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Zukunftsträchtiges Geschäft: Activision Blizzard entwickelt ertragreiche Computerspiele und erreicht damit ein Millionenpublikum
Zukunftsträchtiges Geschäft: Activision Blizzard entwickelt ertragreiche Computerspiele und erreicht damit ein Millionenpublikum(Foto: picture alliance / dpa)

Medienriese verkauft Spiele-Schmiede: Vivendi macht Activision zu Geld

Robert "Bobby" Kotick ist am Ziel. Der visionäre Spieleproduzent aus Kalifornien überzeugt den französischen Medienkonzern Vivendi von den Vorteilen einer spektakulären Verkaufsaktion: Kotick bringt eine Milliardensumme auf und darf nun Activision zurück in die Unabhängigkeit führen.

Mit einem milliardenschweren Verkauf von Anteilen an dem weltgrößten Computer- und Videospiele-Hersteller Activision Blizzard treibt der französische Medienriese Vivendi seinen Konzernumbau voran. Vivendi werde sich von einem Großteil seiner Beteiligung an dem Produzenten von Spielen wie "World of Warcraft" trennen, teilte das Unternehmen am Konzernsitz in Paris mit.

Wichtigster Punkt aus der Sicht von Vivendi: Der Verkauf wird der hoch verschuldeten Universal-Music-Mutter 8,2 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 6,2 Mrd. Euro) in die Kassen spülen. Für diese Summe geht das Aktienpaket an Activision Blizzard. Käufer ist eine Investorengruppe unter Führung von Unternehmenschef Bobby Kotick. Der einstige Apple-Programmierer und Medienunternehmer arbeitete schon länger auf eine Unabhängigkeit der US-Videospielefirma hin.

Vivendi gibt damit zwar die Mehrheit an Activision Blizzard ab, behält aber auch künftig zwölf Prozent an dem Anbieter von Spielen wie "Call of Duty", "Diablo", "Spider-Man", "X-Men" und "James Bond". Der französische Medien- und Telekommunikationskonzern war bei dem Unternehmen seit 2007 am Ruder und versucht schon seit Längerem, mehr Kapital aus der Firma zu schlagen.

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Ein erster Anlauf zum Verkauf des bisherigen 61-Prozent-Anteils war im vergangenen Jahr gescheitert. Nach der Schlappe erklärten die Franzosen ihr Mediengeschäft zum wichtigsten Teil des Konglomerats, so dass die Trennung von Activision für einige Beobachter nun überraschend kommt - zumal die Firma profitabler ist als andere Vivendi-Sparten.

Nach Abschluss der Transaktion soll die Mehrzahl der Aktien an der Börse notiert sein, teilte Activision mit. Die Investoren um Kotick werden 24,9 Prozent halten. Der Anteil des französischen Vivendi-Konzerns schrumpft wie bereits erwähnt auf 12 Prozent.

Spiele-Erträge retten Vivendi

Noch im vergangenen Jahr hatten gute Geschäfte des Electronic-Arts-Rivalen die Konzernmutter Vivendi vor einem noch größeren Gewinneinbruch bewahrt. Mit seiner Mobilfunktochter SFR litt der Konzern damals vor allem unter dem verschärften Preiskampf in Frankreich. Activision Blizzard war aus der Fusion der Vivendi-Spielesparte und Activision hervorgegangen. Mit dem Verkauf fällt dieses Ertragsstandbein künftig weitgehend weg. Aus einer dynamisch wachsenden Stütze wird ein Einmaleffekt - abgesehen von dem kleinen Restanteil.

Ein Vivendi-Sprecher erklärte, das Mediengeschäft konzentriere sich nun ganz auf die Universal Music Group und den Pay-TV-Sender "Canal Plus" sowie auf andere 100-prozentige Töchter in der Unterhaltungsbranche. Finanzvorstand Philippe Capron betonte zudem, durch den Restanteil von zwölf Prozent profitiere Vivendi auch weiter vom Activision-Blizzard-Geschäft.

Die Einnahmen sollten vor allem dazu dienen, die Schulden zu verringern und die Bonitätsnote zu sichern. Erst am Dienstag hatten die Franzosen den Verkauf der marokkanischen Sparte Maroc Telecom an den in Abu Dhabi ansässigen Wettbewerber Etisalat angekündigt.

Mit Hilfe aus China

Activision-Blizzard-Chef Kotick nähert sich mit dem nach monatelangen Gesprächen ausgehandelten Aktienrückkauf seinem Ziel, das von ihm seit 1991 zur Branchengröße entwickelten Unternehmen wieder unter die eigene Kontrolle zu bringen. Dafür investiert die Firma aus dem kalifornischen Santa Monica selbst 5,83 Milliarden Dollar (rund 4,5 Milliarden Euro).

Weitere 2,34 Milliarden Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro) kommen von Unternehmenschef Kotick, Co-Chairman Brian Kelly und einem Investorenkonsortium. Darunter sei auch das chinesische Webportal Tencent.

Activision wurde bei dem Kauf nach eigenen Angaben von J.P. Morgan Securities LLC beraten, Vivendi holte sich Insidern zufolge Unterstützung bei Goldman Sachs und Barclays. Vivendi-Aktien legten als Reaktion auf den Verkauf rund drei Prozent zu.

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Quelle: n-tv.de

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