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